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DFB-Krise Setzen, sechs, Herr Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge übt Fundamentalkritik am Deutschen Fußball-Bund, weil es gerade en vogue ist, auf Funktionäre einzuprügeln. Doch er verbreitet populistischen Unsinn. Ein Kommentar.

Karl-Heinz Rummenigge
Karl-Heinz Rummenigge rügt DFB-Präsident Reinhard Grindel wegen dessen vermeintlich amateurhaften Aufarbeitung der verkorksten WM. Foto: Peter Kneffel (dpa)

Karl-Heinz Rummenigge hat für seine Fundamentalkritik am Deutschen Fußball-Bund viel Zustimmung erhalten. Weil es gerade so hübsch en vogue ist, auf die Funktionäre einzuprügeln. In Wahrheit hat Rummenigge jedoch populistischen Unsinn verbreitet.

Der Bayernboss  rügt DFB-Präsident Reinhard Grindel in seiner Tirade wegen dessen vermeintlich amateurhaften Aufarbeitung der verkorksten WM. Interessant, dass Rummenigge praktisch im selben Atemzug aber bezeugt, Joachim Löw sei weiterhin  der absolut richtige Mann als Bundestrainer. Genau das hat Grindel in dessen angeblich misslungenen Krisenmanagement ja gerade fett unterstrichen und Löw gegen viele öffentliche Widerstände den Rücken gestärkt. 

Zudem merkte Rummenigge an, der DFB müsse sich ein Stück mehr dem professionellen Fußball öffnen, im Jahr 2000 unter DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder  sei das noch viel  besser gewesen. Tatsächlich ist das, was Rummenigge da herleitet, kompletter Unfug: Denn 2000 war  die Deutsche Fußball-Liga als Interessenvertreter der Profiklubs noch gar nicht gegründet.  Dem DFB-Präsidium gehörten   seinerzeit keine prominenten Vertreter des professionellen Fußballs an, wie jetzt Ligapräsident Reinhard Rauball, DFL-Boss Christian Seifert sowie die Herren Peter Peters, Helmut Hack und Ansgar Schwenken sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Ergo: Der DFB hat sich den veränderten Machtverhältnissen ohnehin schon tief gebeugt und der Liga (richtigerweise) erhebliches Mitsprache- und Einspruchsrecht eingeräumt. Setzen, sechs Herr Rummenigge. 

WM: Warum waren die Bayernspieler so schlecht?

Dass das Krisenmanagement unter dem vor drei Jahren verstorbenen Mayer-Vorfelder besser gewesen sein soll als heutzutage, wie Rummenigge behauptet, ist eine Mär. 2000 nach der Trennung von Erich Ribbeck war stattdessen das Chaos so groß, dass am Ende Rudi Völler in der Not per Krisensitzung in einer Villa im Rheinland zum unlizenzierten Teamchef  befördert wurde, was Völler selbst am allermeisten wunderte. Nach dessen Rücktritt 2004 in Portugal ging Mayer-Vorfelder von der Algarve aus auf eine einsame Bundestrainersuche, ohne zunächst irgendjemanden aus der Bundesliga in seine Überlegungen auch nur ansatzweise einzubinden. „MV“ holte sich  Absagen der Altmeister  Ottmar Hitzfeld und Otto  Rehhagel ab, ehe eine eilig eingerichteten Trainerfindungskommission  unter Führung von Franz Beckenbauer auch keine besseren Ideen hatte (Winni Schäfer, Morten Olsen, Arsene Wenger, Guus Hiddink, Lothar Matthäus) und sich schließlich  Jürgen Klinsmann  aus Amerika anbot, der prompt Bundestrainer wurde.  

Dass Rummenigge zudem den für die Belange der Amateure zuständigen DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch pauschal kritisiert, sollte dieser  als Kompliment interpretieren. Kochs Job ist es, die Interessen der Kleinen zu vertreten und den Großen dabei auch mal die Stirn zu bieten. Wenn der  Bayer dafür nicht hin und wieder auch Gegenwind aus dem Profibereich erfahren würde, hätte er etwas falsch gemacht. 

 Bleibt die Frage, Herr Rummenigge, die Sie vielleicht am besten beantworten könnten: Warum waren die Bayernspieler bei der WM so schlecht? 

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