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RB Leipzig Mitunter schmerzhaft

RB Leipzig hat in der Champions-League-Gruppenphase manchen Erfahrungsprozess gemacht.

Timo Werner
Nicht zu ertragen: Timo Werner in Istanbul. Foto: imago

Als Ende August in Monte Carlo die Champions-League-Auslosung stattfand, saß Ralf Rangnick nicht auf einem der gepolsterten Stühle im Grimaldi-Forum. Der Sportdirektor von RB Leipzig war stattdessen mit Mannschaft und Trainerstab im heimischen Trainingszentrum am Cottaweg geblieben. Später bekundete der 59-Jährige, dass er sich wie bei einem Formel-1-Rennen gefühlt habe, in dem es reicht, die letzten zwei Runden zu schauen: So lange musste der dem vierten Lostopf zugeteilte Bundesliga-Novize warten. Als erstes Team aus seinem Topf wurde der deutsche Vizemeister schließlich bei AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul verortet. Das hätte schlimmer kommen können.

Speziell für das Gastspiel des türkischen Renommierklubs richtete Rangnick im Sonderheft vom Fachmagazin „Kicker“ alsbald eine besondere Botschaft aus, die über die sportlichen Ziele hinausging. „Wir wollen auch Deutschland repräsentieren durch Freundlichkeit, durch friedliche Stadionatmosphäre, durch eine herzliche Willkommenskultur.“ Er wolle gar nicht politisch werden, aber ihm sei wichtig, „dass wir gegen Besiktas vor allem auch den türkischen Fans zeigen, wie sehr willkommen sie hier sind.“

Besiktas auf Bewährung

Doch daraus wird nichts, wenn am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) das letzte Gruppenspiel steigt. Weil es im Frühjahr beim Europa-League-Viertelfinale gegen Olympique Lyon zu schlimmen Krawallen kam, tritt Besiktas unter Uefa-Obhut für zwei Spielzeiten auf Bewährung an. Denn sollte noch einmal etwas vorfallen, würde der türkische Meister vom lukrativen Europapokal-Betrieb ausgeschlossen. Vorsichtshalber lassen die Gäste ihren Anhang für die gesamte Gruppenphase zu Hause.

Zudem sah sich auch der Gastgeber aus der Messestadt genötigt, besondere Maßnahmen zu ergreifen: An die 42 558 Tickets konnte nur gelangen, wer bereits im Online-System von RB Leipzig registriert war. Auch die ansonsten den Gästen vorbehaltenen Sektoren auf der Gegengerade werden auf Besiktas-Bitte erst gar nicht geöffnet – auch dieser Bereich wurde personalisiert an Heimfans verkauft. Zumindest stichprobenartig sollen nun beim Zugang zur Arena die Ausweise kontrolliert werden. Ob die große türkische Community in der deutschen Wahlheimat doch Mittel und Wege findet, ihren populären Verein zu unterstützen? Vor allem in Berlin leben viele Besiktas-Fans – und nicht wenige liebäugeln mit einem Leipzig-Abstecher. Dabei gewann das Team von Trainer Senol Günes auswärts auch ohne Rückendeckung in Porto mit 3:1 und in Monaco mit 2:1 – und steht als Gruppensieger fest. Leipzig wiederum nützt ein Sieg nur, wenn parallel die Monegassen bei den Portugiesen punkten. Wahrscheinlich scheint das nicht.

Fest steht: Am Leipziger Sportforum wird kein ohrenbetäubender Lärm wie im Istanbuler Hexenkessel beim Hinspiel herrschen. Im ersten Champions-League-Auswärtsspiel erlebte der sächsische Emporkömmling so manch unliebsame Überraschung. Fast schlimmer als die 0:2-Niederlage wirkte der Verlust von Torjäger Timo Werner, der früh vom Platz ging, sich die Ohren ob des Getöses zuhaltend. Drei Wochen sollte der Nationalspieler hernach wegen Verspannung der Nackenmuskulatur und des Kiefergelenks fehlen. Er habe damals schon vor dem Spiel über leichten Schwindel geklagt, „irgendwann sagt halt der Körper, es geht nicht mehr“, erklärte der 21-Jährige im ZDF-Sportstudio und kategorisierte den Vorfall als „einen der schwersten Momente meiner Karriere“.

Europa League schon sicher

Rückblickend war für alle Beteiligten der irgendwie nicht bewältigte Stresstest vom 26. September gewiss der schmerzhafteste Erfahrungsprozess auf der großen Bühne. Die Vermutung ist nicht tollkühn, dass die Roten Bullen das Achtelfinale aus eigener Kraft bereits erreicht hätten, wenn nicht so vieles Neuland gewesen wäre.

Und es ist ja irgendwie bezeichnend, dass Cheftrainer Ralph Hasenhüttl gerade erst erklärt hat, er käme deshalb als Kandidat für den FC Bayern nicht infrage, weil er sich in der Champions League noch nicht auf dem allerhöchsten Level bewege. „So lange unsere Chance in der Champions League lebt, werden wir alles dafür geben“, versicherte Werner, „aber die Europa League ist auch ein guter Cup.“ Vielleicht hätte es sogar etwas Gutes, ginge es 2018 in der eine Etage tiefer weiter: Dort könnte sein Klub vielleicht auf einen Kontrahenten treffen, der Rangnicks hehren Wunsch doch noch Wirklichkeit werden lässt.

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