Lade Inhalte...

Kommentar Premier League Brodelnder Vulkan

Seit Jahren reiht sich bei Jose Mourinho ein Arroganzanfall an den nächsten. Ein Kommentar.

FBL-ENG-PR-MAN UTD-TOTTENHAM
Wieder mal verschnupft: Jose Mourinho. Foto: AFP

Die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen sind meist verheerend. Sie werden daher bis ins kleinste Detail untersucht. Unter anderem an der Universität in Bristol, einer 450 000-Einwohner-Stadt im Südwesten Englands. Dort ermitteln Experten die Eintrittswahrscheinlichkeit der gefährlichen Naturschauspiele, sie errechnen deren voraussichtliches Ausmaß, prognostizieren die Folgen für die Bevölkerung. 

Die britische Insel von Bristol aus knapp 270 Kilometer nördlich fahrend, würden aber wohl selbst die Fachleute keine fundierten Vorhersagen mehr treffen können. Dort brodelt seit mehr als zwei Jahren quasi dauerhaft ein Vulkan vor sich hin, immer dazu in der Lage, von der einen auf die andere Minute Lava auszuspucken und eine Aschewolke über sein Umfeld zu verteilen. Gemeint ist freilich kein wahrhaftiger Vulkan, sondern eine Person, ein Fußballtrainer: Jose Mario dos Santos Felix Mourinho von Manchester United.

Mourinho explodiert

Der portugiesische Starcoach, der zehn Meisterschaften in vier verschiedenen Ländern, noch viel mehr Pokale und dazu zwei Champions-League-Siege geholt hat, ist am Montag nach der 0:3-Pleite seiner Mannschaft gegen Tottenham Hotspur, der zweiten im dritten Ligaspiel dieser Saison, förmlich explodiert. 

Von Reportern auf seine Taktik angesprochen, reagierte er – vorsichtig formuliert – ungehalten: „Ihr erwartet ein Wunder von meinen Jungs. Was wollt ihr mit euren Schuldzuweisungen bezwecken?“ Dann wütete er in typischer Mourinho-Manier weiter. „Was war das Ergebnis?“, fragte er in Richtung eines Journalisten und hob dabei drei Finger: „3:0 – und wofür steht das noch? Drei Meistertitel in der Premier League, die ich gewonnen habe, mehr als die anderen 19 Trainer zusammen. Drei für mich und zwei für die anderen.“ Mourinho stand auf, forderte für alle hörbar „Respekt, Respekt, Respekt“ ein und ging. 

Verdient hätte er diesen für seine Erfolge natürlich, für sein flegelhaftes Auftreten aber keineswegs. Seit Jahren reiht sich bei Mourinho ein Arroganzanfall an den nächsten. Die neuerliche bühnenreife Vorstellung im Theater der Träume, so nennt sich das United-Stadion, ist da nur die Spitze des Vulkans. Der Antrieb des 55-Jährigen dafür ist leicht zu durchschauen. Er will ablenken. 

Ablenken davon, dass Stadtrivale City - trainiert von Dauerfeind Pep Guardiola - nicht nur die Nummer eins Manchesters, sondern der ganzen Insel ist. Auch davon, dass der noch immer umsatzstärkste Verein des Weltfußballs gleichzeitig auch einer der frustrierendsten ist. Wegen der großen Diskrepanz zwischen dem, was Manchester United doch eigentlich sein will und wie es im Moment auftritt. Ein großer Klub ziemlich klein - mit Jose Mourinho an der Spitze, der bei den englischen Buchmachern nur noch in einer Rubrik ganz vorne liegt. In der für den ersten Trainerwechsel der Saison.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen