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Kommentar Uli Hoeneß Zweimal setzen, sechs

Karl-Heinz Rummenigge hat unlängst populistischen Unsinn verbreitet. Da mochte Uli Hoeneß nicht lange hintenanstehen - mit Erfolg. Ein Kommentar.

Uli Hoeneß
Was Kalle kann, kann Ulli schon lange. Foto: dpa

Dass gerade einiges kolossal schief läuft im Fußballland, ist inzwischen selbst Menschen ohne Internetanschluss nicht mehr verborgen geblieben. In diesen Tagen haben sich auch die bayerischen Meinungsführer Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß mit Wortbeiträgen in die Debatte eingemischt – und dabei leider manch bräsige Diskussionskultur in deren Niveau nicht angehoben.

Rummenigge hat für seine Fundamentalkritik am DFB („alles Amateure“) viel Zustimmung erhalten. Weil es gerade so hübsch en vogue ist, auf die Funktionäre einzuprügeln. In Wahrheit hat der Bayernboss aber populistischen Unsinn verbreitet. Da mochte Uli Hoeneß nicht lange hintenanstehen und schaffte es spielend, sich dem bodenlosen Kaliber mancher Tätigkeit in den sozialen Netzwerken anzupassen. Über Mesut Özil, dessen dreifache Verbalkeule vom Sonntag deshalb argumentativ nicht besser wird, rotzte Hoeneß mal eben en passant raus: „Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt.“ Danke, Herr Hoeneß, sehr klug, in dieser Situation so bösartig zu formulieren, setzen, sechs.

Bayern-Spieler sind von der Kritik ausgenommen

Kollege Rummenigge hatte schon ein paar Tage zuvor DFB-Präsident Reinhard Grindel wegen verfehlter WM-Aufarbeitung verbal in Grund und Boden gestampft. Interessant, dass Rummenigge praktisch im selben Atemzug aber bezeugte, Joachim Löw sei weiterhin der absolut richtige Mann als Bundes-Jogi. Genau das hatte Grindel in dessen angeblich misslungenem Krisenmanagement ja gerade getan. 

Zudem merkte Rummenigge an, der DFB müsse sich ein Stück mehr dem professionellen Fußball öffnen, im Jahr 2000 unter Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sei alles viel besser gewesen. Tatsächlich ist das, was Rummenigge da herleitet, kompletter Unfug: Denn 2000 war die Deutsche Fußball-Liga als Interessenvertreter der Profiklubs noch gar nicht gegründet. Dem DFB-Präsidium gehörten seinerzeit keine prominenten Vertreter des professionellen Fußballs an, wie jetzt Ligapräsident Reinhard Rauball, DFL-Boss Christian Seifert und drei weitere Klubvertreter. Ergo: Der DFB hat sich den veränderten Machtverhältnissen schon tief gebeugt und der Liga (richtigerweise) Mitsprache- und Einspruchsrecht eingeräumt. Auch Sie, Herr Rummenigge, bitte setzen, sechs! 

Dass das Krisenmanagement unter dem vor drei Jahren verstorbenen Mayer-Vorfelder besser gewesen sein soll als heutzutage, wie Rummenigge behauptet, ist eine Mär. 2000 war gar das Chaos so groß, dass am Ende Rudi Völler in der Not zum unlizenzierten Teamchef befördert wurde. Nach dessen Rücktritt 2004 ging Mayer-Vorfelder auf einsame Bundestrainersuche, ohne irgendjemanden aus der Bundesliga in seine Überlegungen einzubinden. 

Dass Rummenigge zudem den für die Belange der Amateure zuständigen DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch pauschal kritisiert, sollte dieser getrost als Kompliment interpretieren. Der Job des Juristen ist es ja gerade, die Interessen der Kleinen zu vertreten und den Großen auch mal die Stirn zu bieten. Wenn Koch dafür nicht hin und wieder Gegenwind aus dem Profibereich erfahren würde, hätte er was falsch gemacht. 

Bleibt die Frage an die Herren Hoeneß und Rummenigge, die Sie am besten beantworten könnten: Warum waren die Bayernspieler bei der WM so schlecht?

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