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DFB Belastetes Binnenklima in der Nationalmannschaft

Kurz vor Bekanntgabe des Kaders für den Neustart sorgen Schlagzeilen über einen angeblichen kulturellen Riss in der Nationalmannschaft für neue Diskussionen.

28.08.2018 07:25
DFB-Team in Russland
Schwarz, Rot, Gold: deutsche Fußballer bei der WM in Russland. Foto: imago

Spieler mit Migrationshintergrund gegen jene ohne ausländische Vorfahren? „Kanaken“ gegen „Kartoffeln“? Joachim Löw stellt mit seinem Stab in München den Kader für den Neustart nach dem WM-Desaster zusammen und wird zum Start des 48-Stunden-Meetings mit einem angeblichen kulturellen Riss in der Nationalmannschaft konfrontiert, der auch bei der WM die Stimmung getrübt haben soll. 

„Kanaken-Spaltung im WM-Team“ titelte die „Bild“ am Montag und griff dabei in einem seltenen medialen Zusammenspiel einen Randaspekt aus dem Bericht „Wie eine Traditionself“ des „Spiegel“ auf. Auch weil Löw aus seiner WM-Analyse bis zum Mittwoch für die Öffentlichkeit weiter ein großes Geheimnis macht, geht in den Medien die spekulative Spurensuche nach den Gründen für den WM-K.o. unvermindert weiter.

Das Thema Teamgeist ist für Löw unabhängig des Wahrheits- oder Relevanzgehaltes der aktuellen Schlagzeilen von Bedeutung. „Wir wissen, dass wir uns in Zukunft dem Thema intensiv widmen müssen. Auf jeden Fall werden wir alles dafür tun, dass wir wieder ein echtes Team werden“, sagte Oliver Bierhoff, Teammanager der DFB-Auswahl, der „Bild“. Verbandschef Reinhard Grindel kündigte an, vor den Länderspielen gegen Frankreich (6. September) und Peru (9. September) mit dem Mannschaftsrat sprechen zu wollen.

Der vermeintliche Riss im Team läuft angeblich zwischen Akteuren wie Jerome Boateng, Antonio Rüdiger, dem nicht zur WM mitgenommenen Leroy Sané, dem in Rage zurückgetretenen Mesut Özil, aber auch Julian Draxler, die durch extravagante Kleidung und ihre Liebe zur Rap-Musik auffallen und den eher konservativ auftretenden Mats Hummels und Thomas Müller. Offenbar geht es mehr um Lebensstil als um die Herkunft, auch wenn die Schlagzeilen anders zugespitzt werden. Nach der sommerlichen Dauerdebatte um die Erdogan-Fotos von Özil und Ilkay Gündogan, zu der sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem ARD-Sommerinterview am Wochenende befragt wurde, geht es beim Nationalteam schon wieder um die gesellschaftlich brisante Frage, was es heißt, ein deutscher Nationalspieler zu sein.

„Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob das mit dem Foto richtig oder falsch war, aber die Diskussion und die Art der Diskussion, die sich hinterher angeschlossen hat, die hat mir zum Teil überhaupt nicht gefallen, und da habe ich mich auch sehr darauf ausgerichtet“, sagte Merkel.

DFB-Chef Grindel dürfte die Worte seiner CDU-Parteikollegin auch als Kritik an seinem Umgang mit dem Thema verstehen. „Wir müssen uns um das Empfinden derjenigen, die betroffen sind, kümmern. Wenn uns jemand mit Migrationshintergrund, ob das jetzt Özil oder jemand anderes ist, sagt, ich fühle mich nicht richtig behandelt in dieser Gesellschaft, dann muss ich es zumindest ernst nehmen“, sagte die Kanzlerin.

Löw spricht am Mittwoch

Löws abhandengekommenes Gespür für das Binnenklima wurde schon oft als Aspekt für das WM-Scheitern thematisiert. Auch auf diese Frage wird sich der Bundestrainer einstellen müssen, wenn er am Mittwoch in München seine WM-Konsequenzen und den Kader für die September-Spiele bei einer großen Pressekonferenz in der Münchner Arena vorstellt. Löw war immer stolz darauf, dass unter seiner Führung Herkunft keine Rolle spielt, das DFB-Team zum Stilbild der gelungenen Integration wurde.

Beim WM-Triumph 2014 hatte der Bundestrainer vorab mögliche Dissonanzen gespürt und im Campo Bahia gezielt Wohngemeinschaften gebildet, um ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Damals waren die Konfliktlinien nicht schwarz und weiß, sondern rot und schwarz-gelb. Münchner und Dortmunder mussten zusammengeführt werden. Der Ur-Borusse Kevin Großkreutz wurde zum Beispiel gezielt ins Appartement des Ur-Bayern Bastian Schweinsteiger gesteckt. (dpa)

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