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Frauen-Fußball-EM Die Titelverteidigung beginnt in Breda

Gleich zum EM-Auftakt gegen Schweden wird sich zeigen, was die gute Stimmung im deutschen Team wert ist.

Fußball-Frauen
Für die deutschen Nationalspielerinnen steht der Turnierbeginn auf dm Programm. Foto: dpa

Vor dem romantisch anmutenden Eingangsbereich zum „De Ruwenberg“, dem Stammquartier der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, stehen seit dem Wochenende zwei mächtige Mannschaftsbusse: das deutsche Original, matt schwarz lackiert, an der Flanke prangt die Aufschrift „Die Mannschaft“. Vis-à-vis parkt neuerdings das für die Frauen-Europameisterschaft bereitgestellte Gefährt: eine landestypisch in orangefarbenen Tönen gehaltene Version, in die der Titelverteidiger die rund 65 Kilometer von Sint-Michielsgestel nach Breda zurücklegen wird, wo am Montag das EM-Auftaktspiel gegen Schweden (20.45 Uhr/ARD) stattfindet.

Einhelliger Tenor der DFB-Delegation: Es wird Zeit, dass es endlich losgeht. Nicht, dass Lagerkoller aufgekommen ist – Radtouren in der Umgebung oder die Players Lounge sorgen für Ablenkung -, aber der neu zusammengestellte Kader lechzt nach seiner ersten Bewährung. „Wir wollen endlich zeigen, was wir draufhaben“, hat Lina Magull gesagt, die ebenso wie ihre Freiburger Klubkolleginnen Carolin Simon oder die Essenerin Linda Dallmann zum neuen Stammpersonal zählt.

Gesichter, die mit dem Nationalteam noch nicht so lange in Verbindung gebracht werden. „Dass ich bei der EM dabei sein darf, habe ich nicht erwartet“, bekannte Linksverteidigerin Simon, die viel Vorfreude auf ihr erstes Turnier ausstrahlt. Passend zum Slogan am Bus: „Let’s celebrate.“ Vom neunten EM-Titel ist da nicht die Rede. Dabei hat Steffi Jones trotz Runderneuerung dieses Ziel nie kassiert. Im Gegenteil. Die Bundestrainerin will Europameisterin werden wie schon 1995 erstmals als Aktive, als ihr auf der Gegenseite die heutige schwedische Nationaltrainerin Pia Sundhage gegenüberstand.

Von diesem Zeitpunkt an wird der schwedische Frauenfußball von einem schweren Deutschland-Trauma geplagt. Zuletzt gingen nacheinander alle Pflichtspiele, zuletzt das EM-Halbfinale 2013 im eigenen Land (0:1), das WM-Achtelfinale 2015 (1:4) und das Olympische Finale 2016 (1:2) verloren. Topstar Lotta Schelin will nun sogar „die Dämonen vertreiben“.

Lieblingsgegner wird zum Lackmustest

„Schweden ist eine sehr erfahrene, kampfstarke Mannschaft“, warnt Jones, wohl wissend, dass das härteste Stück Arbeit in der Gruppenphase im ersten Spiel wartet. Während die selbstbewusste Kollegin Sundhage bei ihrem Abschiedsturnier („Wir sind einfach dran mit einem Sieg gegen Deutschland“) noch einmal alle bewährten Kräfte jenseits der 30 aufbietet, hat sie gegenüber der EM vor vier Jahren noch mehr verändert hat als nur die Spielidee (mutiger und kreativer) und das Arbeitsklima (offener und fröhlicher). Vermutlich wird keine einzige deutsche Spielerin im Rat Verlegh Stadion von Breda anfangs auf dem Platz stehen, die beim EM-Viertelfinale 2013 gegen Italien im schwedischen Växjö bei Anpfiff dabei war.

Die jetzt als prägende Persönlichkeiten eingeplanten Dzsenifer Marozsan und Sara Däbritz wurden damals nur eingewechselt. Kapitänin Marozsan, die zuletzt immer gegen Schweden traf, erwartet einen „harten Kampf“. Der deutsche Lieblingsgegner wird zum Lackmustest für die körperliche Robustheit und defensive Widerstandsfähigkeit. Das neue 4-4-2-System mit Mittelfeldraute, räumt die für die Halbposition vorgesehene Lina Magull ein, sei „irgendwie auch riskant“. Nämlich bei Kontern in der Rückwärtsbewegung. Nichts mögen die Skandinavierinnen lieber.

Höhen und Tiefen

„Gegen die Schwedinnen muss man dagegenhalten“, glaubt die ehemalige Nationalspielerin Kim Kulig, die gemeinsam mit Saskia Bartusiak sich heute das andere Gruppenspiel zwischen Russland gegen Italien in Rotterdam (18 Uhr) anschaut. Das neue Scouting-Duo hat miterlebt, wie die deutschen Fußballerinnen bei ihren Turnieren mitunter extreme Höhen und Tiefen durchmachten; dass es so oft gut ausging, ist kein Automatismus. Weshalb wohl auch DFB-Präsident Reinhard Grindel bei seinem Blitzbesuch im Basiscamp die Messlatte bewusst niedriger gelegt hat.

„Man kann in dieser breiten Leistungsspitze nicht so vermessen sein, zu sagen, man wird hier den Titel wieder gewinnen“, betonte Grindel. „Das ist auch nicht der Maßstab für die Frage, ob es ein erfolgreiches Turnier ist.“ Sondern? „Dass wir einen spielerisch guten Eindruck hinterlassen mit einem klaren Konzept.“ Der Verbandsboss lässt sich zum deutschen Auftakt übrigens aus privaten Gründen entschuldigen. Aber zum Halbfinale käme er ganz sicher. Dann ist das Minimalziel ja schon bekannt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frauenfußball-EM 2017

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