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Kim Kulig „Ich möchte den Frauenfußball voran bringen“

Kim Kulig spricht im Interview über ihre lange Suche nach der richtigen Rolle, ihre erste Erfahrungen als Trainerin beim 1. FFC Frankfurt II und den akuten Mängeln im deutschen Frauenfußball.

Kim Kulig
In neuer Rolle: Kim Kulig als Trainerin beim 1. FFC Frankfurt II. Foto: Imago

Kim Kulig kommt pünktlich zum Gesprächs-Termin mit der FR. Im Interview spricht die ehemalige Mittelfeldspielerin und jetzige Cheftrainerin der Zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt über ihre Ambitionen als Trainerin und warum es im deutschen Frauenfußball nur noch wenige Persönlichkeiten gibt.

Sie kommen direkt vom Training der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, nachdem Sie vormittags beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gearbeitet haben. Wie lange geht diese Doppelbelastung noch?
Ich höre tatsächlich Ende Januar beim DFB auf. Seit ich beim FFC als Co-Trainerin arbeite, gehe ich vom DFB-Büro im Grunde direkt auf den Trainingsplatz. Eine Doppelbelastung, die sich gelohnt hat, aber ich will jetzt mehr in den sportlichen Bereich. Ich habe beim FFC eine sehr gute Möglichkeit als Co-Trainerin zum Einstieg bekommen, nun will ich als Cheftrainerin meinen eigenen Weg gehen.

Sie waren in den vergangenen Jahren in vielen Berufsfelder unterwegs, waren als Fernsehexpertin tätig, haben als Teammanagerin, als Assistenz von Bundestrainerin Steffi Jones und während der EM 2017 auch als Scout gearbeitet. Haben Sie dann am Ende doch gemerkt, dass es am schönsten ist, wenn der Ball rollt?
Durch das Karriereende habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich musste das irgendwie abschließen, habe in viele Bereiche reingeschnuppert. Es war für mich eine Hilfe, Abstand zu gewinnen, weil die Situation nicht ganz so einfach war. Ich habe dann aber gemerkt, dass mir der Fußball fehlt, dass ich damit noch nicht abgeschlossen habe. Ich glaube nicht, dass ich im Büro glücklich werde. Es hat mir enorm gefehlt, auf dem Platz zu stehen. Ich kann wirklich sagen, dass ich jetzt weiß, dass das der richtige Weg ist. Als Trainerin zu arbeiten, ist ein Privileg. Das ist das Leben, das ich brauche und als Spielerin hatte. Umso schöner, dass ich das jetzt wiederfinde und weiterleben darf.

Sie klingen regelrecht euphorisch.
Ja, schon. Der Fußball war teilweise total weg. Ich merke, dass ich jetzt wieder aufblühe. Mich macht es glücklich, zwei Stunden am Tag mit den Mädels auf dem Platz zu stehen, ihnen weiter zu helfen. Ich gehe glücklich schlafen.

Auch ohne Schmerzen? Wie belastbar ist Ihr Knie heute? Können Sie teilweise selbst mittrainieren?
Ich habe Bewegungseinschränkungen, es ist halt nicht mehr das tollste Knie. Ich mache mal ein Fünf-gegen-Zwei mit, ich kann noch ein bisschen joggen. Mehr aber auch nicht. Ich darf es nicht übertreiben und muss mich selbst schützen. Denn wenn ich einmal loslege, kann ich schwer aufhören.

Wie kam es, dass sie ab Oktober in der laufenden Saison wieder beim 1. FFC Frankfurt eingestiegen sind?
Ich habe ja während meiner Zeit beim DFB meine Trainer-Lizenzen gemacht. Und dann war auch klar, dass ich schnellstmöglich Erfahrungen sammeln muss. Glücklicherweise hatte der FFC bei seinem zweiten Team Bedarf.

Kerstin Garefrekes ist mit im Trainerteam.
Ich bin sehr froh, dass Kerstin dabei ist. Wir haben uns damals schon als Spielerinnen gut verstanden und sind auf einer Wellenlänge. Wir mögen das strukturelle Arbeiten. Das brauche ich auch, um mich sicher zu fühlen. So war ich schon immer: akribisch, perfektionistisch.

Ihre Spielerinnen sind ja noch recht jung und bringen andere Alltagsprobleme als eine gestandene Nationalspielerin mit.
Es sind alles junge Spielerinnen, die sehr ehrgeizig und wissbegierig sind. Ich sehe es als meine Aufgabe, sie sowohl als Mannschaft als auch individuell als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Das ist ja das Schöne bei einem Nachwuchsteam.

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