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Champions-League-Aus Borussia Dortmund und die totale Verunsicherung

Nach der Niederlage gegen Tottenham und vor dem Derby gegen Schalke schweigen die Dortmunder Bosse zur Zukunft von Trainer Peter Bosz. Der Holländer wirkt zunehmend ratlos im Umgang mit der komplizierten Situation.

Peter Bosz
Die Körpersprache von BVB-Trainer Peter Bosz sagt alles.. Foto: afp

Jenseits der großen Depression, in der die schwarz-gelbe Gemeinde von Borussia Dortmund immer tiefer versinkt, steht Trainer Peter Bosz nach dem 1:2 gegen Tottenham Hotspur tatsächlich kurz davor, einen schillernden Rekord für die Champions-League-Geschichtsbücher aufzustellen.

Der BVB könnte als erster Klub mit nur zwei Punkten aus der Gruppenphase in die Europa League einziehen, nur noch eine weitere Schlappe im Dezember bei Real Madrid ist dazu erforderlich, die nicht sehr viel höher ausfallen darf, als die ebenfalls notwendige Niederlage von Apoel Nikosia bei Tottenham. Wahrscheinlich wird es so kommen, aber stolz wären sie darauf natürlich nicht. Und ob Bosz dann noch Trainer des BVB ist, wissen nur die Fußballgötter. Denn der Holländer wirkt zunehmend ratlos im Umgang mit der komplizierten Situation.

Die Arbeit von Bosz trägt keine Früchte

Das war der Grund, weshalb die Klubchefs lieber schwiegen, nachdem die Mannschaft ihre imposante Geschichte des Niedergangs mit einem weiteren Kapitel bereichert hatte. Was hätten sie auch sagen sollen auf die Trainerfrage, die vor dem Revierderby am Samstag immer stärker in den Fokus rückt? Also mussten die Spieler Stellung nehmen.

Schuld am fußballerischen Verfall sei nicht Bosz, sagte Kapitän Marcel Schmelzer und versicherte: „Wir als Mannschaft stehen komplett hinter dem Trainer.“ Aber das hilft natürlich wenig, wenn die Profis nicht in der Lage sind, ihre Loyalität in überzeugende Leistungen umzusetzen. Boszs Arbeit trägt keine Früchte. 

Nachdem ungewohnt viele Spieler in der Länderspielpause auf die Reisen zu ihren Nationalteams verzichtet hatten, und der Trainer in aller Ruhe an Taktik, Physis und Psyche arbeiten konnte, hatten die Verantwortlichen mit einem positiven Effekt gerechnet. Doch statt sich zu stabilisieren, versinken alle Beteiligten immer tiefer in einem Zustand der totalen Verunsicherung. Nicht einmal Ruhe und Facharbeit helfen also. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, den Trainer aus der Kritik auszunehmen. Und dass sie das Revierderby durch ihre individuelle Überlegenheit oder eine kluge Strategie gewinnen, glaubt nicht einmal mehr Bosz.

Zum Schlüssel sollen die besonderen Energien werden, die dieses Duell traditionell freisetzt, erklärte der Fußball-Lehrer, „das Derby ist vielleicht das Beste, was uns jetzt passieren kann“. Die Unterstützung eines Mentaltrainers oder Psychologen zur Betreuung seiner labilen Profis hält er für verzichtbar, obwohl seine eigenen Maßnahmen auf dieser Ebene seit Wochen wirkungslos bleiben. Wie so oft entwertete das Team seine guten Phasen auch gegen Tottenham durch fatale individuelle Fehler. Vor dem 1:1 durch Harry Kane hatte Jeremy Toljan einen fatalen Fehlpass gespielt, und zur Entstehung des 2:1 trugen Mario Götze und Marc Bartra mit ihrer auf Champions-League-Niveau ungeeigneten Zweikampfführung gegen Dele Alli bei. „Solche Tore kannst du nicht alle drei Tagen kassieren“, sagte Götze, der ähnlich ratlos ist wie der Trainer: „Ich kann es nicht erklären im Moment.“

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