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Confederations Cup Besser mit Videobeweis

Videobeweise sorgen auf dem Spielfeld oft für Verwirrung. Trotzdem ist es gut, die neue Technologie zu nutzen - ein Kommentar.

Heftig umstritten Der Videobeweis. Foto: dpa

Technopfutsch? Chaos? Klamauk? Verrat am Fußball? Es wird mit Inbrunst diskutiert über den Videobeweis.

Diejenigen, nennen wir sie Puristen, die schon immer dagegen waren, fühlen sich nun umso mehr bestätigt. Denn es hat erhebliche Irritationen gegeben bei zwei Spielen des Confederation Cups. Erst wurde Portugal ein Treffer von Pepé gegen Mexiko nach Check durch den Videoassistenten aberkannt, weil der Schiedsrichter bereits zehn Sekunden vor dem vermeintlichen Torerfolg eine deutliche und aktive Abseitsstellung eines Mitspielers übersehen hatte.

Dann musste Chile die Feierlichkeiten über das 1:0 wieder einstellen, nachdem der Aufpasser vor dem Bildschirm eine minimale Abseitsstellung des Torschützen Vargas erkannt haben wollte. Kurz vor dem Abpfiff bekam derselbe Vargas dank der Videotechnologie ein Tor zuerkannt, das der Assistent an der Linie fälschlicherweise wegen Abseits nicht geben wollte.

Aufregung bei der Klub-WM

Schon im vergangenen Dezember, als der Videobeweis bei der Klub-WM erstmals einem offiziellen Test unterzogen wurde, hatte es heftige Verwirrung gegeben, nachdem ein Treffer von Cristiano Ronaldo erst anerkannt, dann (durch Hinzuziehen des Video-Referees) wieder aberkannt und schließlich doch (nach nochmaliger Klärung am Bildschirm) anerkannt wurde.

Hohe Wellen schlug das damals nur kurz, weil die Weltöffentlichkeit eine Klub-WM in der Regel nicht näher betrachtet und umso schneller wieder vergisst. Für die Schiedsrichter auf dem Platz mag es unangenehm sein, wenn ihr Urteil durch den Videoassistenten, der ja in Wahrheit die Funktion eines Oberschiedsrichters einnimmt, revidiert wird.

Aber viel unangenehmer wird es für einen Unparteiischen, wenn ihm ein grober Fehler erst hinterher gewahr wird und er fortan als Volldepp durch Medien und soziale Netzwerke getrieben sieht. Die ganze Welt hat´s gesehen, nur der Blödmann mit der Pfeife nicht. Ergo handelt es sich bei Fehlentscheidungen keinesfalls um ein schützenswertes Stück Fußballtradition.

Deshalb ist es gut, die moderne Überwachungstechnologie im Spitzenfußball zu nutzen, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen und entsprechende Verwirrung auf dem Platz in Kauf zu nehmen. Dieser Grad der Verwirrung dürfte künftig abnehmen. Denn Videoüberwacher, Schiedsrichter, Spieler und Fans werden in der aktuellen Testphase lernen, mit der Technik besser umzugehen.

Ein Gewöhnungseffekt wird eintreten, die Überprüfung von kniffligen Entscheidungen inklusive Wartezeit wird zur Selbstverständlichkeit. Wobei es dabei tatsächlich nur um grobe Fehler gehen sollte – und nicht um Zentimeterentscheidungen, die selbst nach Auswertung der Kamerabilder noch zweifelhaft erscheinen. Zum echten Ärgernis wird die Umsetzung des Videobeweises dann, wenn die verantwortlichen Verbände mit ihren Produktionsteams nicht unmittelbar auch die Öffentlichkeit im Stadion und vor den TV-Bildschirmen umfassend aufklären, weshalb so und nicht anders entschieden wurde. Ein erst Minuten später nachgereichtes Standbild, wie jetzt beim Confed-Cup, reicht dazu keinesfalls aus.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Confederations Cup

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