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Wayne Rooney Englishman in Washington

Wayne Rooney hat in der Major League Soccer voll eingeschlagen und D.C. United vom letzten Platz in der Eastern Conference in die Playoffs geführt.

Chicago Fire
Immer noch spitze: Wayne Rooney. Foto: rtr

Wayne Rooney? Noch nie gehört. Wer soll das sein? Diese Frage trieb Anfang Juli viele Zuschauer im Washingtoner Nationals Park, der Spielstätte des heimischen Baseballklubs um. Der Fußballklub um die Ecke, D. C. United, hatte den Transfer dieses englischen Spielers in seinem Stadion bekanntgegeben. Fußball rangiert in den USA weit hinter American Football, Basketball, Eishockey und Baseball nur auf Rang fünf der beliebtesten Mannschaftssportarten. So war es wenig verwunderlich, dass die allermeisten Baseballfans keine Ahnung hatten, dass der Fußballklub gerade den Rekordschützen der englischen Fußball-Nationalmannschaft und von Manchester United für die Major League Soccer (MLS) hatte gewinnen können. 

Drei Monate später wird es immer noch viele US-Amerikaner geben, die mit dem Namen Wayne Rooney nichts anfangen können, doch der 33-Jährige hat bei den Fußballfans in der Kapitale der Vereinigten Staaten das „Soccer-Fieber“ entfacht. Als der bullige Mittelstürmer im Sommer vom FC Everton nach Washington D.C. kam, stand der vierfache Champion der Major League Soccer (MLS) auf dem letzten Tabellenplatz in der Eastern Conference. 19 Spiele und zwölf Siege später hat sich D.C. United als Vierter der Eastern Conference souverän für die Playoffs qualifiziert und trifft am Freitag (1 Uhr MEZ) auf Columbus Crew SC, um im heimischen Stadion mit einem Sieg ins Halbfinale gegen die bereits qualifizierten Atlanta United einzuziehen. Dank Wayne Rooney.

Neben seinen zwölf Toren und sechs Assists hat Rooney das Team vor allem mit seiner Gewinnermentalität bereichert. „Er ist hier, um das Level der Gruppe zu erhöhen“, sagt Trainer Ben Olsen, der Rooney nach drei Spielen zum Kapitän beförderte. „Er ist ein Gewinner. Er ist selbstlos und er ist hierhergekommen, um sich zu beweisen, obwohl er das nicht muss.“ Das beeindruckendste Beispiel seines unbändigen Willens lieferte Rooney in seinem sechsten Spiel für D.C. gegen Orlando City.

Es lief die 95. Minute der Nachspielzeit: Washington warf beim Spielstand von 2:2 bei eigener Ecke alles nach vorne, um den Siegtreffer zu erzielen, selbst der dänische Keeper David Ousted war in den gegnerischen Strafraum gekommen. Der Ball wurde jedoch geklärt und Orlando-Mittelfeldspieler Will Johnson hatte auf der linken Seite des Feldes freie Bahn und einen Blick auf das leere Tor. Doch Rooney war Johnson diagonal über das gesamte Feld hinterhergesprintet, holte ihn ein und grätschte ihm den Ball mit der Präzision eines Abwehrspielers von den Füßen weg. Die 20 000 Zuschauer im Stadion sprangen ungefähr genauso schnell auf wie Rooney rannte, trieben ihren Kapitän an, der ein paar Meter nach vorne dribbelte, den Ball im hohen Bogen in Strafraum schlug und Luciano Acosta seine 1,60 Meter in die Höhe schraubte und den Ball am Torwart vorbei ins Tor köpfte.

Während Acosta in die vollkommen ekstatischen Zuschauerreihen stürmte, zeigte Rooney kurz die Faust, hob den Daumen und stützte dann die Hände auf die Knie, um nach seinem Husarenstück einmal Tief Luft zu holen. „Dieser Spielzug war bezeichnend dafür, wer er ist“, lobte Trainer Olsen.

Die Szene wurde im Netz mehr als 100 Millionen Mal auf verschiedenen Kanälen in den sozialen Netzwerken angesehen. Sie war nicht nur für den Klub Gold wert, der sich nach Titeln 1996, 1997, 1999 und 2004 wieder nach Erfolgserlebnissen und Aufmerksamkeit sehnt. Sondern sie zeigte auch, wie gut Wayne Rooney noch Fußballspielen kann - auch wenn er nicht mehr der Allerschnellste ist.

Im Sommer wollte er beim FC Everton „kein Ballast“ für den neuen Trainer Marco Silva sein, hatte Rooney bei seinem Abschied erklärt. Zum Klub seiner Kindheit war er 2017 nach 13 Jahren bei Manchester United zurückgekehrt und kam in 31 Ligaspielen immerhin auf zehn Treffer. Doch die Toffees hatten ihm signalisiert, dass sie ihn gehen lassen würden, falls es Angebote gäbe. Was sollte er machen? Viel Geld in China oder in Nahost verdienen oder es vielleicht noch einmal in einer anderen europäischen Topliga probieren? Stattdessen entschied sich der gebürtige Liverpooler für die USA, wo sein jüngerer Bruder John Richard zwischen 2011 und 2012 für New York und Orlando spielte. 

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