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E-Mail Affäre DFB Die Furcht vor dem Grindeln

Die E-Mail-Affäre um Grindel zeigt, dass nichts unmöglich ist in dem Tollhaus namens DFB. Unser Kommentar.

Fahnen vor der DFB-Zentrale
Das Wort „Grindeln“ macht in der DFB-Zentrale die Runde. Foto: imago

Dass es mit dem Arbeitsklima im größten deutschen Sportverband nicht zum allerbesten bestellt ist, hat sich in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise herumgesprochen. Wer’s nicht glaubt, muss nur mal in der Kantine vom hessischen Landessportbund zwei Hausnummern vornedran zum Mittagessen gehen. Hierher spazieren viele der mehr als 400 Mitarbeiter vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), und oft wird schon auf der engen Zufahrtsstraße im Stadtwald gelästert und gescherzt. Wie in jeder anderen Firma auch, wo viele nicht mit dem Chef können.

Ein Wort, das die Runde machen soll, heißt „Grindeln“. Damit ist das ansatzlose Zusammenstauchen von Mitarbeitern gemeint. Frühere ZDF-Angestellte aus dem Studio Brüssel können ein Lied von teils jähzornigen Anfällen des Reinhard Grindel berichten, auch früher im Bundestag soll es genügend CDU-Parteigenossen geben, die diese aufbrausende Seite des DFB-Präsidenten kennengelernt haben.

Die Gefahr ist groß, dass es in dieser Woche nun in den verschlungenen Gängen in der DFB-Zentrale so viel grindelt wie lange nicht mehr. Wenn sich nämlich der Boss auf die Suche macht, wer ihm mit der Veröffentlichung des E-Mail-Verkehrs mit seinem Vize Rainer Koch und seinem Generalsekretär Friedrich Curtius ziemlich übel mitgespielt hat.

Grindel zeigt Wissenslücken über Eintracht Frankfurt

Allein die Tonalität des schriftlichen Dialogs mit dem mächtigen bayrischen Landesfürsten und Amateurvertreter Koch wirkt befremdlich. Überdies zeugt Grindels Einschätzung der Frankfurter Fanszene von groben Wissenslücken, die im Hinblick auf den abgebrochenen Fandialog langfristig gemeingefährlich sind (die FR berichtete).

Es wirkt geradezu grotesk, dass Koch in den vom „Spiegel“ ausgebreiteten E-Mails sogar Grindel noch warnte, dass „insbesondere gegen dich persönlich“ Stimmung gemacht werden könne, sollte rauskommen, dass der Länderspielort Frankfurt wegen der Ultras abgelehnt worden sei. Es bleibe nichts geheim, schrieb Koch, Grindel antwortete, dass halte er für abwegig. Typischer Fall von Trugschluss: Nichts ist unmöglich in diesem Tollhaus, wo nach der WM eine Reihe von Schützengräben ausgehoben worden sind, in denen gelauert wird. Mittlerweile ist klar, wen sie zur Strecke bringen sollen. Nämlich ein bis heute mit dem Metier fremdelndes DFB-Oberhaupt, das sich bei der Vermischung von Sport und Politik, bei der Ämterhäufung mit kaum zueinander passenden Aufgaben bei Uefa und Fifa vollkommen verhoben hat. Und das nach außen und innen viele Irritationen hinterlässt.

Es würde kaum verwundern, wenn der Laden mühsam nur noch bis Ende September zusammenhält, bis der DFB die Europameisterschaft 2024 bekommen hat. Nicht ausgeschlossen, dass der Präsident noch entnervt von sich aus das Handtuch wirft und der Verband mal wieder einen außerordentlichen Bundestag einberufen muss. Darin ist er übrigens bestens geübt. Danach muss sich zumindest niemand mehr vor dem Grindeln fürchten.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes hatten wir von gesundheitlichen Problemen des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel berichtet. Der DFB widerspricht dieser Darstellung, die wir zurücknehmen.

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