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Juventus Turin Gianluigi Buffon träumt vom Henkelpott

In seiner reichen Trophäensammlung vermisst Gianluigi Buffon nur noch den Henkelpott. Es ist wohl die letzte Chance für den Torhüter von Juventus Turin.

Gigi Buffon
Will endlich den Gewinn der Champions League bejubeln: Gianluigi Buffon. Foto: afp

Es ist eine ziemlich listige Idee, den Henkelpott in einer überdimensionalen Nachbildung über der Eingangspforte des Cardiff Castle anzubringen. Direkt in Verbindung mit einem imposanten roten Drachen, dem walisischen Wappentier. Fußball-Touristen, ganz gleich ob aus Madrid, Turin oder sonstwo angereist, kommen gar nicht umhin, hier Erinnerungsfotos zu machen, zumal am alten Römerkastell der walisischen Hauptstadt auch die Banner der beiden Finalisten prangen: Als Real-Repräsentant lächelt Gareth Bale, die walisische Fußballikone; als Juve-Vertreter jubelt Paulo Dybala, der argentinische Jungstar.

Gleich daneben sind weitere Konterfeis von Kickern aufgehängt, die im Wettbewerb mitgewirkt haben. Bayern-Torwart Manuel Neuer beispielsweise. Aber bitte: Fehlt da nicht jemand? Da wird das Kulturdenkmal mit Champions-League-Heroen versehen, doch es ist nicht derjenige abgebildet, um den sich nicht nur aus italienischer Blickrichtung fast alles dreht: Gianluigi Buffon. Selten hat sich die Perspektive vor einem Finale so sehr auf die Frage fokussiert, ob eine Kultfigur unter der Latte vor Vollendung des 40. Lebensjahres noch seine verdiente Krönung erfährt.

Nur das besondere Silberstück fehlt noch in der Trophäensammlung des „heiligen Gigi“. Der viermalige Welttorhüter, den Juventus-Trainer Massimiliano Allegri immer noch für den Besten der Welt hält – Neuer-Niveau hin oder her – dachte eigentlich selbst, dass vor zwei Jahren das Endspiel in Berlin gegen den FC Barcelona die letzte Chance gewesen sei, als die Katalanen ihn dreimal bezwangen. Nun gelang das Neymar, Messi und Co. in zwei aufreibenden Viertelfinals nicht einmal, und deshalb darf der Beau mit den pechschwarzen Haaren sich nun im Millennium Stadium erneut beweisen.

Gebe es einen besseren Finalgegner als die königliche Abordnung von Real Madrid? „Das Leben ist schön“, flötete der unverwüstliche Schlussmann gleich nach dem Endspieleinzug Anfang Mai, um unmissverständlich festzuhalten: „Mittlerweile zählt die Finalteilnahme nichts mehr. Es zählt nur noch der Titel.“ Und eben dieser Pokal mit den großen Ohren. „Ich habe ihn lieb und zwinkere ihm zu, denn er treibt mich voran, mich weiterhin täglich zu motivieren und infrage zu stellen“, erklärte der 39-Jährige im „Kicker“-Interview. „Hätte ich schon alle möglichen Pokale gewonnen, wäre ich vor Langeweile längst berufsmüde.“

Man mag es kaum glauben, aber diese Ikone, schon im Jahr 2001 die bis heute auf seiner Position gültige Rekordsumme von 53 Millionen Euro Ablöse teuer, wehrte für Juve bereits die Bälle ab, als das Champions-League-Finale 2003 im Elfmeterschießen gegen den AC Mailand mit 2:3 verloren ging – obwohl Buffon zwei Versuche parierte. Damals, im Theater der Träume von Manchester, hießen seine Mitspieler noch Edgar Davids oder Antonio Conte, sein Trainer Marcello Lippi. Zeugnisse für das epochale Durchhaltevermögen der ewigen Nummer eins, den weder der Turiner Zwangsabstieg 2006 noch zeitweise Depressionen abhielten, immer denselben Kasten zu bewachen.

Seine 2003 ausgebrochene Krankheit handelte Buffon erst verspätet in seiner Autobiographie „Numero uno“ ab, was ihm bei der Aufarbeitung half. Heute wirkt der dreifache Familienvater, der nach der Trennung vom tschechischen Model Alena Seredova inzwischen mit der Sky-Reporterin Ilaria D’Amico verheiratet ist, wie ein Fels in der Brandung, den nicht mehr viel erschüttern kann. Vielleicht, weil er so viele private Brüche hinter sich hat. Fragwürdige politische Botschaften, das gekaufte Abitur, die Operation an der Bandscheibe. Bei Wetten verlor er viel Geld, gar 20 Millionen Verlust sollen es mit einem Textilunternehmen gewesen sein, aber Buffon beteuerte danach, es sei ihm nur wichtig, dass kein Mitarbeiter entlassen werden musste. Und so kam er auch aus dieser Sache noch gestärkt heraus.

Die alte Weisheit, Torhüter seien wie Wein und würden im reifen Alter immer besser, scheint der Mann aus Carrara in der Toskana, der sich dort den Drittligaklub Carrarese Calcio zugelegt hat, nach mehr als 1000 Pflichtspielen, darunter 167 Länderspiele und mehr als 150 Europapokalpartien, entgegen allen Erkenntnisse der Neuzeit retten zu wollen, so wie er noch so manch tückischen Schuss um den Pfosten lenkt. Nur drei Gegentore hat „Super-Gigi“ in dieser bemerkenswerten Champions-League-Saison überhaupt erst kassiert, und gelänge im Tag und Nacht bewachten walisischen Nationalstadion am River Taff der ersehnte Triumph, hätte die italienische Legende seinem Landsmann Paolo Maldini auch das Prädikat als ältester Champions-League-Sieger entrissen. Grund genug eigentlich, dass so einer auch am Cardiff Castle erscheint.

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