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Kommentar Fußballtransfers 80 Millionen

80 Millionen für einen Torwart! Was könnte man alles mit dieser astronomischen Summe an Sinnvollem finanzieren. Aber das ist natürlich naiv. Ein Kommentar.

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Kepa Arrizabalaga Revuelta steht im Tor. Foto: AFP

Kepa Arrizabalaga Revuelta ist ein 23 Jahre alter Torwart, geboren in Ondarroa, 40 Kilometer östlich von Bilbao. Der Ballabgreifer hat in seiner jungen Karriere 53 Spiele in der ersten spanischen Liga bestritten, dabei 65 Gegentore kassiert, erst seit zwei Jahren ist er eine Stammkraft im Gehäuse von Athletic Bilbao, seinem Klub, für den er seit seinem zehnten Lebensjahr spielt. Stammkraft aber nur in La Liga, in der Europa League spielt der zweite Mann Iago Herrerin. Kepa, Vertrag in Bilbao bis 2025, hat ein A-Länderspiel bestritten, fehlerfrei gegen Costa Rica, dazu eine Handvoll Spiele in der U 21, schließlich gehörte er dem spanischen WM-Kader an. Sein Marktwert wird unter Fachleuten auf 20 Millionen Euro taxiert. 

Ansonsten ist der baskische Schlussmann  bisher nicht weiter auffällig geworden. Das hat sich seit gestern radikal geändert.

Seit gestern ist der allenfalls einem Fachpublikum bekannte Profi der teuerste Torwart des Planeten Welt. 80 Millionen Euro hat der Londoner Spitzenklub FC Chelsea springen lassen. 80 Millionen! Diese absurd hohe Summe hatte sich Kepa bei der Vertragsverlängerung als feste Ablösesumme in den Kontrakt schreiben lassen. In London wurde ein Platz frei, weil der bisherige Platzhirsch Thibaut Courtois, zufällig bester Schlussmann bei der WM, keine Lust mehr auf England hat, er schwänzte das Training, um sich lieber bei Real Madrid gutbezahlt unter die Latte zu stellen.

Kepa Arrizabalaga hat damit den nur ein paar Tage alten Rekord im Wettbewerb teuerster Torhüter der Welt gebrochen: Bis dahin war der Brasilianer Alisson der Wertvollste, 72,5 Millionen schickte Liverpool nach Rom. 

80 Millionen! Was könnte man alles mit dieser astronomischen Summe an Sinnvollem finanzieren. Kindergärten, Schulen, Pflegekräfte, Infrastruktur und ähnliches. Aber das ist natürlich naiv, dafür ist das irrsinnig viele Geld nicht vorgesehen. Es kursiert in einem kleinen, sehr exklusiven Zirkel, längst jenseits dieser Welt, wandert in die eh zum Bersten gefüllten Taschen einiger weniger privilegierten Menschen, die einen Fußball treten (oder fangen) können oder beratend zur Seite stehen. Weil es einen Markt gibt, weil das Volk nach Unterhaltung giert und Ablenkung und die Stadien proppenvoll sind. Und weder miese Geschäftemacherei, Korruption, Millionengehälter noch eine ständige Spielerfluktuation bislang der Attraktivität des Spiels geschadet haben.

Paul Pogba, der französische Weltmeister, verdient bei Manchester United 200 000 Euro - in der Woche. Ist ihm zu wenig. Der FC Barcelona bietet 384 000. Pogba wird wohl wechseln. 

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