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Sexismus beim Ballon d’Or Einfach nur dumm

Geschmacklosigkeit sondergleichen: Bei der Verleihung des Ballon d’Or muss sich die norwegische Fußballerin Ada Hegerberg vom Moderator sexistische Sprüche gefallen lassen. Der Kommentar.

Ada Hegerberg
Ada Hegerberg bekommt den Ballon d'Or verliehen - und muss sich sexistische Sprüche anhören. Foto: dpa

Mit Ehrungen der besten Fußballerinnen hat die Öffentlichkeit gemeinhin ihre Schwierigkeiten. Was nicht nur daran liegt, dass die Protagonistinnen oft viel weniger bekannt sind als die männlichen, sondern auch die Abstimmenden oft vor Unkenntnis nur so strotzen. Es gab Zeiten, da nahm eine Birgit Prinz fast schon kopfschüttelnd die Auszeichnung zur Fifa-Weltfußballerin entgegen, weil es die Frankfurterin ihrer Meinung nach gar nicht verdient hatte. Gerade erst wurde die ewige Prinz-Rivalin Marta nach 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010 auch noch 2018 wieder in diesen Rang erhoben, obwohl die 32-Jährige mit ihrem Verein – Orlando Pride in der US-amerikanischen Profiliga NWSL – keine Bäume ausgerissen, wohl aber mit der brasilianischen Frauen-Nationalmannschaft die Copa America gewonnen hatte.

Speziell im europäischen Frauenfußball haben darüber viele den Kopf geschüttelt, denn spielt nicht Ada Hegerberg seit Jahren auf einem anderen, viel höheren Level? Dass die Norwegerin nun immerhin den Ballon d’Or gewann, hätte eine schöne Entschädigung sein können, wenn nicht ein französischer DJ bei der Gala am Montagabend für eine Geschmacklosigkeit sondergleichen gesorgt hätte. Als Martin Solveig die im goldenen Kleid erschienene Fußballerin fragte, ob sie nicht eine Einlage aufführe, bei der Frauen in der Hocke mit dem Hintern wackeln, war das vollkommen deplatziert.

Mal wieder nicht vorbereitet

Norwegische Fernsehkollegen empfahlen gar mit Vehemenz ein Berufsverbot. Der Macho-Mann ist nicht der Erste, der sich als Sprecher einer solchen Veranstaltung nicht vernünftig auf seine Gesprächspartner vorbereitet und in der Not eine dumme Frage gestellt hat, aber in seinem Fall wirkte sie besonders idiotisch.

Da nehmen sich die Organisatoren des traditionsreichen Ballon d’Or erstmals vor, auch die Fußballerinnen zu würdigen, dann unterläuft gleich ein sexistisches Eigentor. Es wird auch dadurch nicht besser, dass die 23-Jährige den Vorfall im Nachgang recht locker nahm – und die Sexismus-Debatte öffentlich nicht führen wollte.

Mal wieder wurde eine Chance vertan, weil die Aufregung von der eigentlichen Geschichte ablenkt. Ada Hegerberg ist ja ein gutes Beispiel, was im Frauenfußball mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit zu erreichen ist. In jeder Winter- und Sommerpause hat Vater Stein Erik Hegerberg versucht, seine Töchter Ada und Andrine mit immer neuen Trainingsmethoden als Fußballerinnen besser zu machen. Er ist die dominante Figur im Hintergrund, der Lust und Leidenschaft an diesem Sport vorgelebt hat. Der Wechsel von Turbine Potsdam zu Olympique Lyon war 2014 fast zwangsläufig, dort ist die Starstürmerin umgeben von Weltklassespielerinnen.

Und doch wird Ada Hegerberg im nächsten Jahr nicht Weltfußballerin werden. 2019 werden die Leistungen bei der Frauen-WM fast alleine darüber entscheiden, wer die Auszeichnungen bekommt. Die lange als bodenständig und sympathisch beschriebene Norwegerin liegt allerdings seit dem vergangenen Jahr mit dem eigenen Verband und dem Nationalteam über Kreuz. Der Graben soll tiefer sein, als viele denken. Eine Rückkehr bis zum Turnier in Frankreich wirkt aktuell nicht sehr wahrscheinlich.

Es wäre übrigens ein gutes Zeichen vom Ausrichterland Frankreich, wenn für die gesamte WM-Veranstaltung der Moderator Martin Solveig nicht wieder ein Mikrofon in die Hand bekommt.

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