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Deutschland - Australien Zittern mit Leno

1. Update Die deutsche Perspektivteam kann sich gegen Asienmeister Australien mit 3:2 durchsetzen. Torwart Bernd Leno patzt bei beiden Gegentreffern.

Confed-Cup
Kapitän Julian Draxler wird zum Mann des Spiels gekürt. Foto: afp

Ganz am Ende, in der dritten Minute der vierminütigen Nachspielzeit, bekam Joachim Löw einen kleinen Anfall von Tobsucht. Soeben hatte Niklas Süle einen Ball erobert, den der künftige Bayern-Verteidiger im Handumdrehen aber wieder abgab. Süles Risikopass Richtung Timo Werner kam nicht an, und derart leichte Ballverluste stehen beim Bundestrainer auf dem Index. Eine Minute später klatschte Löw dann erleichtert zwei-, drei-, viermal in die Hände und riss, ganz kurz nur, die Arme hoch. Denn nach einem nur eine knappe Stunde lang überzeugenden 3:2 gegen Australien hatte seine deutsche Perspektiv-Nationalmannschaft den Auftakt zum Confederations Cup relativ unbeschadet überstanden. Wenn am Ende auch mit bibbernden Knien.

Es war im nur knapp zur Hälfte gefüllten Fisht-Stadion von Sotschi ein perfektes Spiel für Lob und Kritik. Und genauso portionierte Löw seine Analyse dann auch. „Einiges im Spiel nach vorn hat schon sehr gut geklappt, aber nach einer Stunde haben wir den Faden verloren und unsere Angriffe nicht mehr zum Abschluss gebracht.“ Was, neben einem neben sich stehenden Torwart Bernd Leno, wohl auch damit zu tun hatte, dass der Bundestrainer in der 63. Minute den offensiven Julian Brandt vom Feld holte und durch den defensiven Süle ersetzte. Danach kam ein Bruch ins deutsche Spiel.

Löw hatte seine Mannschaft anfangs extrem offensiv aufgestellt. Lediglich Antonio Rüdiger und Shkodran Mustafi waren vom Chef allein defensive Aufgaben zugeordnet worden, alle anderen durften sich regelmäßig, variabel und abwechselnd mit am Vorwärtsspiel beteiligen. Genau diese Variabilität hatte Löw mit seinen Spielern in den vier Trainingseinheiten am Schwarzen Meer ausgiebig geprobt, und den lange völlig harmlosen Australiern bekam das gar nicht gut.

Vor allem über die rechte Seite wusste das DFB-Team für erhebliche Unruhe in den Reihen des spielerisch allenfalls zweitklassigen Asienmeisters zu sorgen. Julian Brandt, Leon Goretzka und Lars Stindl suchten, mal dieser, mal jener, den Weg in die Tiefe und achteten dabei darauf, nicht etwa nur draußen an der Außenlinie, sondern auch in den Halbräumen anspielbar zu sein, um so den Weg zum Tor zu verkürzen. Regelmäßig wurden diese Drei von Joshua Kimmich gekonnt in Szene gesetzt und sorgten sodann für Schwindelgefühle in der australischen Abwehr.

So war es beileibe kein Zufall, dass Stindls 1:0 nach Vorarbeit von Kimmich, Goretzka und Brandt bereits in der fünften Minute fiel, wobei sich der halbrechts durchgestartete Leverkusener streng an die Spielidee des Bundestrainers gehalten und den Ball hart und flach in Richtung Elfmeterpunkt zurückgespielt hatte. Im Anschluss hätten die Deutschen mehr Tore als diesen Treffer schaffen müssen, derart viele hoffnungsvolle Einschussmöglichkeiten boten sich ihnen. „Ganz klar, wir hätten, salopp gesagt, mehr Bälle tot machen müssen“, krittelte Kimmich, einer der Besten.

„Und dann kriegen wir auch noch doofe Konter“, ärgerte sich Brandt. So kam es, dass es nach 41 Minuten plötzlich und unerwartet 1:1 stand. Erst verlor Julian Draxler aufgrund einer persönlichen Nachlässigkeit den Ball, dann spielte Tommy Rogic unverhofft mit einem eigentlich misslungenen Schussversuch Karambolage mit dem ansonsten stabilen Mustafi, und schließlich sah auch Bernd Leno im deutschen Tor bei Rogics Schuss wie vom Glück verlassen aus, wie der Keeper später geknickt einräumte.

Der Schockmoment war zu diesem Zeitpunkt wirklich nur eine Momentaufnahme. Im Handumdrehen gab Deutschland kontra. Stindl und Goretzka, beide überzeugend, spielten Doppelpass, Goretzka wurde brachial gelegt und eröffnete Draxler aus elf Metern die Chance, sich für seinen Fehler vorm 1:1 zu rehabilitieren. Der Kapitän nahm das Angebot dankend an und traf per Strafstoß unmittelbar vor der Pause zum 2:1. Und als Leon Goretzka, seit Wochen in Topform, in seiner typischen Art gleich nach dem Wechsel nach feinem Pass von Kimmich auf und davon rannte und den Ball humorlos zum 3:1 ins Tor jagte, schien alles auf einen geruhsamen Spätnachmittag hinauszulaufen.

So wäre es vermutlich auch gekommen, hätte Bernd Leno nicht den mutmaßlich unglücklichsten Tag seiner Karriere erlebt. Ein Blackout des Leverkuseners in der 56. Minute bescherte Australien den Anschlusstreffer zum 2:3 durch Tomi Juric. Da half auch der Videobeweis nichts, der auf deutsche Proteste hin vom Schiedsrichter angemeldet wurde. „Ich habe mich beschwert“, berichtete Sandro Wagner, „dann hat der Schiri gesagt, okay, ich frag da schnell mal nach, und dann hat das Tor gezählt.“ So einfach kann das sein. Denn Juric hatte den Ball zwar vor seinem Treffer mit dem Unterarm berührt, aber nicht nachweislich absichtlich. Ohnehin hätte Leno den harmlosen Abpraller problemlos festhalten müssen. Tat er aber nicht. „Klarer Fehler von mir“, räumte der 25-Jährige ein. Am Donnerstag (20 Uhr MESZ) gegen Chile dürfte Marc-André ter Stegen das deutsche Tor hüten. Der DFB-Tross hatte es gestern Abend eilig. Keine drei Stunden nach Abpfiff saßen er schon im Flieger zum nächsten Spielort Kasan.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Confederations Cup

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