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Champions League Der Bundesliga droht der Mega-Gau

In Europa beginnen die K.o.-Spiele – der Bundesliga bleibt nur Schadensbegrenzung.

Manchester City
Auf einem anderen Planeten: Manchester City mit Kevin De Bruyne (Dritter von rechts) und Ilkay Gündogan (rechts). Foto: rtr

Da sage noch einer, die Bundesliga sei in der Champions League unterrepräsentiert. Es stimmt ja fraglos, dass allein der FC Bayern auf der international mit Abstand wichtigsten Bühne mitspielt – und nächste Woche gegen den türkischen Meister Besiktas Istanbul antritt – aber vereinzelte Bundesliga-Repräsentanten gibt es auch noch. Etwa Raphael Wicky. Der heutige Trainer des FC Basel verbrachte die meiste Zeit seiner aktiven Karriere im deutschen Oberhaus. Erst Abwehrtalent beim SV Werder (1997 bis 2000), später Führungskraft beim Hamburger SV (2002 bis 2007). Aus dieser Zeit stammen vier Einsätze in der Königsklasse, die der einstige Mädchenschwarm allerdings im HSV-Dress allesamt verlor. Trotzdem blickt der 40-Jährige gerne auf Erlebnisse zurück – Champions League war und ist etwas Besonderes.

Für die Eidgenossen stellt das Achtelfinal-Heimspiel gegen Manchester City am heutigen Dienstag um 20.45 Uhr ein Highlight und eine Herkulesaufgabe dar. „Nimmt man die finanziellen Möglichkeiten, leben wir nicht in der gleichen Welt wie fast anderen Achtelfinalisten“, sagt Wicky. Doch der Schweizer Abonnementmeister gibt das beste Beispiel, wie mit listiger Personalpolitik und ausgeklügelter Strategie der elitäre Zirkel gepiesackt werden kann. Sonst hätte Basel nicht zwölf Punkte aus der Gruppenphase verbucht – und sogar Manchester United geschlagen. Aber der von Pep Guardiola trainierte Lokalrivale scheint die natürliche Endstation in einem Wettbewerb zu sein, der das bisweilen entartete Wettrüsten des Geldadels widerspiegelt.

Oder etwa nicht? In dieser Woche wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) die neuesten Kennzahlen des deutschen Profibetriebs vorstellen. Es ist kein Geheimnis, dass der Gesamtumsatz mittlerweile auf mehr als vier Milliarden Euro geklettert ist. Für die Mehrzahl der Erstligisten ist ein Budget jenseits der 100-Millionen-Marke zur Regel geworden. Umso erschreckender, was sich in den Europapokalwettbewerben abgespielt hat. Nur drei von ursprünglich sieben deutschen Startern haben überwintert.

Auf dem DFL-Neujahrsempfang las Geschäftsführer Christian Seifert den Ligavertretern so deutlich wie nie die Leviten. Einer seiner Kernsätze: „Wer internationale Zweitklassigkeit nicht schlimm findet, wird sich schneller, als manche denken, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden.“ Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge stieß nun ins selbe Horn: „Wir haben ab dem 1. Juli vier Fixteilnehmer. Wir sind aber, wenn wir so weitermachen wie in den letzten Monaten, kurz davor, dass wir durch den Rost fallen und von vier auf zwei Teilnehmer runtersausen. Das wäre ein Schaden für die gesamte Liga.“

Primus Premier League

Wenn Champions League und Europa League in dieser Woche ihre K.o.-Spiele starten, dann geht es für das deutsche Trio – Borussia Dortmund trifft in der Europa League auf Atalanta Bergamo und RB Leipzig auf den SSC Neapel – nur noch darum, in der Uefa-Fünfjahreswertung Schadensbegrenzung zu betreiben, damit nicht irgendwann auch der vierte Platz in diesem Ranking wackelt. Dass Russen und Franzosen noch je vier Teams in den Wettbewerben oder Ukraine und Österreich einen besseren Punkteschnitt erreicht haben, muss ein Alarmsignal sein.

Verdichtet hat sich die Erkenntnis, dass es vergebene Liebesmüh darstellt, England zum Vorbild zu nehmen. Ralf Rangnick sagt im „Kicker“, er sehe keinen konkreten Ansatzpunkt, weshalb die Bundesliga gegenüber der Premier League aufholen sollte: „Eine Veränderung könnte es nur über deutliche höhere TV-Verträge und/oder eine Modifikation von 50+1 geben.“ Leipzigs Sportdirektor warnt: „Wenn wir alles so belassen, wie es jetzt ist, wird die Schere immer weiter auseinandergehen, und wir werden, außer vielleicht die Bayern, weiter die Topspieler nicht halten können.“

England ist mit seinen fünf Klubs in der Königsklasse – Tottenham Hotspur, Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, Manchester United – beseelt davon, mindestens einen davon bis nach Kiew, dem ukrainischen Finalort, zu bringen. Spanien kann sich auf seine drei Flaggschiffe FC Barcelona, Real und Atletico Madrid verlassen, dazu kommt die traditionell starke Armada von vier Vereinen in der Europa League, in der neben den beiden deutschen Champions-League-Absteigern auch ein Quartett aus Italien mitmischt.

Sollten sich Bergamo und Neapel an den nächsten beiden Donnerstagen gegen den BVB und RB durchsetzen, droht der deutschen Liga der Mega-Gau, weil die Serie A – mit Juventus Turin und AS Rom doppelt in der Champions League vertreten – dann wohl davonzieht. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl zuckte jedenfalls zusammen, gleich in der Europa-League-Zwischenrunde auf die Neapolitaner zu treffen. „Ich dachte eigentlich, dass wir aus der Champions League ausgeschieden sind, und dann kam dieses Los. Es fühlt sich so an, als wäre es eine Partie im Achtelfinale der Königsklasse.“ Die Fakten sind anders als das Gefühl.

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