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Deutschland - Frankreich Fortschritt in Trippelschritten

Die deutsche Nationalmannschaft kann das 0:0 in der Nations League gegen Frankreich als Teilerfolg in die richtige Richtung verbuchen.

Deutschland - Frankreich
Abgeblockt: Thomas Müllers (links) Schuss wird von Samuel Umtiti abgewehrt. Foto: dpa

Vor dem Auftakt in einen neuen Wettbewerb darf nicht viel schiefgehen. Eifrige Helfer in der Arena in München-Fröttmaning haben penibel mit dem Maßband vermessen, dass die Flaggen von Deutschland und Frankreich zum Banner der Nations League richtig auf dem Rasen liegen. Das Duell zwischen dem entthronten und aktuellen Weltmeister war ja das Beste, was diesem noch gewöhnungsbedürftigen Format passieren konnte. Und auch für die deutsche Nationalmannschaft ergab diese Konstellation letztlich mehr Chance als Risiko. Der Neuanfang nach einem historischen WM-Desaster ist halbwegs geglückt. Mit einem torlosen Remis hat die DFB-Auswahl zumindest mal wieder Boden unter den Füßen. Das Streben nach Stabilität stand an diesem lauen Sommerabend zwar zunächst an erster Stelle, aber vor allem die zweite Hälfte muss als Mutmacher dienen. Motto: Mitunter muss Fortschritt erst wieder in Tippelschritten erarbeitet werden. Den spielerischen Glanz blieb vor allem der Titelträger aus Frankreich schuldig. Die deutsche Elf empfing nach dem Schlusspfiff jedenfalls Beifall. „Wir wollten am Anfang kompakt stehen nach dem was uns passiert ist. Das ist uns gut gelungen.“, sagte Toni Kroos. 

Thomas Müller befand, dass das erste Signal positiv war: „Nach vorne haben wir nicht so befreit gespielt, wie in unseren besten Zeiten. In der ersten Halbzeit haben wir nicht so viel Risiko genommen.“ Jetzt gehe es darum, den Kredit bei den Fans wieder Stück für Stück zurückzuholen.

Vor Anpfiff wurden die WM-Versager – immerhin sieben Akteure aus der Südkorea-Blamage standen in der Anfangself – mit freundlichem Beifall begrüßt, dazu formte der Fanclub mit weißen Flaggen ein großes Herz, in dem die Zuschauer fleißig schwarz-rot-goldene Fähnchen schwenkten. Der Vertrauensvorschuss war spürbar – und in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten. Vielleicht aber nimmt die Basis dem Verband und der Mannschaft das Bemühen um mehr Bodenständigkeit wirklich ab.

Joachim Löw hatte harte taktische Schlüsse aus dem teils vogelwilden Auftreten in Russland gezogen. Der Blick auf den Aufstellungsbogen verriet, dass für den Bundestrainer eine sattelfeste Abwehr erstes Gebot sein würde. Die Viererkette bestand – wie zeitweise während der WM 2014 mit der so genannten „Ochsen“-Abwehr – aus vier robusten Innenverteidigern: Dem Bayern-Block Jerome Boateng und Mats Hummels standen Matthias Ginter (rechts) und Antonio Rüdiger (links) zur Seite. Als zentrale Absicherung fungierte Joshua Kimmich, der zuletzt im Verein und Nationalteam fast nur als Rechtsverteidiger agiert hatte. Unter diesen Umständen schlug sich der spielintelligente 23-Jährige in der wichtigen Rolle beinahe vorzüglich. 

Mit einem 4-3-3 orientierte sich Löw eng an den Systemen von Real Madrid oder Bayern München – oder auch Weltmeister Frankreich. Heraus kam jedoch eine erste Halbzeit, in der sich die beiden Kontrahenten lange neutralisierten. Die deutsche Elf erspielte sich nur eine Chance, als Timo Werner den französischen Torhüter Alphonse Areola prüfte (18.).

Obwohl der Dreiersturm mit Thomas Müller, Marco Reus und Werner ständig rochierte, fehlten zündende Zuspiele aus der zweiten Reihe. Dass Rüdiger oder Ginter bis auf die Grundlinie durchdringen würden, war von vornherein nicht zu erwarten. Die Weltmeister von Didier Deschamps verlegten sich lange Zeit auf einen Verwaltungsmodus. Bei einigen Ballpassagen blitzte die spielerische Überlegenheit auf, die jedoch selten in Abschlussaktionen mündete. Einmal setzte Olivier Giroud einen Kopfball an, den Manuel Neuer aus dem bedrohten Eck lenkte (36.), dann brachte ein Hackentrick von Giroud noch Gefahr (45.). Ansonsten konnte Kylian Mbappé zwar mit seiner Handlungsschnelligkeit beeindrucken, nicht aber das deutsche Tor gefährden. 

Chancenplus zum Schluss

Richtig aufregend wurde es erst nach einer Stunde. Da zeigte Keeper Neuer bei einem Fernschuss von Griezmann eine Prachtparade (64.), dann wehrte Gegenüber Areola nicht weniger gekonnt den Schlenzer von Reus ab. (65.). Wichtiger noch, dass kurz darauf Ilkay Gündogan bei seiner Einwechslung überwiegend mit Applaus begrüßt wurde (66.). Dann könnte die Erdogan-Affäre vielleicht wirklich bald ad acta gelegt werden. Auf jeden Fall klappten die Teams nun immer häufiger das Visier auf. 

Ein Vorstoß des starken Hummels hätte beinahe im Führungstor gemündet, doch war auch hier der Pariser Torhüter Areola genauso zur Stelle (72.) wie bei einem Heber von Müller (74.) und einem Ginter-Kopfball, den der 25 Jahre alte Debütant der Equipe Tricolore in Weltklassemanier parierte (75.). Für die Schlussviertelstunde heimste der nun zeitweise vehement drängende Gastgeber noch einmal viel Anfeuerung ein, doch der in dieser Phase nicht unverdienter Siegtreffer ließ sich eben nicht auf den Rängen erzeugen. „Hintenraus hätte ich das Spiel gerne gewonnen“, sagte Müller. 

Vielleicht aber veranlasst die couragierte Leistung der zweiten Halbzeit noch den einen oder anderen Kurzentschlossen, sich am Sonntag das Freundschaftsspiel gegen Peru anzusehen. Die Arena in Sinsheim ist nämlich bei weitem noch nicht ausverkauft. 

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