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Sommerpause Die Bundesliga startet zu spät

Bei aller Freude am Pokal-Wochenende: Die Bundesliga hätte längst beginnen müssen. Ein Kommentar.

DFB-Pokal
Die erste Runde des DFB-Pokals dem Bundesliga-Start vorzuschalten, ist für alle Beteiligten die beste Lösung. Foto: dpa

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Der ewig gültige und immer wieder neu aufgelegte Spruch wird gerne hervorgekramt, um die Überraschungen in diesem Wettbewerb zu erklären. Nichts steht für den eigenen Charakter des DFB-Pokals so gut wie die erste Runde, die sich an diesem Wochenende über vier Tage zieht. Amateurvertreter, die seit Wochen ihr Spiel des Jahres kaum erwarten können. Wie der SV Linx, ein Aufsteiger in die Oberliga Baden-Württemberg, der den 1. FC Nürnberg, Aufsteiger in die Bundesliga erwartet. Die David-gegen-Goliath-Konstellation. Unlängst beim Linxer Mannschaftsgrillfest wurden elf Nürnberger auf den Rost gelegt und verspeist.

Oder der Viertligist SV Drochtersen/Assel, der weit über die Region Stade zur Berühmtheit wird, weil der FC Bayern ins Kehdinger Land kommt. Das sind die Bilder und Geschichten, die es vor solch einer Partie zwischen Feierabendkickern und Berufsfußballern braucht, die ansonsten so viel trennt. Mancherorts müssen andere Spielorte – Linx zieht nach Kehl – genutzt werden, um die strengen Bestimmungen für die Austragung einer solchen Begegnung zu gewährleisten. Andernorts werden mobile Toiletten in die Massageräume für die Dopingkontrolle geschoben, was die Vorfreude der Außenseiter nicht schmälert. In der Regel ist der Vorlauf dann oft spannender als das Spiel selbst. Wenn unterklassige Vertreter eine Chance haben, dann in erster Linie die unter Profibedingungen arbeitenden Drittligisten, die zudem schon mitten im Spielbetrieb stehen, während die Erstligisten ja gerade erst loslegen. 

Bundesliga startet zu spät

Es ist völlig richtig, dass Verband und Liga gerade noch rechtzeitig zur Einsicht gelangten, den DFB-Pokal genau an dieser Stelle nicht zu reformieren. Die erste Runde dieses Wettbewerbs dem Bundesliga-Start vorzuschalten, ist für alle Beteiligten die beste Lösung. Auch für die Erstligisten, die den Ernstfall proben. Und doch muss hinterfragt werden, warum Deutschland als letztes Land mit seinem Premiumprodukt beginnt. In England rollt der Ball genau wie in der neuen Weltmeisterliga in Frankreich schon die zweite Woche, in Italien und Spanien fällt jetzt der Startschuss.

Es verdichtet sich der Eindruck, dass die Verbeugung vor den Auslandsinteressen des FC Bayern viel zu groß ist, um die Warterei zu begründen. Es hätte nichts dagegen gesprochen, den Supercup zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern an einem lauen Sommerabend unter der Woche auszuspielen und den DFB-Pokal auf das vergangenen Wochenende vorzuziehen, um die Bundesliga jetzt beginnen zu lassen. Das wäre sogar dringend notwendig gewesen. 

Es drängt sich im Dezember 

Warum? Um den groben Unfug im Rahmenterminkalender des deutschen Fußballs am 15., 16. und 17. Bundesliga-Spieltag zu umgehen. Wer noch keinen Blick aufs Tableau geworfen hat, dem sei zugerufen: Zwischen dem 14. und 16. Dezember wird der drittletzte, mitten in der Woche am 18. und 19. Dezember der vorletzte und dann zur Krönung vom 21. bis 23. Dezember der letzte Hinrundenspieltag ausgetragen. Frohe Weihnachten.

Solch eine Spielplangestaltung ist beinahe so weitsichtig wie eine WM nach Katar zu vergeben. Die wird übrigens in vier Jahren zur selben Zeit ausgetragen. Vielleicht sollen die deutschen Fans schon mal darauf eingestimmt werden.

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