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Europa League 2 Der Uefa geht es um sich selbst

Die Uefa hat eine neue Idee: die Europa League 2 (Arbeitstitel). Dem europäischen Fußballverband geht es dabei natürlich ums Geld und um Reichweite, er selbst würde sagen: um die kleinen Verbände. Ein Kommentar.

Europa League
Die Uefa will einen neuen europäischen Klub-Wettbewerb erschaffen. Foto: dpa

Wer etwas über die Bedeutung eines Fußball-Wettbewerbs erfahren will, sollte einen Blick auf die offiziellen Siegerfotos werfen; ist ein guter Zeitpunkt gerade, jetzt, da die Einführung der Europa League 2 (Arbeitstitel) beschlossene Sache ist. 2003 gewann der FC Schalke 04 den UI-Cup, Kennern auch unter den inoffiziellen Namen „Strohhalm-Cup“, „Trost-Cup“ und „Cup der guten Hoffnung“ bekannt, und während die Kollegen die Bande, hinter der sie eigentlich fürs Foto stehen sollten, über ihre Köpfe in die Luft reckten, war Torwart Frank Rost schon auf dem Weg nach drinnen. Man sieht ihn am Rand des Bildes. Er guckt rüber, Abscheu im Blick: Kinder, bitte: Macht euch nicht lächerlich. Und mich schon mal gar nicht.

Es macht Spaß, sich an den UI-Cup zu erinnern, der eigentlich Uefa Intertoto Cup hieß und im Jahr 1967 erfunden wurde, um, in der Tat, auch in der fußballfreien Zeit vor Saisonbeginn Totowetten anbieten zu können. Dementsprechend sah auch das Logo aus, eine Kugel mit ein paar Zahlen und einem roten X in der Mitte, wie ein Wettschein, und der Sieger bekam eine Plakette im Din-A4-Format, die aussah wie die Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen, in etwa so viel war sie auch wert. Wobei: UI-Cup-Sieger waren ja für den glanzvollen Uefa-Cup qualifiziert, den sie in der Liga noch knapp verpasst hatten. Dort gab es einen richtigen Pokal, einen schönen, vor dem nicht mal Frank Rost weggelaufen wäre, Kennern übrigens auch unter dem inoffiziellen Titel „Fäustel“ bekannt. Er hat sehr große Hände.

Aber die Vergangenheit macht, im Rückspiegel betrachtet, immer irgendwie Spaß, sofern sie nicht die Hölle war. Der UI-Cup war in Wahrheit ein größeres Ärgernis, es gibt ihn natürlich längst nicht mehr, seit 2009 lebt er im erweiterten Uefa-Cup weiter, der, da man gerade dran war, in Europa League umbenannt wurde. Muss man jetzt also wirklich den UI-Cup aus dem Schredder holen und ihn ab 2021 als Europa League 2 (Arbeitstitel) neu zusammensetzen, größer und schöner und ohne das grundlegend Piefige einer Lotto-Toto-Annahmestelle?

Dem europäischen Fußballverband geht es natürlich ums Geld und um Reichweite, er selbst würde sagen: um die kleinen Verbände. Was das Gleiche ist. Der Uefa geht es um sich selbst, darum, immer mehr TV-Gelder zu erlösen. Damit steigert sie die Bedeutung ihrer Wettbewerbe. In Deutschland wird es einen Starter geben, und wer die Europa League 2 (Arbeitstitel) gewinnt, darf im kommenden Jahr in der Europa League spielen. Das ist natürlich toll. Was nicht toll ist: Monatelang in der europäischen Fußballprovinz herumzureisen, wertvolle Kräfte für die Bundesliga zu verschleudern, und niemanden interessiert’s. Tipp für den endgültigen Namen des neuen Wettbewerbs: Frank-Rost-Cup. Mit einer sehr großen Hand als Trophäe.

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