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B-Elf von Dänemark Dänen wollen gegen Wales spielen

Es war eine Begegnung, die die Dänen so schnell nicht vergessen werden. Eine Notelf aus Futsalspielern und Halbprofis hielt sich in der Slowakei achtbar.

06.09.2018 12:22
B-Elf
In der Slowakei spielte Dänemark mit einer zweiten Mannschaft. Foto: Ronald Zak/AP

Es war ein kurioses Match, das in die Geschichte des dänischen Fußballs eingehen wird. Halbprofis und Futsal-Spieler traten als zusammengewürfelter Haufen in den Trikots der dänischen Nationalmannschaft gegen die Slowakei an und hielten sich beim 0:3 in Trnava achtbar.

Doch nun hoffen die dänischen Profis auf ein schnelles Ende des Sponsoring-Streits mit dem Dänischen Fußballverband (DBU). Auch DBU-Präsident Jesper Møller wollte nicht ausschließen, dass am Sonntag in der Nations League B der A-Kader gegen Wales in Aarhus auflaufen kann. „Ich bin positiv, und die Spieler sind es auch“, sagte Møller nach dem Spiel im dänischen Rundfunk. „Wir reden miteinander, aber das sind keine Verhandlungen. Sie wollen spielen, und wir wollen auch, dass sie es tun.“

UEFA drohte mit Strafe

Die 23 Nationalspieler und der Verband hatten sich bislang nicht auf die Ausgestaltung ihrer Werbeverträge einigen können und setzten den Verband mit einem Streik unter Druck. Daraufhin erteilte ihnen der Verband in der Slowakei ein Spielverbot, entsandte aber eine Notelf, da die Europäische Fußball-Union für den Fall der Absage des Spiels mit dem Ausschluss Dänemarks von der EM 2020 und einer hohen Geldstrafe gedroht hatte.

Der prominenteste Akteur der Behelfstruppe saß in Trnava auf der Trainerbank: Ex-HSV-Profi John Jensen war 1992 der gefeierte Held der dänischen Auswahl, die EM-Finale die Deutschen besiegt hatte. Der damalige Torschütze zum 1:0 war trotz der Niederlage gegen die Slowaken in dem denkwürdigen Match zufrieden. „Es war die schönste Niederlage in der Geschichte der dänischen Nationalmannschaft. Ich und die Spieler haben nicht das Gefühl, dass wir diesen Kampf verloren haben“, sagte Jensen. „Das war verrückt. Ich bin stolz darauf, ein Däne zu sein“, fügte er hinzu.

Die Gastgeber hingegen waren über die ungleiche Partie wenig begeistert. „Wir haben uns das anders vorgestellt. Nämlich, dass ein starkes Dänemark kommt, mit sehr guten Spielern“, sagte Trainer Jan Kozak der slowakischen Nachrichtenagentur TASR. „Das wäre eine große Herausforderung für uns gewesen. Leider war das jetzt nicht so“, bedauerte er.

Torschütze Albert Rusnak hatte wenig Freude an seinem Treffer: „Für die Zuschauer war das ein unattraktives Spiel. Allein schon, dass ich mein Tor gegen einen Hallenfußball-Torwart geschossen habe, sagt alles. Eine traurige Sache insgesamt.“ Die Zeitung „Novy Cas“ titelte daher: „Hallenfußball-Torwart ließ die Slowaken ordentlich leiden“.

Der 31-jährige Keeper Christoffer Haagh hatte zuvor über 50 Länderspiele im Futsal bestritten. „Die Erfahrung, plötzlich Nationalspieler zu sein, war etwas Besonderes“, sagte er der Zeitung „Politiken“. „Die DBU hat uns informiert, was uns erwartet. Deshalb haben wir alles mit einem Lächeln hingenommen.“

DBU-Chef Møller wollte noch nicht andeuten, wie die Einigung mit den Spielern nun aussehen könnte. „Die DBU erzählt eine Story, in der wir so dargestellt werden, als hätten wir nichts anderes als unseren Geldbeutel im Sinn“, verteidigte der 80-malige Auswahlspieler Christian Eriksen von Tottenham Hotspur in der dänischen Zeitung „Ekstrabladet“ die Haltung der Spieler. Das Blatt verweist darauf, dass nun selbst im Falle einer Einigung zwischen Profis und Verband die Clubs die Freistellung ihrer Profi verweigern könnten, weil sie 15 Tage vor einem Länderspiel informiert werden müssten.

Die DBU will die Slowaken für das entstandene Chaos finanziell entschädigen. Nachdem bekannt geworden war, dass bei dem Testspiel nur eine Notelf antritt, wurden die Tickets für nur einen Euro verramscht. (dpa)

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