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Die Höhle des Löw Zu viel Durchzug

Eine echte Höhle des Löw wäre exklusiv nur den Fußballern und ihren vielen Begleitern vorbehalten. In Sotschi ist das anders.

Training in Sotschi
Kreischen von der Achterbahn. Foto: Christian Charisius (dpa)

Die Höhle des Löw liegt derzeit an der russischen Schwarzmeerküste. Sotschi, der Kaukasus mit seinen schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund, Hotel mit Strandzugang im Vordergrund. Nun ja, direkt ein Strand ist es nicht. Jedenfalls kein weißer weicher Beach aus Sand, auf dem man beim Volleyball einen Hechtbagger wagen könnte, sondern eher eine breite Böschung aus dicken Kieselsteinen, wo man zum Hinlegen eine Luftmatratze braucht. Oder Hornhaut auf dem Rücken und am besten auch auf dem Hintern. Nicht unbedingt hübsch, aber bestimmt auch nicht hässlich, zumal dann nicht, wenn man hinausblickt auf das Meer, das überhaupt nicht schwarz aussieht, sondern smaragdgrün.


Zwischen Herberge und Kieselstrand gibt es eine Bühne, und weil der Russe (und selbstverständlich auch die Russin) Musik gerne ein wenig lauter hört als deutsche Durchschnittstouristen mittleren Alters, dröhnt es von dort noch weit nach Sonnenuntergang unüberhörbar bis hoch in die Einzelzimmer der Nationalspieler. Für die WM im nächsten Jahr käme eine solche Unterkunft, noch dazu direkt an der belebten Promenade von Sotschi, ganz bestimmt nie und nimmer als Höhle des Löw in Betracht.

Viel zu unruhig, viel zu belebt, viel zu wenig abgeschieden. Zumal: Eine echte Höhle des Löw wäre exklusiv nur den Fußballern und ihren vielen Begleitern vorbehalten. Hier in Sotschi ist das anders. Hier sind die Deutschen keine einsamen Höhlenmenschen. Hier wohnen Urlauber gänzlich unverfroren fast Tür an Tür mit Jogis Jungs und nehmen hoch und runter sogar denselben Fahrstuhl.


Am Nachmittag verlustieren sie sich auf der Achterbahn mit Doppel- und Dreifachlooping, dem Kettenkarussell in Schwindelhöhe oder auf dem Free Fall Tower. Und dabei kreischen sie derart laut, dass selbst auf dem eigens für die Gäste aus Deutschland hergerichteten Trainingsplatz ein paar Hundert Meter weit entfernt noch Hochtöne des Nervenkitzels zu vernehmen sind. Ein Klima der freiwilligen Angst. Ein Klima des Kribbelns. Und dazu noch Sonne, Wind und Regen. Ein bisschen viel Durchzug in der Höhle des Löw.

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