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DFB-Gegner Frankreich-Trainer Deschamps Kontrolliert und bescheiden

Der Coach der französischen Fußball-Weltmeister wirkt nach außen hin entspannt. Doch Didier Deschamps ruht sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit aus. Vor dem Länderspiel gegen Deutschland lobt er Joachim Löw.

04.09.2018 16:22
Von Christian Böhmer, dpa
Didier Deschamps
Führte Frankreich als Spieler und als Trainer zum WM-Sieg: Didier Deschamps. Foto: Christophe Ena/AP

Didier Deschamps ist kein Mann der Gefühlsausbrüche. Der Trainer der französischen Fußball-Weltmeister wirkt kontrolliert, seine Worte sind sorgsam gewählt und sollen offensichtlich nicht provozieren.

Beim Länderspiel gegen Deutschland an diesem Donnerstag setzt der 49-Jährige auf fast den gleichen Kader wie bei der WM in Russland. „Das erscheint mir logisch“, sagte der asketisch wirkende Coach mit dem kurz geschnittenen Silberhaar.

Deschamps muss allerdings knapp zwei Monate nach dem Gewinn des Weltmeistertitels ohne den verletzten Keeper und Kapitän Hugo Lloris auskommen. Die etatmäßige Nummer zwei, Steve Mandanda von Olympique Marseille, fehlt ebenfalls wegen einer Verletzung. Alphonse Areola von Paris Saint-Germain wird also gegen den Ex-Weltmeister im Tor stehen. Auch das sei logisch, resümierte Deschamps zu Wochenbeginn im Trainingszentrum Clairefontaine westlich von Paris.

Zum Aufgebot für das Match in der Nations League in München gehören die Stürmerstars Kylian Mbappé und Antoine Griezmann. Es steht einiges auf dem Spiel, denn die Begegnungen mit Deutschland und mit den Niederlanden am Sonntag sind die ersten Länderspiele seit dem WM-Triumph.

„Die deutsche Mannschaft war einer der großen Favoriten bei dieser Weltmeisterschaft“, erzählt Deschamps im sympathischen Tonfall seiner südwestfranzösischen Heimat. „Das ist schlecht gelaufen. Aber deswegen ist der Wert dieser Mannschaft nicht gesunken.“ Deschamps lobt die „prachtvolle Arbeit“ seines deutschen Kollegen Joachim Löw, der sein Team vor vier Jahren zum Titel geführt hatte.

Der von vielen nicht erwartete WM-Sieg der „Bleus“ im heißen Fußballsommer hat dem oft zurückhaltend wirkenden Deschamps sichtlich gut getan. „Es ist eine mitreißende Sache, diesen Titel zu haben“, bilanziert der Coach, der zu den Kandidaten bei der Wahl zum FIFA-Welttrainer gehört.

„Diesen Weltmeistertitel muss man managen. Aber es ist keine Last oder Bürde, ihn zu tragen, im Gegenteil“, sagte Deschamps. Die WM habe er körperlich und mental gut überstanden. Der Grund? „In Russland habe ich immer gut geschlafen, mit ganzen Nächten“, sagte er unlängst der Zeitung „Le Figaro“.

Der Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 1998 räumt ein, dass es bei manchen Spielern nach dem Höhenflug und der kurzen Sommerpause eine Art Druckabfall geben könnte. Für manche könne die WM-Erfahrung aber auch ein „Booster“ sein, der ihnen noch mehr Vertrauen und Kraft gebe. Deschamps will nach eigenem Bekunden nichts mit Ja-Sagern zu tun haben. Er will die Menschen um sich aber kennen, und das sehr genau. Auf die Frage vom „Figaro“, ob er es schaffe, ins Gehirn seiner Spieler vorzudringen, antwortet er schlichtweg: „Ja.“

Seine Erfolge machen Deschamps in Frankreich beliebt. Doch seine etwas sperrige Persönlichkeit sorgt auch für Debatten. Dem Ex-Profi ist klar, dass er nach außen hin streng wirkt - und arbeitet deshalb an seinem Image. Er habe sich der Generation angepasst, mit er nun zu tun habe. „Das ist eine Generation, die affektiver ist“, meinte er im „Figaro“. Anpassung, das ist nach seiner Einschätzung überhaupt ein Schlüsselwort für jeden Trainer. „Bei einer Pressekonferenz werde ich mir aber keine rote Nase aufsetzen, um die Versammelten zum Lachen zu bringen“, schränkt er aber ein.

(Von Christian Böhmer, dpa)

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