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FC Liverpool Die drei Tenöre

FC Liverpool: Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino - Stürmer im Torrausch.

Mo Salah
Mo Salah. Foto: dpa

Es soll in der Stadt der Beatles ja eine kleine Geflügelbraterei geben, in der neuerdings Chicken Tikka Mo Salah zu haben ist. Nur weil Mohamed Salah ihr einen Besuch abgestattet hat. So etwas würde in Kiew so schnell nicht passieren. Denn es ist nicht zu erwarten, dass sich der Superstar des FC Liverpool vor einem Champions-League-Finale an die Bretterbuden verirrt, die an Nachtschwärmer Getränke, Süßigkeiten oder Pizza verkaufen. Wer als Liverpool-Fan vorbeikommt, dreht meist schnell wieder um: Bier gibt es keines, was die umstehenden Polizisten sichtlich beruhigt. 

Ansonsten ist auf den Straßen der ukrainischen Kapitale viel von Salah zu hören. Weil der neue Liebling unentwegt besungen wird. Dabei musste sich der Klub – und damit auch Jürgen Klopp – viel Kritik anhören, als er den Ägypter vergangenen Sommer für 42 Millionen Euro beim AS Rom auslöste. Dem Teammanager hatte die Scoutingabteilung in den Ohren gelegen: Salah sei die Lösung. Und siehe da: Der 25-Jährige war das fehlende Puzzlestück.

„Die größte Überraschung der Saison“, hat Bundestrainer Joachim Löw gerade den Überflieger genannt. Das Fachmagazin „Kicker“ titelte über ihn: „Sim-Salah-Bin.“  Der Irrwisch hat im zweiten Anlauf die Premier League erobert, nachdem die Rakete unter José Mourinho beim FC Chelsea nicht zündete. Nicht nur an der Anfield Road liegen sie dem pfeilschnellen Wuschelkopf zu Füßen, der an besten Tagen wie eine Kreuzung zwischen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo wirkt. Genauso wendig wie der eine, genauso zielstrebig wie der andere. Was „CR7“ jetzt so nicht stehen lassen konnte. Klar, sein Pendant auf Gegnerseite habe 44 Pflichtspieltore erzielt, aber: „Lasst uns sehen, was am Samstag passiert.“ Es könnte spannend werden. 

Real ist – das hat das Halbfinale gegen die Bayern gezeigt – nicht allein Ronaldo. Und Liverpool nicht nur Salah. Denn, Simsalabim, es spielen ja ganz vorne auch noch zwei stürmende Mitstreiter einen richtig guten Stiefel. Was der der Brasilianer Roberto Firmino und der Senegalese Sadio Mané, beide 26, mit und ohne Ball anstellen, ist aller Ehren wert. Gerade in der Königsklasse. Gemeinsam kommt das Offensivtrio auf 29 Wirkungstreffer, gerecht auf Salah (10), Firmino (10) und Mané (9) verteilt. Einen so torhungrigen Dreier hat die Champions League noch nicht gesehen, und das will etwas heißen, wo doch die Zeiten des „BBC“-Sturmes – Gareth Bale, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo – noch nicht so lange her sind. 

Zu greifen sind die Männer aus Liverpool im Verbund nicht wirklich. Die Arbeitsteilung wirkt einstudiert: Salah als Tiefensprinter, Firmino als Balldieb und Mané als Draufgänger. Es hat sich zusammengefügt, was offenbar für den Klopp-Stil zusammengehört. Ihre Entwicklung ist in jedem Einzelfall bemerkenswert. Und jeder nutzte den deutschsprachigen Raum als Sprungbrett: Salah brachte Scouts aus halb Europa in seiner Zeit beim FC Basel auf seine Fährte, Firmino nutzte das Sprungbrett Bundesliga, bis Liverpool 2015 stolze 41 Millionen Euro Ablöse an die TSG Hoffenheim überwies.

Und bei Mané steht in der Vita – vor dem Wechsel 2016 vom FC Southhampton an den River Mersey – eine bemerkenswerte Entwicklung bei Red Bull Salzburg. Die englische Presse spricht hochachtungsvoll von den „drei Tenören“, die spanische Zeitung „Marca“ vom „Dreizack“. Sollten die drei Musketiere auch gegen die Königlichen zustechen, dann wird wohl ein britisches Beben aus Kiew auch in der kleinen Braterei in Liverpool ankommen. 

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