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Kommentar Pappsatt

Natürlich boomt der Fußball weiter in Deutschland, und doch macht sich gleichzeitig ein gewisser Überdruss bemerkbar.

Bundestrainer Löw verlängert Vertrag
Löw kündigte an, auf die großen Stars verzichten zu wollen. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Bitte festhalten, liebe Leser, jetzt kommt ein echter Hammer. Es ist nämlich so, und es gibt leider keine Möglichkeit, das schonend zu formulieren: In Deutschland interessiert sich so gut wie niemand   für den Konföderationenpokal in Russland. Doch, doch. Aus dem Weltmeisterland, das will die Deutsche Presse-Agentur aus „Fifa-Kreisen“ erfahren haben, gab es vor dem Start der letzten Verkaufsphase am heutigen Mittwoch erst 1489 Ticketbestellungen für den WM-Testlauf in Russland. In Chile, Gruppengegner des DFB, interessieren sich demnach viermal so viele Menschen für die Weltmeisterschaftssimulation. Ist es denn zu fassen!

Ja gut, irgendwie schon. Der Überraschungsfaktor des deutschen Desinteresses für den Länderkampf in Russland bewegt sich ziemlich exakt zwischen Null und Nix. Neulich, als der eigentlich äußerst beliebte Lukas Podolski seinen Ausstand im Nationalteam gab, im Rahmen des eigentlich äußerst beliebten Fußballklassikers zwischen Deutschland und England, da haben sie in Dortmund das Stadion nicht vollgekriegt, und wären nicht zehntausende Kölner extra die A1 hochgebrettert, um ihren Stadtheiligen zu bejubeln, es hätte auf den Tribünen wohl sichtbare Lücken gegeben.

Es gibt ja ganz allgemein ein rückläufiges Interesse am Nationalteam in Deutschland, seit der EM 2016 war nur die WM-Qualifikationspartie in Hamburg gegen Tschechien ausverkauft. Die spezielle Unlust hierzulande, dem DFB-Tross nach Russland hinterherzufliegen, könnte indes damit zusammenhängen, dass Bundestrainer Joachim Löw schon recht deutlich durchklingen ließ, wie er dieses Turnier angehen will: Ohne die großen Stars, denen er eine echte Sommerpause gönnen will, dafür mit ein paar Perspektivpersonalien. Mit Perspektivpersonalien lockt man keinen Fan ins Flugzeug gen Osten.

Natürlich boomt der Fußball weiter in Deutschland, und doch macht sich gleichzeitig ein gewisser Überdruss bemerkbar. Eine Sättigungsgrenze scheint erreicht, irgendwo zwischen Vereins- und Länderfußball verläuft sie. Die Fans sind ausgelastet mit dem Klubfußball, der aus allen Kanälen medial auf ihn eindringt, Tag für Tag. Das genervte Stöhnen der Fans, wenn die Bundesliga mal wieder eine Länderspielpause einlegt, ist allenthalben zu vernehmen. Und manche Vorschläge, das Geldrad immer noch ein Stückchen weiterzudrehen, werden nicht helfen: Adidas-Chef Kasper Rorsted hat letztens verlauten lassen, er könne sich ein DFB-Pokalfinale in Shanghai vorstellen. Aus vertraulichen Kreisen dieser Sportredaktion dürfen wir verraten: Das ist eine echte Schnapsidee.

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