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RB Salzburg Verlässlich im Scheitern

Auch im elften Anlauf gelingt RB Salzburg nicht der Einzug in die Champions League – aber es gibt Hoffnung.

Red Bull Salzburg - Roter Stern Belgrad
Fassunglos nach dem Schlusspfiff: Munas Dabbur von Red Bull Salzburg. Foto: dpa

Die Jahre des Scheiterns waren vorbei. Mit dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr, Spieler und Betreuer hüpften und liefen unkontrolliert über den Rasen. Selbst die Fans hielt es nicht mehr auf der Tribüne. Man feierte und herzte sich, unbändige Glücksgefühle. Im siebten Versuch qualifizierte sich der serbische Rekordmeister Roter Stern Belgrad erstmals für die Champions League. Mittendrin, aber nicht dabei: die Akteure von RB Salzburg. Denn während für die einen das Trauma endete, nahm es für die anderen ein noch größeres Ausmaß an. Salzburg blieb fast schon obligatorisch die Königsklasse verwehrt. Die Anzahl der erfolglosen Qualifikationsversuche stieg an diesem Abend auf elf an – eine unendliche Geschichte der bitteren Art.

Trainer Marco Rose machte unmittelbar nach der Partie um seine Gefühlslage kein Geheimnis. „Es fühlt sich ganz beschissen an“, sagte der 41-jährige Leipziger, „es ist ein herber Schlag, es tut richtig weh“. Seine Mannschaft hätte den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase verdient gehabt, fügte er an. Seine Eindrücke aus der Kabine: „Da sitzen Leute, die heute nicht auf dem Platz waren, und weinen.“

Dabei machte seine Mannschaft lange alles richtig. Der österreichische Meister diktierte das Spiel, lag nach einem Doppelpack von Munas Dabbur (45. Minute/48./Foulelfmeter) sogar mit 2:0 in Führung. Es sah gut aus, ehe zwei Tore durch El Fardou Ben Nabouhane innerhalb von 77 Sekunden nach Unachtsamkeiten in der Verteidigung (65./66.) den Salzburger den Traum von der Königsklasse entrissen. Zu den ungläubigen Besuchern in der Arena gehörte ebenfalls Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Er sah wie die anderen 26 000 Zuschauern einen Sturmlauf der Österreicher in der Schlussphase, der am Ende jedoch glücklos war. Die Partie endete 2:2, Belgrad zog nach dem torlosen Hinspiel dank der Auswärtstorregel in die Champions-League-Gruppenphase ein. Für Salzburg blieb nur die Enttäuschung und der Trostpreis Europa League. Mal wieder.

Es ist eine Odyssee, die im August 2006 mit dem Aus in den Playoffs gegen den FC Valencia seinen Anfang nahm. Nach einem 1:0-Hinspielerfolg reiste Salzburg voller Hoffnung zum Rückspiel nach Spanien, verlor die Partie jedoch chancenlos mit 0:3. Die Königsklasse blieb den Salzburgern im ersten Anlauf verwehrt. Zumindest vorerst – davon waren die Beteiligten überzeugt. Damals konnte niemand die beispielslose Folgegeschichte ahnen.

Salzburg mit viel Zuversicht gegen Belgrad

Nach der Übernahme der Red Bull GmbH 2005 gab es nationale Meisterschaften in Serie, doch der Sprung in die Königsklasse glückte den Salzburgern bis heute nicht. Die Trainer hießen über die Jahre Giovanni Trapattoni, Jacobus Adriaanse, Huub Stevens, Roger Schmidt oder Adi Hütter, die Stolpersteine in der Qualifikation unter anderem Schachtar Donezk, Maccabi Haifa, Hapoel Tel Aviv, Fenerbahce Istanbul, zweimal Malmö FF oder der luxemburgische Vertreter F91 Düdelingen. Spötter sprachen den Österreichern gar eine gewisse „Tradition“ im Scheitern zu.

Doch dieses Jahr sollte alles anders werden. Die Zuversicht war groß im Vorfeld der Partie gegen Belgrad. Das Image der europäischen Lachnummer sollte endgültig abgelegt werden. Denn in den vergangenen zwölf Monaten nach dem Aus gegen HNK Rijeka in der Qualifikationsrunde zur Königsklasse 2017 hatte sich einiges getan. Salzburg beeindruckte in der Europa League, scheiterte erst nach Verlängerung im Halbfinale an Olympique Marseille und schaltete auf dem Weg dahin Borussia Dortmund und Lazio Rom aus. Erfolge, die Balsam für die Salzburger Fußballseele waren und neues Selbstbewusstsein erzeugten. Umso schwerer wiegt das neuerliche Scheitern.

Trainer Rose muss nun Aufbauarbeit verrichten, blickt aber trotz des Ausscheidens optimistisch in die Zukunft: „Ich habe die Verantwortung für diesen coolen Haufen hier. Und ich habe das Gefühl, dass da irgendetwas auf uns wartet, etwas Großes.“ Rose setzte erst im Mai ein Zeichen, verlängerte seinen Vertrag trotz Interesses aus der Bundesliga vorzeitig bis 2020 in Österreich. Er glaubt an die Entwicklung des Vereins, trotz der abnehmenden Unterstützung durch den Brauseproduzenten. Einst mit großen Ambitionen in Salzburg gestartet, fungiert der Konzern seit 2015 nur noch als Hauptsponsor.

Bei Red Bull genießt mittlerweile das Schwesterprojekt RB Leipzig Priorität, für Salzburg werden hingegen die Zuwendungen gedrückt. Zuletzt galt Salzburg zumeist als „Ausbildungsverein“ für Leipzig, seit 2013 verließen 15 Spieler den Verein in Richtung der Sachsen. Der Spanier Oscar Garcia, Roses Vorgänger auf der Trainerbank, wollte unter diesen Bedingungen nicht weiterarbeiten. Rose formte indes seit Sommer 2017 eine junge, spielstarke Truppe, die in dieser Saison größtenteils zusammenblieb. Er will seine Mannschaft nun „mitnehmen und neue Ziele angehen“.

Nicht unwichtig wäre für den ungeschlagenen Tabellenführer der österreichischen Liga dabei der Meistertitel. Nach einer Reform der Uefa erhält ab der Saison 2018/19 die Nation auf Position elf der Uefa-Fünf-Jahres-Wertung einen fixen Startplatz für den Meister in der Champions League – sofern sich der Champions-League-Sieger über die nationale Meisterschaft für die Gruppenphase qualifiziert. Das wäre für die kommende Saison nach aktuellem Stand Österreich.

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