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Frauen-Bundesliga Zu viele Mauerblümchen

Die Frauen-Bundesliga hat national und international einen schleichenden Bedeutungsverlust erfahren, dem schwer beizukommen ist.

Zsanett Jakabfi und Sara Däbritz
Die Rivalen um den Titel in der Frauen-Bundesliga: Zsanett Jakabfi (VfL Wolfsburg) gegen Sara Däbritz (FC Bayern). Foto: imago

Ralf Kellermann, der Sportdirektor der Fußballerinnen des VfL Wolfsburg, findet die Konstellation ein bisschen skurril: Bevor überhaupt der heimische Ligaalltag beginnt, steht schon ein Pflichtspiel in der Königsklasse der Frauen auf dem Programm. Die Erstrundenpartie aus der Uefa Womens Champions League beim isländischen Meister Thor/AK Akureyri (18.30 Uhr) im Land aus Feuer und Eis, ist dem Auftakt in der Frauen-Bundesliga gegen den 1. FFC Frankfurt (Sonntag 14 Uhr) vorgeschaltet. Das Reiseabenteuer erinnert den Macher vom Doublesieger aus der Autostadt an seine Europatour Ende August und Anfang September. Da reiste der 49-Jährige zuerst zum WM-Qualifikationsspiel Schottland gegen Schweiz (2:1) nach Glasgow, wo die künftige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an der Seitenlinie stand. Dann sah er in Reykjavik die deutsche Nationalmannschaft gegen Island siegen (2:0) und danach noch in Oslo, wie Norwegen den Europameister Niederlande (2:1) in die Playoffs schickte.

Der Mann kann viel erzählen, er weiß, wohin sich der Frauenfußball national und international entwickelt. Und so konterte Kellermann am Montag auf der Eröffnungsveranstaltung zum Start der Frauen-Bundesliga mit einer Gegenfrage, wie denn die Konkurrenzfähigkeit bewahrt werden könne: „Wie viel Zeit haben wir?“ Nicht nur im Dortmunder Fußballmuseum war die rückläufige Entwicklung ein großes Thema. Auch bei der obligatorischen Saisoneröffnungspressekonferenz des 1. FFC Frankfurt spielte es am Tag danach eine Rolle. Geht der Anschluss verloren? „Die Bundesliga ist noch die attraktivste Liga“, sagte die niederländische Europameisterin Jackie Groenen. Die 23-Jährige benutzte so oft das Wörtchen „noch“, dass allein daran der schleichende Bedeutungsverlust abzulesen war.

Der Zuschauerschnitt ist vergangene Saison auf unter 900 abgesackt. Die nachhaltige Schubwirkung, die mal von der Frauen-WM 2011 in Deutschland ausgehen sollte, ist verpufft. Aktuell ist ein Rückschritt statt Fortschritt beim Publikumsinteresse zu beobachten. Eine vierstellige Besucherzahl bringen allein noch vier Vereine – Turbine Potsdam (1945), VfL Wolfsburg (1722), 1. FFC Frankfurt (1415) und SGS Essen (1260) – zustande. Der Rückgang umfasst übrigens auch Zuschauerzahlen und Einschaltquoten der Frauen-Länderspiele.

„Insgesamt ist es überschaubar geworden“, räumt Frankfurts Manager und Investor Siegfried Dietrich ein, „wir haben leider sehr viele wechselnde Termine und viele Vereine wissen nicht, wie sie die Zuschauer vor Ort am besten bedienen.“ Weil gerade bei den acht der zwölf Bundesligisten, die unter dem Männerdach organisiert sind, die Fußballerinnen eben doch ein Mauerblümchendasein fristen. Besonders stiefmütterlich wirkt bisweilen die Behandlung beim FC Bayern, wo sich im Stadion an der Grünwalder Straße bei Heimspielen eine solche Tristesse verbreitet, dass die Sportliche Leiterin Karin Danner der „FAZ“ sagte; „Manchmal denke ich bei schönem Wetter auch, dass es im Englischen Garten jetzt schöner wäre als beim Frauenfußball.“ In der Liga kommen dabei doch nur ihre Spielerinnen neben den „Wölfinnen“ für den Meistertitel infrage.

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