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Steffi Jones Das Ende eines Irrtums

3. UpdateDer Deutsche Fußball-Bund wirft erstmals seine Bundestrainerin raus. Die Trennung von Steffi Jones eröffnet eine neue Baustelle.

Steffi Jones
Hat als Trainerin zu viel probiert: Steffi Jones. Foto: dpa

Engagement und Empathie alleine sind keine Erfolgsgaranten. Zumindest nicht für eine Fußballlehrerin, die damit fehlende Erfahrung im Trainermetier wettmachen wollte. Auf diese Formel lässt sich die von Anfang an unter keinem glücklichen Stern stehende Amtszeit von Bundestrainerin Steffi Jones bringen. Am Dienstagmorgen zog der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach einer Telefonkonferenz die Reißleine und entband die gebürtige Frankfurterin mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben beim Frauen-Nationalteam. Die 45-Jährige muss gehen, weil der Verband das wichtigste Ereignis – die Teilnahme an der Frauen-WM 2019 in Frankreich – in größter Gefahr sieht.

Den Ausschlag gab, dass die Bundestrainerin beim „She believes“-Cup, einem Einladungsturnier in den USA, nicht nur krachend die letzte Partie gegen WM-Ausrichter Frankreich (0:3) in den Sand gesetzt und sieglos die Heimreise angetreten hatte, sondern auch etliche Spielerinnen verloren hatte. Ein Vorzeigeteam, nach dem überflüssigen EM-Aus im Viertelfinale und einem verlorenen WM-Qualifikationsspiel gegen Island ohnehin arg in Schieflage, zerfällt in streitende Grüppchen: Da konnte die DFB-Führung ihre Schutzhand nicht mehr über die als Harmoniegarantin gedachte Jones halten.

Jones, die kurzfristig ihren Besuch beim DFB-Pokalviertelfinale des 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam (Seite 26) absagte, bedauerte die Entscheidung sehr, wie sie später auf ihrer Homepage schrieb. „Wir befinden uns mit dem Frauenfußball in einer schwierigen Umbruchsituation, und ich hätte gerne diesen Umbruch weiter gestaltet.“

Das Präsidium folgte letztlich der Empfehlung des Nationalmannschaftsdirektors Oliver Bierhoff sowie des Sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou. Der 42-Jährige ist neuerdings für die weiblichen Nationalteams zuständig und hatte sich die ersten Länderspiele gegen die USA (0:1) und England (2:2) angeschaut.

Womöglich hat er die erheblichen atmosphärischen Störungen vor Ort mitbekommen. Bierhoff deutete dies an: „Mit Blick auf die wichtige Qualifikation für die WM und die unterschiedlichen Rückmeldungen vom ‚She believes‘-Cup sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Mannschaft eine neue Führung braucht.“ Man wolle nun die Strukturen im Frauenfußball professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich verstärken und neue konzeptionelle Wege gehen.

Erst einmal kommt ein alter Bekannter: Interimsmäßig übernimmt Horst Hrubesch. Der 66-Jährige scheut sich nicht, in einen Bereich einzutauchen, der sich in vielen Parametern vom Männerfußball unterscheidet. „Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der Europameisterschaft im Sommer vor Ort. Ich helfe in dieser Phase gerne“, ließ Hrubesch wissen, der sich am Dienstagabend an der Seite von Jones-Vorgängerin Silvia Neid beim Pokalspiel im Frankfurter Stadion am Brentanobad auf die Tribüne setzte. In einer Presserunde mit Chatzialexiou ließ der DFB-Sportdirektor wissen, dass die Junioren-Nationaltrainerin Maren Meinert abgesagt habe. Eine angedachte andere Variante habe sich zerschlagen. Hrubesch ist nur eine Übergangslösung und kündigte an, bis Sommer einen Kandidaten zu finden. Der müsse nicht zwingend aus dem Frauenfußball kommen. „Fußball ist Fußball.“

Spannend wird sein, ob der DFB in seiner neuen Struktur den Mut aufbringt, alte Zöpfe abzuschneiden. Die große Lösung wäre Ralf Kellermann, der dann allerdings kaum Sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg bleiben könnte. Der 44-Jährige hat auf Vereinsebene so viele Erfolge vorzuweisen, dass der Verband sich zwingend mit ihm beschäftigen muss. Dasselbe gilt fast für die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die ehemalige Nationalspielerin ist auf ihre Art unbequem, hat allerdings die Eidgenossen zuletzt zu WM und EM geführt. Die 50-Jährige wird auf internationaler Ebene für ihre Expertisen geschätzt.

Der Jones-Rauswurf bedeutet eine Zäsur bei den DFB-Frauen, denn bislang hatte es mit Gero Bisanz, Tina Theune und Silvia Neid nur langfristige Besetzungen gegeben, die schiedlich-friedlich den Staffelstab weiterreichten. Die Jones-Ernennung – im April 2015 verkündet, im September 2016 vollzogen – fiel noch in die Ära von DFB-Chef Wolfgang Niersbach. Nachfolger Reinhard Grindel vermied es nun, klar Position zu beziehen. Er dankte Jones für ihren Einsatz. „Sie ist und bleibt ein prägendes Gesicht des deutschen Frauenfußballs, und ich würde mich freuen, wenn sie in anderer Funktion dem DFB erhalten bleibt.“ Eher wird sich die mittlerweile in Gelsenkirchen lebende Jones mit ihrer Ehefrau Nicole anderen Geschäftsfeldern widmen, die sie ohnehin schon nebenbei beackert hat.

„Die Rückendeckung war endlich. Man muss für den Schritt des DFB Verständnis haben, weil es um die Zukunft des Frauenfußball und ein Juwel einer Mannschaftssportart geht. Doch es gibt auch eine menschliche Seite. Mir geht das emotional unter die Haut“, sagte ihr langjähriger Manager Siegfried Dietrich. Auch der Macher des 1. FFC Frankfurt hatte von der „schlechten Stimmung“ innerhalb des Nationalteams zuletzt erfahren.

Dietrich hatte die in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsene, über den Fußball zur Persönlichkeit gereifte Powerfrau seit dem 18. Lebensjahr begleitet. Und auch mit die Tür zur Organisationschefin der Heim-WM 2011 geöffnet. Diese Rolle spielt die authentische Sympathieträgerin besser als gedacht. Für den Part als Cheftrainerin nutzten ihr diese Erfahrungen wenig; auch weil sie glaubte, sich im Schnelldurchgang fehlendes Fachwissen etwa für die Trainingsgestaltung selbst aneignen zu können. Viele Einheiten, heißt es von Beobachtern, seien beinahe chaotisch abgelaufen.

Folgerichtig macht auch ihr Assistent Markus Högner nicht mehr weiter, sondern Allzweckwaffe Hrubesch, der schon die Männer-Auswahl bei den Olympischen Spielen zur Silbermedaille führte – und Silvia Neid die Frauen zu Gold –, holt sich für die WM-Qualifikationsspiele am 7. April gegen Tschechien und drei Tage später in Slowenien die langjährige Neid-Vertraute Ulrike Ballweg und seinen Begleiter Thomas Nörenberg an die Seite.

Wie es im Hinblick auf das alles entscheidende Qualifikationsspiel auf Island (1. September) weitergeht, will Chatzialexiou in aller Ruhe entscheiden. „Wir werden uns deshalb jetzt die nötige Zeit nehmen, im engen Austausch mit der Liga einen passenden Kopf für diese Aufgabe zu finden.“ Problem nur: Das Anforderungsprofil ist recht umfassend, der Kandidatenkreis indes überschaubar.

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