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DFB-Team Joshua Kimmich wie einst Philipp Lahm

Joshua Kimmich ist die eigentliche Entdeckung bei der Neuausrichtung der DFB-Auswahl.

Deutschland - Frankreich
Ließ nichts anbrennen: Joshua Kimmich (links) gegen N’Golo Kante. Foto: dpa

Den Wettstreit um den am schnellsten entblößten Oberkörper eines deutschen Nationalspielers hatte an diesem erst sonnigen, dann später feuchten Sommerabend in München-Fröttmaning dann doch der Klubkollege Mats Hummels gewonnen. Kaum war vom italienischen Spielleiter Daniele Orsato der Schlusspfiff ertönt, lief der Abwehrchef aus München in Richtung Unterrang Block 106. Um über die Absperrung zu hüpfen und inmitten jubelnder junger Anhänger sein Trikot zu verschenken. So schnell konnte Joshua Kimmich kaum sein. Also beließ es der Mitspieler vom FC Bayern damit, sein Jersey über den Zaun der Südkurve zu schleudern.

Sollte Kimmich wirklich nachhaltig jene Position bekleiden, die der 23-Jährige zur Nations-League-Premiere gegen Frankreich (0:0) besetzte, dann wird das Erinnerungsstück mit der Nummer 18 sogar weitaus wertvoller sein. Dass der beim VfB Stuttgart ausgebildete und zeitweise zu RB Leipzig verliehene Schwabe größtenteils in der Jugend im Mittelfeld unterwegs war, wusste der Badener Joachim Löw natürlich. Doch dass sich der Bundestrainer traute, Kimmich gleich gegen den Weltmeister derlei Verantwortung zu übertragen, war allemal mutig – und die Königspersonalie für den Neustart.

„Ich habe schon oft gesagt, dass ich da spiele, wo ich gebraucht werde. Die Mannschaft weiß, dass ich ihr rechts hinten weiterhelfen kann. Jetzt versuche ich es auf der Sechs“, sagte Kimmich unaufgeregt. „Mal schauen, wie der Trainer mit mir plant. Von mir aus gerne öfter.“ Allein bei seinem Debüt im Mai 2016 im Augsburger Regenspiel gegen die Slowakei hatte Kimmich diese Rolle bekleidet. Nun aber trug sich Löw schon länger mit dem Gedanken, diesen spielintelligenten wie lernwilligen Musterprofi die Absicherung vor der Abwehr zu übertragen. Am Vortag hatte der Achter Toni Kroos noch geunkt, einen klassischen Sechser wie den bei Real Madrid angestellten brasilianischen Backup Casemiro 

Prompt stülpte der Bundestrainer einfach seinem angestammten Rechtsverteidiger diese Backform über. „Joshua Kimmich hat das in seiner Jugend schon gespielt. Jetzt hatten wir Zeit, das zu testen. Er war sehr präsent und sehr zweikampfstark.“ Alles in allem: „Eine gute Lösung“. Eine bessere als der ältere Sami Khedira auf alle Fälle. Die Statistik wies Kimmich als den wahren Gewinner aus: zur besten Pass- (94 Prozent) und Zweikampfquote (78 Prozent) kamen 100 Ballaktionen und 88 Pässe. Und kein einziges Foul.

Mit dem Gespür für Raum und Zeit, mit dem Gefühl für Mit- und Gegenspieler tat Kimmich in seinem 33. Länderspiel instinktiv das Richtige, auch wenn er nicht die Präsenz eines Paul Pogba, die Aggressivität eines N’Golo Kanté, den stilprägenden Abräumern der Équipe Tricolore, ausstrahlen wird. Ob der 1,76-Meter-Mann zur deutschen Dauerlösung wird, muss auch deshalb gut überlegt werden, weil sich die Versetzung im Verein erst abzeichnet, wenn 2019 der französische Rechtverteidiger Benjamin Pavard (VfB Stuttgart) an die Isar wechselt.

Der Branchenprimus ließ sowohl Arturo Vidal als auch Sebastian Rudy in diesem Sommer ziehen, weil ein Überangebot im defensiven Mittelfeld herrscht. Ein ähnliches Problem hatte Löw zeitweise auch mit Philipp Lahm, den er noch in der DFB-Auswahl als Sechser einsetzte, als dieser bei den Bayern längst wieder auf die Außenbahn zurückgekehrt war. Ausgerechnet die Klubkameraden ergriffen nun Partei für die Kimmich-Verwendung. „Josh ist ausgebildeter Sechser. Den kannst du gefühlt überall hinstellen, und es kommt etwas dabei heraus“, befand Mats Hummels. „Dass er die Fähigkeiten hat, dort zu spielen, ist keine Neuigkeit“, urteilte Thomas Müller. Und Kapitän Manuel Neuer bekundete: „Ich denke, das ist eine Alternative für die Zukunft.“

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