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DFB Der DFB erfindet sich neu

Sowohl baulich als auch personell bleibt kein Stein auf dem anderen, aber leicht wird das nicht: Es herrscht mehr Lagermentalität als Reformwillen.

Oliver Bierhoff
Bald der „Direktor Nationalmannschaften und Fußballentwicklung“ beim DFB: Oliver Bierhoff. Foto: Imago

Im Deutschen Fußball-Bund soll sowohl konkret mit dem Umzug in einen Neubau auf der ehemaligen Galopprennbahn in Frankfurt als auch in der Personalstruktur kein Stein auf dem anderen bleiben. Der Umzug kann erst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts stattfinden, der neue DFB mit seinen fast 400 Mitarbeitern soll in einer flacheren Hierarchie mit einem zum Top-Manager beförderten Oliver Bierhoff schon am 1. Januar 2018 loslegen. Am Freitag, 20. Oktober, soll das DFB-Präsidium die neue Struktur mit nur noch vier statt sieben Direktoren bestätigen. Ziel sei es nicht, mit dem Zukunftsprojekt „Umschaltspiel“ Geld oder Personal einzusparen, sondern effektiver zusammenzuarbeiten, heißt es.

Es ist mindestens eine kleine Revolution, die vor allem von einem Mann vorangetrieben wird und keinesfalls in einer Revolte münden soll: Friedrich Curtius, seit anderthalb Jahren Generalsekretär und somit höchster hauptamtlicher DFB-Angestellter. Der 41 Jahre alte promovierte Jurist begann vor elf Jahren als kleiner Referendar beim mit sieben Millionen Mitgliedern weltgrößten Sport-Dachverband und kennt den Laden somit von der Pike auf. Er ist ganz bestimmt keiner dieser knallharten, aalglatten Typen, die eine Firma auf links drehen und dabei vor allem verbrannte Erde zurücklassen, aber man sollte ihn deshalb nicht unterschätzen. Der junge Familienvater kommt zurückhaltend, fast schüchtern daher, ist gleichwohl mutig und tatkräftig genug, sich nicht nur mit Worten an seinem „großen Vorbild Jürgen Klinsmann“ zu orientieren. Klinsmann habe sich „gegen anfänglich große Widerstände im DFB“ durchgesetzt und dabei „unheimlich viel verändert und positiv beeinflusst.“ Die Widerstände spürt Curtius jetzt auch, doch der 1,98-Meter-Mann ist guter Dinge, dass er sie überwinden kann. Frei nach Klinsmanns Motto: jeden Stein umdrehen.

Sechs Monate lang waren deshalb fünf Mitarbeiter der Unternehmensberatung McKinsey im Haus und haben genau das getan. Sie führten dabei mehr als hundert Interviews – unter andere auch mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff, mit Sponsoren und Präsidenten der Landesverbände. Kostenpunkt der McKinsey-Betrachtung: rund eine Million Euro. Die Berater analysierten den gesamten Verbandsbetrieb in der Otto-Fleck-Schneise und erfassten dabei mehr als 1100 Aufgaben, die durch DFB-Mitarbeiter erledigt werden.

Bierhoff soll Super-Manager werden

Bei einer im Rahmen der Beratertätigkeit durchgeführten anonymen Mitarbeiterbefragung kamen erhebliche Defizite zutage. Gerade gegenüber ehrenamtlichen Vorgesetzten fanden sich viele Unklarheiten, die zu Frustrationen führten, allzu oft mischten sich Präsidiumsmitglieder in die Tagesarbeit ein. Auch hauptamtliche Führungskräfte wurden in der Befragung kritisiert, es herrsche Lagermentalität und mangele an Anreizen. Der Reformeifer ist gleichwohl nicht sonderlich ausgeprägt. Curtius, der die Ergebnisse jüngst in einer Mitarbeiterversammlung vorstellte, zeigt sich insgesamt nicht überrascht: „Dass es bei einer anonymen Mitarbeiterbefragung kritische Stimmen gibt, ist völlig normal.“ Das sei sogar Ziel der Befragung gewesen. Die Interpretation, im DFB herrsche Chaos und Führungsschwäche, lässt er nicht gelten. Ganz im Gegenteil: „Wir gehen die Probleme an.“

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