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Mesut Özil „Es geht schon lange nicht mehr um Özils Foto“

Mesut Özil sorgt mit zwei langen Statements zu seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für Aufsehen. Ein Überblick über die Reaktionen.

22.07.2018 18:43
Mesut Özil
Mesut Özil bei der WM in Russland. Foto: rtr

Etwa zweieinhalb Monate lang hatte Mesut Özil geschwiegen, nun äußert er sich an einem Sonntag überraschend doch noch zu seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Die zwei Statements sind lang und auf englisch verfasst und sorgen schnell für zahlreiche Reaktionen. Ein Überblick.

Auf Twitter - unter anderem dort hatte Özil seine Statements veröffentlicht - findet der Nationalspieler sowohl Unterstützer als auch Kritiker. Manche Tweets argumentieren emotional, andere politisch, wieder andere sind einfach nur rassistisch - im Grunde gibt es die selben Tendenzen wie beim ursprünglichen Foto mit Erdogan. „Es gibt Menschen, denen ist völlig egal was Özil gesagt hat oder sagen wird. Sie wollen keine Erklärung. Sie wollen nicht differenzieren. Sie wollen nur geifern und hetzen. Armselig“, beklagt sich beispielsweise @alter_elch in einem Tweet.

„Özil ist Integrationspreisträger und Vorbild für tausende Migranten der zweiten oder dritten Generation. Diese Kinder werden nicht vergessen wie die deutsche Öffentlichkeit jetzt mit ihm umgeht. Es geht schon lange nicht mehr ums Foto, es geht um die gesellschaftliche Pluralität“, betont Twitter-Nutzer @schwatztruhe. Twitterer @XStraightEdge78 schreibt von seinen eigenen türkischen Wurzeln und berichtet: „wenn ICH ein Foto mit Erdogan gemacht hätte, hätte meine Mutter mir den Arsch versohlt und mich gefragt ob ich denn nix im Kopf hätte...“ Özil hatte in seinem Statement erklärt, seine Mutter habe ihn gelehrt, „niemals meine Herkunft, mein Erbe und meine familiären Traditionen zu vergessen.“ Für ihn sei es bei dem Foto mit Erdogan „nicht um Politik oder um Wahlen“ gegangen, sondern darum, „das höchste Amt des Landes meiner Familie zu respektieren.“ (Özils Statement im Wortlaut)

Diese Debatte ist und bleibt eine rassistische“, befindet @KeinFussball_H. „Es gäbe so viel gute und wichtige Kritik an Özil und seinem Treffen mit einem faschistischen Despoten,  doch ein Großteil der Kritikäußernden beschränkt sich darauf ihm das Deutschsein abzusprechen und ihn abschieben zu wollen.“ „Was bezweckt Özil oder sein Berater eigentlich mit den Frontalangriffen und den Rechtfertigungen?“, fragt sich unterdessen Fußballmoderator Rolf Fuhrmann auf Twitter. Sportkommentator Florian Schmidt-Sommerfeld findet„Person (Erdogan) und Amt (Präsident) kann man so nicht trennen. Das zeigen US-Sportler eindrucksvoll und richtigerweise. Keiner hat dort was gegen „den Präsidenten“ als solchen, sehr wohl aber gegen Donald Trump.“

Manche Twitterer versuchen es mit Humor: „Eine Frage hätte ich da noch: Im Februar diesen Jahres hatte sich der Papst mit Erdogan getroffen UND sie haben sich zusammen vor der Kamera ablichten lassen. Sollte der Papst nun vom Christentum „abtreten“ so wie Leute von Özil verlangen dass er vom DFB-Team zurücktritt?“, fragt @Leviathan333100 und @patschbaby meint: „Im Nachhinein verstehe ich besser, was Jogi Löw an Mesut Özil so schätzt: er steht ihm in Sachen Beratungsresistenz, mangelnder Kritikfähigkeit und Selbstherrlichkeit in nichts nach.....“ (tab)

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