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EM 2024 Türkei auf der Pole

Die Uefa wird Deutschlands Traum von der EM 2024 wohl demnächst kühl beenden. Den Wettlauf im Aushebeln der Demokratie wird der DFB nicht gewinnen können. Unser Kommentar.

Public Viewing im Waldstadion
Diese Fans dürften enttäuscht sein, wenn die EM nicht nach Deutschland kommt. Foto: Monika Müller

Sport-Deutschland hatte ja mal schier überirdische Träume. 2024 sollten hierzulande innerhalb von wenigen Wochen Olympische Sommerspiele und die Fußball-Europameisterschaft über die Bühne gehen. Die Olympiablase haben die Bürger Hamburgs platzen lassen. Obwohl kaum ein anderes Land besser geeignet wäre, Gastgeber für das zweitgrößte Fußballfest zu werden, wird der Europäische Fußballverband (Uefa) den Traum von der EM wohl demnächst kühl beenden: Die deutschen Bewerberstädte spuren nicht so, wie das die Funktionäre beim angeblich von Korruption, Intransparenz und Ignoranz gesäuberten, vollkommen rund erneuerten Kontinentalverband gerne hätten.

Der Ex-Verfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem hält weite Teile der EM-Verpflichtungserklärung für verfassungswidrig, weil die Uefa ganz ohne Skrupel eine Einschränkung der Demonstrationsfreiheit sowie enge Schranken für wirtschaftliche Betätigung um die Stadien gefordert hat. Der Deutsche Fußballbund hat offensichtlich keine Bedenken gehabt, die Uefa-Vorgaben unkommentiert an die Bewerberstädte weiterzuleiten. Wäre ja auch zu blöd, sich sein schönes Fest nur wegen ein paar doofer demokratischer Rechte vermiesen zu lassen.

Den Wettlauf im Aushebeln der Demokratie wird der DFB ganz sicher nicht gewinnen können. Einziger Mitbewerber ist die Türkei, die auf dem besten Weg ist, Europameister im Abschaffen von Presse-und Meinungsfreiheit zu werden. So dürfen wir uns also jetzt schon auf Bilder der um die Wette strahlenden ehrenwerten Präsidenten Aleksander Ceferin und Recep Erdogan freuen.

Bremen war mutig

Um die Katharsis, der sich die von allerlei Skandalen umwitterten Uefa- und Fifa-Funktionäre vermeintlich unterzogen haben, zu unterstreichen, haben sie in Endlosschleifen den Begriff Transparenz strapaziert. Nun steht ausgerechnet im Bewerbungsverfahren, dass sich die EM-Kandidaten, so sie denn Erfolg haben wollen, unbedingt den Mund zunähen müssen.

Bremen war mutig. Der Senat hat die rechtlich fragwürdigen Passagen auf Rechtsstaatlichkeit getrimmt. Bremen ist als EM-Gastgeber ausgeschieden, mutmaßlich weil die Toilettenkonzeption nicht den strengen Uefa-Vorgaben entsprach. Frankfurt hat sich immerhin geweigert, das Nachtflugverbot während des Fußballfestivals außer Kraft zu setzen. Weil es auch in anderen Punkten nicht so gehorchte, wie das Uefa (und DFB) erwarteten, ist es unter den Auserwählten Letzter geworden.

Jetzt kann nur noch der Franz mit einem seiner Geheimkonten bei der Traumerfüllung helfen.

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