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Kommentar Manchester City Der Schrecken am Handgelenk

Manchester City entwickelt ein Gadget für Fans, das ganz heiße News ans Handgelenk liefert. Und nebenbei den Anhänger überwacht. Ein Kommentar.

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Was Pep am Spielfeldrand flüstert, wird Fantom dem Fan auch nicht verraten. Foto: AFP

Kennen Sie das? Man sitzt in der S-Bahn oder steht in der Schlange an der Wurstbude - und nichts drängt plötzlich stärker als das Verlangen nach frisch gezapften Neuigkeiten vom Lieblingsklub. Umständlich muss man das Smartphone aus der Hosentasche fingern, die Kaugummis fallen raus, die Schlüssel hinterher. Bis man sich zur Twitter-App durchgeswyped hat, sind erneut wertvolle Hundertstelsekunden verloren gegangen, schon muss man aussteigen aus der S-Bahn, schon ist man Erster in der Schlange und schaut dem Wurstbudenmann in die trüben Augen. Was darf’s sein? Eine Wurst mit Senf. Danke. Bitte. Tschüss. In der Zwischenzeit hat der Lieblingsverein einen Spieler gekauft, wie immer haben es andere als Erste erfahren. Ein schweres Schicksal, das tagtäglich Abertausende Fußballfans teilen.

Nur der englische Meister Manchester City wird seiner Verantwortung mal wieder gerecht, denn City hat ein Armband entwickeln lassen, das den Leuten diesen langwierigen und nachgerade inhumanen Prozess des Smartphone-aus-der-Hosentasche-Holens erspart. Fantom heißt das smarte Bändchen, kostet umgerechnet 90 Euro, und „es lebt auf deiner Haut“, versichert der Hersteller. Twitter? Pah. Da kann man ja genauso gut auf die Zeitung am nächsten Tag warten.

Mit dem Fantom genügt ein Blick aufs Handgelenk, schon weiß der geneigte Man-City-Fan, wie häufig sich Trainer Pep Guardiola auf der Pressekonferenz den kahlen Schädel gerieben hat. „Das Armband vibriert, schon weiß ich Bescheid“, wird ein Anhänger der Skyblues in den englischen Medien zitiert: „Das ist das Beste, was Manchester City jemals gemacht hat!“ 

Aber bevor nun jemand, was nachvollziehbar wäre, auf die Idee käme, den Scheichklub aus der englischen Industriestadt bei den Vereinten Nationen für den Menschenrechtspreis vorzuschlagen für Fantom, sei auf dieses hier hingewiesen: Andrew Gilligan, Leiter der, jawohl, Forschungsabteilung der weltumspannenden „City Football Group“, kündigte freimütig an, über das Armband das Verhalten der Fans zu überwachen, vor allem das Konsumverhalten. 

Nichts ist, wie es scheint. Auch die Amazon-Dokumentation „All or Nothing“, eben erschienen, suggeriert Nähe, wo die Distanz nicht größer sein könnte. Ein Kamerateam hat City ein Jahr lang begleitet, durfte in die Kabine, nach Hause zu den Spielern, so gut wie überall hin. Herauskam eine blendende Serie, im wahrsten Wortsinn. Brillant gemacht, packend, aber völlig unkritisch. Ein himmelblaues Imperium entsteht. Man sollte sich fürchten.

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