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Frauenfußball-EM Team spricht sich für Steffi Jones aus

Nach dem Viertelfinal-Aus der deutschen Mannschaft plädieren Spielerinnen für den Verbleib von Steffi Jones. Auch Kollegen stärken der Trainerin den Rücken.

Islacker
Das gibt’s doch gar nicht: Mandy Islacker. Foto: afp

Die Botschaft ist auf allen Mannschaftsbussen dieselbe: „Let’s celebrate“ prangt auf den Seitenwänden des Gefährts, das auch die deutsche Frauen-Nationalmannschaft durch dieses Turnier der kurzen Wege bringt. Selten hat die Außenlackierung schlechter zu den Insassen gepasst, die sich am Sonntagnachmittag bereits von Rotterdam zur Rückfahrt nach Sint-Michielsgestel aufmachten. Für die letzte Nacht im niederländischen Teamquartier, ehe am heutigen Montagvormittag für die deutschen Fußballerinnen auf die Heimreise geht. Viel früher als jeder aus der Delegation dachte.

Als einer der letzten kam Dzsenifer Marozsan aus der Kabine, die ihre große Enttäuschung nicht verbergen konnte, weil sie in den entscheidenden Momenten der aufgetragenen Verantwortung nicht gerecht wurde. „Da war nicht der unbedingte Wille“, klagte die 25-Jährige und gab sich gleich eine Mitschuld am Ausgleichstreffer beim Viertelfinalaus gegen Dänemark (1:2): „Ich weiß nicht, was in unseren Köpfen vorgeht, da haben wir komplett abgeschaltet. Das war Alibi – das kann auch ich besser.“ Und dann legte sie nach: „Allergrößtes Manko war, dass wir nicht präsent waren: Die Einstellung und Körpersprache war absolut nicht vorhanden.“ Eine Bankrotterklärung.

Frage nach Konsequenzen für Jones

Die zwangsläufige Frage nach möglichen Konsequenzen für die Bundestrainerin beantwortete Marozsan mit einem Plädoyer für Steffi Jones, die aus ihrer Sicht bleiben sollte: „Sie hat sehr viel investiert in dieses Team, deshalb ist diese Niederlage doppelt schwierig. Persönlich tut es mir sehr leid.“ Mit Sara Däbritz sprach sich das jüngste Mitglied aus dem vierköpfigen Mannschaftsrat dafür aus, dass die vertraglich bis 2018 gebundene Trainerin den Job behält. „Sie ist eine überragende Trainerin, dass wir ausgeschieden sind, darf keine Zweifel aufwerfen“, beteuerte die 22-jährige Führungsspielerin. „Der Weg ist richtig. Wir stehen alle hinter ihr und haben sie alle total gerne.“

Die Zuneigung hat also nicht gelitten, aber an den fachlichen Fähigkeiten könnten Zweifel aufkommen. Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ging gewaltig ins Risiko, als noch vor der WM 2015 die Überraschungslösung Jones als Nachfolgerin von Silvia Neid vorgestellt wurde. Die damalige DFB-Direktorin war ohne größere Erfahrung im Trainermetier, hatte weder ein Vereins- noch ein Nachwuchsteam geführt, was sich auch im Schnellkurs als Neids Assistentin nicht aufholen ließ. Insofern hat der Verband einen Anteil am Experiment, das nun erst einmal für gescheitert erklärt werden darf. Doch anders als nach dem vierten Platz bei der WM in Kanada, der mit allerlei Störgeräuschen aus der Frauen-Bundesliga verbunden war, kommt nun kein Gegenwind aus der Liga auf.

Ewig-Kritiker Bernd Schröder ist im Ruhestand, dafür stellen sich entscheidenden Vertreter hinter die Bundestrainerin. Zuvorderst Ralf Kellermann, der Sportliche Leiter des VfL Wolfsburg, aber auch Siegfried Dietrich, der Macher beim 1. FFC Frankfurt. „Die Mannschaft hat zu keiner Zeit richtig ins Turnier gefunden. Für die vorhandenen Qualitäten hat sie zu wenig geleistet“, sagte der Vertreter der Vereine aus der Frauen-Bundesliga, fügte aber an: „Wenn Steffi Jones aus ihren Erfahrungen die richtigen Schlüsse zieht, lässt sich für die Zukunft viel realisieren.“ Rückendeckung auch von dieser Seite.

Und bei den künftigen Hoffnungsträgerinnen hat Jones ohnehin einen Stein im Brett. Ihre „Harmoniebedürftigkeit“ (Anja Mittag) gefällt der nachrückenden Garde, die die positive Atmosphäre nicht mehr missen möchte. Für Linda Dallmann, eine der besten Newcomerinnen steht fest, dass Jones „die richtig ist, weil sie überzeugt von dem ist, was sie macht.“ Der Rückschlag durch das vorzeitige Viertelfinalaus? Die 22-Jährige: „Das lag nicht an ihr, sondern an uns.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frauenfußball-EM 2017

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