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Frauen-Bundesliga Der Abwärtstrend

Die Zuschauerzahlen der Frauen-Bundesliga sinken - auch in Frankfurt.

Fußball Allianz Frauen Bundesliga
FFC-Heimstätte: das Stadion am Brentanobad. Foto: Imago

Einst hatte Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, die Vision, im Stadion am Brentanobad einen Zuschauerschnitt von 3000 Besuchern zu erreichen. „Das habe ich unter der Vorgabe gesagt, wenn wir um die Meisterschaft mitspielen.“ Mittlerweile sind es nicht einmal halb so viele: Vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg (Sonntag, 11 Uhr) ist der Besucherschnitt auf 1228 abgesackt – der schlechteste Wert seit 2006/2007. Zumal oft gemunkelt wird, Dietrich schöne die offiziell vermeldete Zuschauerzahl gerne. 

Das Team mag angesichts vieler abgewanderter Stars und Neuausrichtung nur noch Mittelmaß sein, doch allein damit ist der Rückgang nicht zu erklären. „Für unsere Entwicklungsphase ist das ein sehr ordentlicher Schnitt“, sagt Dietrich. Es komme darauf an „wie aktiv man ist. Man muss Werbung für die Spiele machen, Plakate platzieren und in den sozialen Netzwerken präsent sein – da sind wir sehr aktiv. Ich mahne das bei anderen immer wieder an.“

Man könnte es als Seitenhieb gegen Bayern München interpretieren, deren Zuspruch bei Heimspielen an der Grünwalder Straße auch dieses Jahr enttäuschend gering ist (siehe Infobox). Der FFC-Macher räumt ein: „Wir hätten gerne einen Schnitt von 1500 erreicht, mit mehr als 1300 wäre ich in dieser Saison zufrieden. Es waren einige Nachholspiele zu ungünstigen Zeiten und: Bei Sturm und Schnee kann man natürlich nicht mit so viel Besuch rechnen.“ 

Was auffällt: Ohne die beiden Aufsteiger beklagen neun von zehn Bundesligisten Einbußen: Waren es nach der vergangenen Saison 942 Zuschauer pro Spiel, sind es drei Spieltage vor Schluss rund 150 weniger. So wenig wie seit acht Jahren nicht mehr. Der letzte Anstieg wurde nach der EM 2013 verzeichnet. Selbst die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist kein Zuschauermagnet mehr. Das Spiel gegen Tschechien in Halle verfolgten nur 4564 Zuschauer. Anders im Ausland. Zu einem WM-Qualifikationsspiel des aktuellen Europameisters Niederlande strömten kürzlich 30 000 Besucher, in England wollten 45 423 Fans das FA-Cup-Finale der Frauen sehen. Dietrich findet, „jede positive Entwicklung im Frauenfußball ist wichtig. In Deutschland gab es die Enttäuschung bei der EM.“ Doch leere Ränge sind kein Lockmittel: Schon die in die USA gewechselte Ana-Maria Crnogorcevic begründete ihren Abgang mit den höheren Zuschauerzahlen dort. 

Einer der Gründe könnte die vermehrte TV-Präsenz sein. Neben dem Sender Sport1 und der Verbandsplattform DFB-TV ist seit dieser Saison auch der kostenpflichtige Streamingdienst Telekomsport eingestiegen. Dieser überträgt als Sponsor sämtliche Bayern-Spiele, plus mindestens eine weitere Partie pro Spieltag. Das „Fußball-Paket“ des Anbieters ist kombiniert mit allen Drittligapartien der Männer. „Im Gesamtportfolio von Telekom Sport zu sein, ist gut, aber auch diese Online-Präsenz muss sich erst etablieren“, sagt Dietrich, der sich bei Übertragungen eine Vor- und Nachmoderation wünscht. Tatsächlich laufen viele Live-Übertragungen recht lieblos ab, Interviews gibt es oft keine. 

Feste Anstoßzeiten am Sonntag hält Ligasprecher Dietrich für „grundsätzlich sinnvoll, da kommt man dem Männerfußball nicht allzu sehr in die Quere. Aber man muss schauen, wo man einen Sendeplatz eingeräumt bekommt.“ Auf DFB-TV schauen immerhin bis zu 40 000 Interessierte zu. Die Begegnung VfL Wolfsburg gegen Turbine Potsdam im vergangenen Herbst sahen bei Sport1 320 000 Zuschauer. Die Partie zwischen Potsdam und dem FFC, der inklusive Pokalviertelfinale schon achtmal übertragen wurde, hatte immerhin die zweitbeste Quote mit 250 000 TV-Zuschauern. 

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