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Premier League Vollgas gegen die Wand

Das Premiumprodukt Premier League brüstet sich gerne – und nicht zu unrecht – damit, die unterhaltsamste Liga der Welt zu sein. Aber reicht das für die CL? Ein Kommentar.

Jose Mourinho
Mourinho knows best. Foto: AFP

Gleich zu Beginn dieser Saison hat die englische Premier League all ihren Beobachtern, ihren Freunden und Feinden klargemacht, worum es ihr eigentlich geht. Beim Auftaktspiel, knapp einen Monat ist es her, gewann der FC Arsenal gegen Leicester City mit 4:3, es war ein kurzweiliges, atemberaubendes Rauf und Runter, das die Londoner erst in der Nachspielzeit für sich entschieden. Tags drauf trat der ruhmreiche FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp an, beim FC Watford, 3:3 stand es am Ende, und es war ein kurzweiliges, atemberaubendes Rauf und Runter, in dem Watford erst in der Nachspielzeit den Ausgleich schaffte. So will sie sein, die Premier League: Schnell und wild und unterhaltsam, niemand soll sich trauen, auch nur kurz in die Küche zu hasten, um sich ein Bier zu holen – man könnte ja ein Tor verpassen.

Das fußballerische Premiumprodukt von jenseits des Ärmelkanals brüstet sich gerne – und nicht zu unrecht – damit, die unterhaltsamste Liga der Welt zu sein. Mit Entertainment lässt sich heutzutage am meisten Geld verdienen, rund um den Globus schätzen die Menschen die Engländer für ihren Spektakelfußball in all den Hochglanzarenen, für Spiele wie Liverpool gegen Arsenal, Endstand 4:0, oder auch Liverpool gegen Manchester City, Endstand 0:5. Are you not entertained?

Erst mal Spektakel

Der Pragmatismus ist hingegen ganz sicher keine Stärke des englischen Fußballs, die Premier League sitzt da ein bisschen in der Unterhaltungsfalle. Ohne Pragmatismus, von Zeit zu Zeit wenigstens, lässt sich in der Champions League nicht viel erreichen. 2012, seit dem FC Chelsea, hat sie kein Vertreter von der Insel mehr gewonnen, trotz bester finanzieller Möglichkeiten. Der FC Liverpool, so scheint es, ist unter dem überzeugten Vollgastrainer Jürgen Klopp nicht in der Lage, im Zweifelsfall auch mal einen Gang zurückzuschalten. Gegen Manchester City rauschten die „Reds“ so ins Verderben, eine Halbzeit lang zu zehnt und nicht in der Lage, das Unheil mit kühlem Abwehrfußball wenigstens etwas einzudämmen.


Probleme, die natürlich auch dem Gegner wohlbekannt sind, auch City-Trainer Pep Guardiola ist ja verliebt in den Vorwärtsgang, wofür er gerne auch mal auf den Blick in den Rückspiegel verzichtet. Den FC Bayern hat er so dreimal im Champions-League-Halbfinale an die Wand gefahren, zweimal gegen zynische Konterteams aus Madrid, und mit ManCity scheiterte er in der vergangenen Saison sogar schon im Achtelfinale, an cleveren Monegassen.

Mourinho weiß, wie’s geht

Rein mathematisch sind die Chancen, dass ein Premier-League-Klub in dieser Saison mal wieder auf den Thron der Königsklasse steigt, so hoch wie lange nicht mehr, England stellt ja fünf Teams: Chelsea, Tottenham, Manchester City, Liverpool – und Manchester United, das sich mit dem Gewinn der Europa League für die Champions League qualifizierte. Unter Mourinho wurde United in der Liga nur enttäuschender Sechster, aber der Kader wurde sinnvoll verstärkt, und der schwarze Magier auf der Trainerbank weiß, wie man ein Team durch die verwinkelten Gassen der Champions League manövriert. Zweimal hat er sie gewonnen, 2004 mit dem FC Porto, 2010 mit Inter Mailand. Schöner Offensivfußball war es beide Male nicht, aber dem Anti-Idealisten aus Portugal war das natürlich völlig egal. Einst sagte er ja: „Es gibt viele Poeten im Fußball. Aber Poeten gewinnen keine Titel.“

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