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England Die FA am Pranger

Der englische Fußballverband gerät wegen der Causa „Sampson“ in die Bredouille.

Martin Glenn
In der Kritik: FA-Boss Martin Glenn. Foto: rtr

Der englische Fußballverband - Football Association (FA) - und sein Präsident Martin Glenn geraten nach der Entlassung des Frauennationaltrainers Mark Sampson für ihr Krisenmanagement ins Kreuzfeuer der Kritik. Gefeuert wurde der 34-Jährige nämlich nicht wegen der Rassismusvorwürfe, die die ehemalige Nationalspielerin Eniola Aluko öffentlich machte, sondern wegen „klarer Beweise für unangemessenes und inakzeptables Verhalten“ von rassistischen Ausfällen aus dem Jahr 2013. Damals war Sampson noch Trainer der Bristol Academy.

Das wirft mehrere Fragen auf: Warum wird er, nachdem der Fall Bristol ein Jahr lang untersucht und Sampson für unschuldig befunden worden war, ausgerechnet jetzt entlassen? Warum wurde Sampson überhaupt eingestellt? Und warum hat sich FA-Boss Glenn, den Bericht zum Fall aus Bristol erst vor einer Woche besorgt, nachdem er ihn im Detail bei seinem Amtsantritt noch nicht lesen wollte? Das Dossier war ihm laut „Guardian“ vorgelegt worden.

Untersuchungsausschuss im Unterhaus

Die britische Sportministerin Tracey Crouch spricht bereits von „Chaos“ und der bevorstehende Untersuchungsausschuss zu den Rassismusvorwürfen im englischen Unterhaus wird für Glenn und die FA unangenehm. Damian Collins, Vorsitzender des Sportausschusses, fordert den Rücktritt von Glenn, wenn sich herausstellen sollte, dass Warnungen und Hinweise ignoriert wurden, Sampsons Vertrag früher aufzulösen.

Aluko hatte dem „Guardian“ und der BBC berichtet, dass Sampson anlässlich des Besuchs ihrer Familie aus Nigeria zu einem Freundschaftsspiel gegen Deutschland im Jahr 2014 gesagt haben soll: „Dann sorge dafür, dass sie ohne Ebola hierher kommen.“ Sampson hatte das bestritten. Der Untersuchungsausschuss, bestehend aus dem Technischen Direktor der FA, Dan Ashworth – einem Freund von Sampson, wie der „Guardian“ berichtet - sowie der Personaldirektorin Rachel Brace hatten Sampson freigesprochen. Vergangene Woche wurde der Untersuchungsausschuss erneut zusammengerufen, nachdem die Chelsea-Spielerin Drew Spence Sampson ebenfalls Rassismus vorwarf. Auch beim zweiten Mal wurde der Trainer freigesprochen - ohne das Augenzeugen gehört wurden. Zwei Weiße mittleren Alters, deren Untersuchung „nicht dazu diente, die Wahrheit herauszufinden, sondern Sampson zu schützen“, kommentierte der „Guardian“.

Glenn will sich entschuldigen

FA-Präsident Glenn verteidigte auf Anfrage der Zeitung zwar seine Kollegen, räumte aber ein, nicht vollauf zufrieden mit dem Report zu sein. Deshalb habe er die Anwältin Katherine Newton - eine Schwarze - beauftragt, um eine neue unabhängige Untersuchung zu starten. „Ich wollte, dass die Vorsitzende eine Frau ist und einer anderen Ethnie angehört“, sagte er dem „Guardian“. Peinlich für Glenn: FA-Anwälte hatten der Zeitung in einem harschen Brief zuvor geschrieben, dass die Behauptung „falsch“ ist, dass er bewusst eine Schwarze wollte.

Glenn kündigte an, sich persönlich bei Akulo und Spence entschuldigen zu wollen, falls der unabhängige Ausschuss zu dem Schluss kommt, dass sie die Wahrheit gesagt haben. Ob er dann noch FA-Präsident ist, ist eine andere Frage.

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