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DFB-Test gegen Frankreich Stindl rettet die weiße Weste

Zweimal geht Frankreich in Führung, doch die deutsche Nationalmannschaft trifft in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 2:2 Endstand.

Deutschland - Frankreich
Lars Stindl (13) trifft spät zum 2:2. Foto: dpa

Wenn der gerade ein wenig durchhängende 1. FC Köln daheim Fußball spielt, müssen die Kneipen entlang der Aachener Straße regelmäßig schon Stunden vor Spielbeginn wegen Überfüllung potenzielle Kölsch-Konsumenten abweisen. Gestern Abend anlässlich des 2:2 (0:1) in einem sehr niveauvollen Testländerspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich reichte auch die Überschrift Weltmeister gegen Vize-Europameister nicht, um die Menschen in der Domstadt zu Preisen zwischen zehn Euro für Minderjährige und 100 Euro auf den guten Plätzen in Heerscharen an den Stadtrand in die Arena im Stadtteil Müngersdorf zu treiben. 9000 Sitze blieben frei.

Aber immerhin: Der angesichts der prekären Tabellensituation glücklicherweise dennoch recht entspannt wirkende Kölner Trainer Peter Stöger war mitsamt Gattin vor Ort, ebenso der ehemalige Kölner Torjäger und Ex-Präsident von Kickers Offenbach, Dieter Müller. Überhaupt war die Tribüne der Berühmten und Reichen auf den weichen Sitzen am Traditionsstandort des ersten Bundesliga-Meisters bestens besetzt, die vor dem Spiel gemeinsam dem verstorbenen Helden von Bern, Hans Schäfer, gedachten und danach vor allem von den Gästen begeistert waren.

Trapp zwischen den Pfosten

Joachim Löw hatte jedenfalls nicht übertrieben, als er die Franzosen im Vorfeld regelmäßig ausgiebig mit Lob überschüttet hatte. Der Bundestrainer mischte sein Team gegenüber der Nullnummer in England ordentlich durch, Trapp im Tor, Süle, Plattenhardt, Kapitän Khedira, Kroos und Can rückten neu in die Startelf, in der aus London nur Hummels, Draxler, Özil, Gündogan und Werner übrig blieben.

Mario Götze dagegen musste zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie der Deutschland-Schreck bei der Europameisterschaft 2016, Antoine Griezmann, und der Münchener Kingsley Coman. Der verletzte Jonas Hector hatte vor dem Anpfiff die Losung ausgegeben: „Ich glaube, die Niederlage im EM-Finale ist noch im Hinterkopf. Das spornt enorm an.“ Immerhin fünf Spieler aus der seinerzeit recht überflüssig verloren gegangenen Partie in Marseille gehörten zur deutschen Startaufstellung.

Aber im Gegensatz zum Juni 2016, als die Deutschen die spielerisch bessere Mannschaft stellten, präsentierten sich die Franzosen im November 2017 als technisch und taktisch nicht bloß ebenbürtiger, sondern gar stärkerer Kontrahent. Vor allem das phasenweise Pressing der Gäste imponierte. Das hatten die Deutschen in dieser konsequenten Form lange nicht erlebt und entsprechende Probleme, sich daraus zu befreien. Die beiden Außenverteidiger, rechts Emre Can und links Marvin Plattenhardt, wussten mitunter nicht, wie ihnen geschah. Es bleibt Löws Geheimnis, weshalb er den zentralen Mittelfeldspieler Can immer mal wieder rechts positioniert. Das bringt so nichts, weder defensiv noch offensiv.

Frankreich geht zweimal in Führung

Aber am armen Can lag es sicher nicht allein, dass die Franzosen bisweilen Brummkreisel mit den Männern in den weißen Hemden spielten. So auch vor dem Führungstor zum 1:0, das irgendwie schon eine Zeit lang in der Luft gelegen hatte. Nach einer sehenswerten Kombination kam schließlich Anthony Martial an den Ball, narrte Niklas Süle und spielte ganz entspannt Alexandre Lacazette frei, der nur noch einzuschieben brauchte. Derart vorgeführt wie in dieser 34. Minute wurde eine DFB- Abwehr wahrscheinlich zuletzt, als Erich Ribbeck in der Steinzeit des deutschen Fußballs noch Bundestrainer war. Zum Glück aus deutscher Sicht zeigte Trapp im Tor eine wirklich hervorragende Leistung, mehrfach gab der Ersatzmann von Paris Saint Germain das Vertrauen zurück, das Löw dem Ex-Eintracht-Keeper geschenkt hatte.

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