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Kommentar Respekt, Riku Riski

Der Finne Riku Riski hat sich einen wachen Blick für die Realitäten bewahrt, sein Horizont endet nicht im Tornetz, er weiß, was um ihn herum in der Welt passiert. Ein Kommentar.

Riku Riski
Geht nicht nach Katar: Riku Riski. Foto: dpa

Der große ganz Fußball ist ein bisschen an Riku Riski vorbeigerollt, er ist einer, der nie zum Goldsteak-Essen eingeladen wird. Eine Karriere als Fußballprofi hat der Finne dennoch gemacht, vornehmlich in Skandinavien hat der mittlerweile 29-Jährige gekickt, mal bei Turku PS in Finnland, mal bei Örebro Sk in Schweden, am höchsten bei Rosenborg Trondheim, zuweilen wurde er ausgeliehen, nach Odds Bk in Norwegen oder Dundee United in Schottland, aber da hat er kaum gespielt. Derzeit steht der Stürmer beim finnischen Abonnementsmeister HJK Helsinki unter Vertrag, seinen Marktwert taxiert das Portal transfermarkt.de aktuell auf 300 000 Euro. Immerhin ist er finnischer Nationalspieler, kein Stammspieler, zuletzt hat er vor eineinhalb Jahren für die Suomi gespielt. Jetzt, endlich, ist er wieder nominiert worden.

Riku Riski aus dem südwestfinnischen Askainen hat sich einen wachen Blick für die Realitäten bewahrt, sein Horizont endet nicht im Tornetz, er weiß, was um ihn herum in der Welt passiert. Und die ersehnte Einladung der Nationalmannschaft hat Riku Riski „aus ethischen Gründen“ ausgeschlagen, die Finnen werden ihren Lehrgang im luxuriösen Katar abhalten - das ist mit den Überzeugungen des Finnen nicht vereinbar. Die Reise an den Persischen Golf boykottiert er. Es sei um „Werte“ gegangen, „nach denen ich handeln und die ich hochhalten will“, ließ sich Riku Riski in der heimischen Zeitung „Helsingin Sanomat“ zitieren.

Katar, Ausrichter der Fußball-WM im Winter 2022, ist nicht dafür bekannt, Menschenrechte besonders hoch zu achten, die Arbeitsbedingungen für Hunderttausende Migranten aus Bangladesch, Indonesien oder Indien spotten jeder Beschreibung. Löhne werden einbehalten, Pässe ebenso, Unfälle mit Todesfolge sind keine Ausnahme. Katar wird dafür allenthalben an den Pranger gestellt, Schaufensterreden werden gehalten, doch noch immer reist etwa der große FC Bayern regelmäßig nach Doha. Regelmäßig werden die Bayern dafür massiv kritisiert, man halte den Dialog mit den Scheichs aufrecht, entgegnen die Münchner Funktionäre, man spreche die Verletzungen der Menschenrechte an. 

Es ist kaum vorstellbar, dass etwa Hummels, Lewandowski, Müller oder gar Ribery den Trip in den goldenen Käfig verweigern würden. Riku Riski aus Finnland hat das aber getan. Und hat damit seine Länderspielkarriere aufs Spiel gesetzt. Das ist es ihm wert. Dafür gebührt ihm höchster Respekt. 

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