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Kommentar Amin Younes WM-Chance verbaut

Die WM-Teilnahmen dürfte sich Tempodribbler Amin Younes mit einer Trotzreaktion weitgehend verbaut haben. Ein Kommentar.

Ajax Amsterdam - Manchester United
Amin Younes. Foto: dpa

Jeder, der selber Fußball in einer Mannschaft gespielt hat oder spielt und den dabei auch mal das Los eines Ersatzspielers erwischte, kennt das Gefühl der maximalen Demütigung. Irgendwann befiehlt dir der Trainer, dich warmzulaufen, du hüpfst am Spielfeldrand umher, drehst den Rumpf mal links und mal rechts herum, kreist mit den Armen, damit dir warm wird, ziehst hin und wieder ein paar Sprints ins Nichts an, wünschst den bösen Vorgesetzten mit jeder neuen Übung mehr in die Hölle – und je weiter die Spielzeit fortschreitet, desto absurder wird aus deiner Sicht des tief Frustrierten eine mögliche Einwechslung. Wenn dein Team schon 4:1 führt und dein Trainer dir dann ganz kurz vor Schluss noch zuwinkt, du mögest dich bereitmachen, ist das längst keine Belohnung mehr, sondern eine Strafe. Jetzt, da deine Truppe uneinholbar führt, kannst du nichts mehr kaputtmachen.

Amin Younes dürfte sich so ähnlich gefühlt haben, als der Chefcoach von Ajax Amsterdam, Erik ten Hag, den deutschen Nationalspieler am Sonntag gegen Heerenveen zur Einwechslung aufforderte. Man kann sich die Szene im Filmchen auf Youtube anschauen. Younes bleibt ungeniert auf seinem Platz hocken.

Wahrscheinlich hat der Rotzlöffel im Ehtikunterricht nicht aufgepasst, als das Thema Frustrationstoleranz durchgenommen wurde. Natürlich erklärt sich die Reaktion des winzigen Rumtreibers, den die deutschen Reporter beim Confederations Cup als ausnehmend sympathischen Schlawiner kennenlernten, auch aus der Vorgeschichte. Der 24-Jährige hat bei seinen ersten fünf Einsätzen für Deutschland meist gut gespielt und sogar zwei Tore gemacht. Auch im Herbst wurde er von Bundestrainer Joachim Löw wieder in den Kader berufen, derweil sein Stellenwert bei Ajax Amsterdam zunehmend sank. In den vergangenen acht Partien kam er lediglich zu vier Kurzeinsätzen. Das nagt an einem jungen Mann, der eigentlich vorhatte, im Sommer mit dem DFB-Team zur WM zu fliegen.

Dieses Ziel dürfte sich der Tempodribbler mit seiner Trotzreaktion weitgehend verbaut haben. Zumindest für die beiden kommenden Wochen hat ihn Ajax zur Strafe in die zweite Mannschaft versetzt. Für den Kader der Länderspiele gegen Spanien und Brasilien am 23. und 27. März, den Löw am Freitag nominieren wird, hat er sich damit komplett disqualifiziert. Da bis zur Nominierung des WM-Kaders am 15. Mai keine weiteren Länderspiele mehr stattfinden und Younes nach diesem Eklat kaum noch realistische Chancen haben dürfte, sich bei Ajax in die Startelf zu drängen, bräuchte es das sonnige Gemüt eines Fantasten, um wenigstens noch schemenhaft eine realistische Perspektive gen Russland zu erkennen.

Dabei hätte Löw einen Mann mit Younes’ Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins-Spiel eigentlich gern mitgenommen. Es gibt nämlich so wenige deutsche Fußballspieler, die dicht gestaffelte Abwehrreihen auf engstem Raum mit ein paar Körpertäuschungen aushebeln können. Amin Younes hat nicht nur sich persönlich keinen guten Dienst getan.

 

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