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Marseille - Eintracht Start vor gespenstischer Kulisse

Die Fans bleiben zuhause, die Mannschaft ist gefordert: Vor der Geisterkulisse in Marseille will Eintracht Frankfurt nach knapp fünf Jahren Europacup-Pause ein gelungenes Comeback.

19.09.2018 10:22
Kevin Trapp
Fiebert der Europa League mit der Eintracht entgegen: Frankfurt-Keeper Kevin Trapp. Foto: Thomas Frey

Das große Comeback auf der europäischen Bühne will sich Eintracht Frankfurt von über 65 000 ausgesperrten Zuschauern und einem Einreiseverbot für die eigenen Fans nicht vermiesen lassen. Beim Geisterspiel wartet an diesem Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) nicht nur eine merkwürdig einsame Kulisse auf das Team von Trainer Adi Hütter, sondern in Vorjahresfinalist Olympique Marseille auch einer der härtesten Prüfsteine in der Europa League. „Das ist eine knackige Gruppe“, sagte Hütter. „Aber ich sehe eine Chance, und diese Chance möchten wir beim Schopf packen.“ Der Coach weiß: Marseille und Lazio Rom sind echte Europa-Schwergewichte.

Der heiße Auftakt an der Mittelmeerküste ist für den deutschen Pokalsieger aber mehr als ein gewöhnliches Fußballspiel, spätestens seit diesem Dienstag. Nach den UEFA-Sanktionen gegen die Franzosen, die wegen wiederholter Vergehen zu einem Geisterspiel verdonnert wurden, dürfen Eintracht-Fans nicht einmal in die Stadt reisen.

Das Aufenthaltsverbot gilt am Donnerstag zwischen 8 und 24 Uhr. „Im Ergebnis sperrt man uns als völlig unbeteiligte Dritte nicht nur von einem Spiel sondern aus einer ganzen Stadt aus. So kann das nicht weitergehen“, schimpfte Vorstand Axel Hellmann. „Wir fühlen uns um einen großen Europa-Auftritt betrogen.“

Eine Chance für die Eintracht

Die große Party- und Reiselust, die Eintracht-Fans vor knapp fünf Jahren unter anderem in Bordeaux unter Beweis stellten, muss diesmal also bis zum zweiten Auswärtsspiel warten. Sportlich hingegen will die Eintracht wie 2013 sofort da sein und in der kniffligen Gruppe mit Marseille, Lazio und Apollon Limassol für Überraschungen sorgen. „Wir haben eine geile Gruppe. Es ist gut für uns, diese Situation gemeinsam zu erleben“, sagte Mittelfeldspieler Gelson Fernandes. Der Schweizer kennt die Gegner bestens, hat sowohl in Italien als auch in Frankreich schon gespielt.

Die Eintracht um Trainer Hütter und Sport-Vorstand Fredi Bobic sieht die Europa League in erster Linie als riesige Chance und Bühne. Das Wort Dreifachbelastung gibt es in Frankfurt aus zwei Gründen nicht: Zum einen ist der Titelverteidiger im DFB-Pokal am SSV Ulm 1846 gescheitert, zum anderen wird der Wettbewerb ausschließlich positiv wahrgenommen. „Ihr werdet von mir nie hören, wir sind jetzt müde. Wir freuen uns riesig auf Europa“, sagte Bobic bei Sky.

Angst, die erhöhte Belastung durch Europa wie zuletzt Freiburg und Köln mit Abstiegskampf in der Liga zu bezahlen, hat Bobic nicht. „Wir können es auch positiv sehen. Alle drei Tage spielen, das ist doch super“, sagte der ehemalige Bundesliga-Stürmer. Die Anhänger fiebern der Vorrunde entgegen, schon im Juli und damit weit vor der Auslosung wurden über 120 000 Karten für drei Heimspiele abgesetzt. „Der ganze Verein freut sich. Darauf hat die Mannschaft lange hingearbeitet“, sagte Hütter.

Probleme besonders im Spiel nach vorne

Die Euphorie im Verein überdeckt dabei auch Sorgen, die mit dem mehr als holprigen Saisonstart entstanden sind. Nach den Abgängen von vier Leistungsträgern im Sommer sind mit Timothy Chandler und Carlos Salcedo zwei weitere Stammspieler verletzt, Vize-Weltmeister Ante Rebic ist immer noch nicht einsatzfähig. „Viel sollten sich nicht mehr verletzen, das wäre wichtig“, sagte Hütter.

„Wir haben eine tolle Gruppe mit attraktiven Gegnern. Das wird für uns alle eine geile Erfahrung“, sagte Nationalspieler Kevin Trapp am Mittwoch vor dem Abflug der Mannschaft nach Frankreich. Für die Frankfurter ist ein friedlicher Ablauf zum Start in die internationale Saison auch maßgeblich für die weiteren Spiele. Beim Gastspiel bei Lazio Rom im Dezember will der Bundesligist 15 000 statt der vorgesehenen 7000 Auswärtskarten bekommen. „Das schaffen wir nur, wenn es in Marseille friedlich bleibt“, sagte Präsident Peter Fischer laut „Bild“-Zeitung. Torwart Trapp erinnert an 2013 und die Stimmung an den Europa-Abenden, das „vergisst man als Spieler nie mehr, das sind Momente, von denen erzählst du dein Leben lang“.

Neben dem Personal macht Trainer Hütter auch die stockende Offensive Sorgen. Sein Team rennt und kämpft, erspielt sich aber kaum Chancen. Gegen die starken Hausherren um Stars wie Dimitri Payet, Florian Thauvin und Luiz Gustavo wird das nicht leichter.  (dpa)

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