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Frauenfußball-EM Kein Auftaktsieg für Deutschland

Die deutschen Fußballerinnen überzeugen beim 0:0 zum EM-Start gegen Schweden in erster Linie kämpferisch. In der Offensive ist noch Luft nach oben.

Huth und Samuelsson
Augen zu und drauf: Svenja Huth (Mitte links) im Zweikampf mit der Schwedin Jessica Samuelsson. Foto: afp

Was liegt näher, als bei einem deutsch-schwedischen Fußball-Klassiker das Publikum mit einem Klassiker der Musikgeschichte in Wallung zu bringen? Mit dem Abba-Song „Mamma Mia“ hat die Regie im Rat Verlegh Stadion von Breda es geschafft, dass Anhänger aus beiden Nationen zuvor im Gleichklang klatschten. Hinterher war es schwer auszumachen, wer wirklich Grund zu Beifallskundgebungen hatte: Mit einem 0:0 gegen Schweden ist die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ins EM-Turnier gestartet. Ausgerechnet der von Steffi Jones proklamierte spielerische Fortschritt blieb dabei vor 9500 Zuschauern weitgehend auf der Strecke.

Der Titelverteidiger und Olympiasieger hat immerhin in der Defensive seinen Lackmustest unter der neuen Bundestrainerin bestanden. Auch Einsatzbereitschaft und Kampfkraft waren in Ordnung, doch in spielerischer Hinsicht ist noch reichlich Luft nach oben. Vielleicht helfen die die anderen Gruppenspiele, um sich in den Niederlanden rasch in titelreife Verfassung zu bringen. In der zweiten Partie trifft die DFB-Auswahl am Freitag in Tilburg auf Italien, die letzte Begegnung findet dann am 25. Juli in Utrecht gegen Russland statt.

Schwedens Fußballerinnen haben abermals nicht den Fluch gegen Deutschland besiegen können. Anführerin Lotta Schelin wollte die Dämonen vertreiben, weil die Skandinavierinnen tatsächlich seit 1995 kein Pflichtspiel mehr gewonnen und ein Prestigeduell nach dem anderen verloren hatten. Doch die zu mehr Freiheit und Flexibilität erzogene Jones-Elf wusste den psychologischen Vorteil anfänglich nicht zu nutzen.

Im letzten Drittel fehlt die Durchschlagskraft

Gegen den „dicksten Brocken der Gruppe“ (Assistenztrainer Markus Högner) leistete sich das weiß gekleidete deutsche Team zu viele Abspielfehler, um den Matchplan umzusetzen. Gerade im letzten Drittel fehlten die Lösungsmöglichkeiten, sodass bis auf einer Halbchance der noch vor der Halbzeit angeschlagen ausgewechselten Svenja Huth (9.) keine echte Möglichkeit heraussprang. Bezeichnend, wie Dzsenifer Marozsan nach einer der wenigen Ballstafetten die Kugel mit dem Absatz zum Gegner spielte (25.). Ohnehin blieb die fußballerisch hoch veranlagte Kapitänin weit unter ihren Möglichkeiten, was ein Grund für die spielerische Armut auf deutscher Seite war.

„Wir haben spielerisch noch zugelegt“, hatte Jones am Vortag beteuert. Letztlich entschied sich die 44-Jährige aber für eine Sicherheitsvariante im neuen 4-4-2, weil die Neu-Münchnerin Kristin Demann auf die Sechs, dafür Sara Däbritz in die Raute rückte, wo die 22-Jährige sichtlich fremdelte. Mit Anja Mittag (32 Jahre) und Josephine Henning (27) spielte auch die Komponente Erfahrung eine größere Rolle als angekündigt – das Durchschnittsalter der deutschen Startelf stieg auf 26 Jahre. „Ich habe richtig Bock auf Schweden“, hatte die Wahl-Schwedin Mittag bekundet, aber auch sie konnte den Worten nur wenige Taten folgen lassen und ging nach 64 Minuten für Hasret Kayikici vom Feld. Den stärksten Eindruck hinterließ neben der selbstbewussten Neu-Münchnerin Demann noch die eifrige Anna Blässe, die auf der rechten Außenbahn in beide Richtungen Impulse gab.

Wo aber war der Türöffner, um die disziplinierte Defensive der Schweden zu knacken? Im Olympischen Finale in Rio de Janeiro half vor knapp einem Jahr ein Freistoß von Marozsan, doch in Breda geriet ihr Versuch viel zu harmlos (51.). Die beiden besten Chancen vergab dann die eingewechselte Mandy Islacker, als die zum FC Bayern gewechselte Bundesliga-Torschützenkönigin nach Vorarbeit von Carolin Simon erst knapp am Pfosten vorbeizielte (65.), dann nach Marozsan-Direktabnahme aus kurzer Distanz an der prächtig reagierenden Torfrau Hedwig Lindahl scheiterte (82.). Auf der Gegenseite musste Gegenüber Almuth Schult gegen Stina Blackstenius in höchster Not retten (71.). Nun besaß die Auseinandersetzung neben der Intensität auch eine höhere Qualität, und speziell die deutsche Elf entwickelte nun bis in den Strafraum jenen Sturm-und-Drang-Stil, der ihr von Beginn an gut getan hätte. Doch Zufall war es irgendwie nicht, dass an diesem Sommerabend keine Tore fielen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frauenfußball-EM 2017

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