Lade Inhalte...

Jerome Boateng Boateng spielt auf anderem Feld

Nicht in DFB-Kader nominiert, aber aktiv im Kampf gegen Rassismus.

-
Jerome Boateng (re.) sorgt sich um zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Foto: AFP

Joachim Löw treibt den Verjüngungsprozess in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter voran. Am Freitag nominierte der Bundestrainer den Kader für ein Testländerspiel gegen Russland am 15. November (20.45 Uhr, RTL) in Leipzig und in den Abstiegskampf in der Nations League am 19. November (20.45 Uhr, ARD) gegen die Niederlande in Gelsenkirchen. Dabei verzichtete er auf den Münchner Jerome Boateng. Zuvor hatte Löw mit dem 30-Jährigen persönlich gesprochen: „Ich habe ihm gesagt, dass wir auch auf seiner Position viele Alternativen haben, gerade mit jüngeren Spielern.“ Übersetzt heißt das: Der erfahrene Innenverteidiger muss sich neu anbieten, will er zurück ins Team gelangen. 

Auch eine Nominierung von Thomas Müller ist für Löw erstmals seit acht Jahren keine pure Selbstverständlichkeit gewesen. Rein sportlich hätte es gute Gründe gegeben, im Fall Müller ähnlich zu verfahren wie bei Boateng. Aber Müllers überdurchschnittliche Sozialkompetenz sicherte ihm gerade noch den Kaderplatz: „Er ist ein Energiegeber und identifiziert sich unheimlich mit der Nationalmannschaft, für die er viel tut. Deshalb ist er dabei“, begründet Löw und schiebt im selben Atemzug warnend nach: „Aber natürlich muss auch er sich dem Konkurrenzkampf stellen.“ 

Für die bei weitem nicht ausverkaufte Partie in Leipzig gönnt der Bundestrainer Toni Kroos eine Ruhepause. Der Mittelfeldspieler wird vier Tage später in Gelsenkirchen aber dabei sein. Überhaupt nicht anreisen wird Torwart Marc André ter Stegen vom FC Barcelona, ter Stegen benötige wegen anhaltender Schulterbeschwerden „ein paar Tage ohne Belastung“. Die dürften auch Boateng gut tun, der allerdings nicht aus Gründen der Schonung außen vor bleibt.

Zeit für den künftigen Wackelkandidaten, sich auf anderem wichtigem Feld zu profilieren. Am heutigen Samstag erscheint Boatengs neues Lifestylemagazin „Boa“ an den Kiosken. Es soll für je 4,90 Euro sechsmal jährlich erscheinen. Der Verlag veröffentlichte bereits vorab Auszüge aus einem Doppelinterview mit Boateng und dem Sänger Herbert Grönemeyer, in dem sich der Fußballprofi erneut sehr deutlich zum Thema Rassismus äußert. Den hat er besonders in seiner Jugend krass am eigenen Leibe erfahren müssen, als er regelmäßig als „kleiner Nigger“ beschimpft, bespuckt und beleidigt wurde, einmal gar so lange vom einem Vater eines Gegners, bis „ich irgendwann angefangen habe zu heulen“.

Den Rassismus spürt der Bayern-Star nun wieder verstärkt: „Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warmmache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe.“ Im Zuge der Debatten um die deutsche Flüchtlingspolitik würden „Deutsche, deren Eltern vielleicht ausländische Wurzeln haben und die nicht weiß sind, sich aber völlig deutsch fühlen, weil sie hier aufgewachsen sind, wieder skeptischer angeschaut“, hat Boateng erspürt - und will gegenhalten: „Wenn rechte Parolen bis in die Mitte der Gesellschaft vordringen, sollte jeder aufstehen und Stellung beziehen.“ 

Er sorge sich auch um seine siebenjährigen Zwillingstöchter: „Bald werde ich mit ihnen über das Thema sprechen müssen.“ Und sie darauf hinweisen, dass es No-Go-Bezirke für sie gebe, Orte, so Boateng düster, wo man „mit anderer Hautfarbe immer etwas zu befürchten“ habe. Deutschland im Herbst 2018. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen