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Fußball Hilfestellung

Auch mehr als drei Jahre nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger fehlen weitere Vorbilder, zu denen das Fußballvolk aufblicken könnte. Ein Kommentar.

24.03.2017 17:31
Thomas Hitzlsperger
Thomas Hitzlsperger. Foto: imago

Den Spruch kennt jeder. Es gibt wohl kaum einen Sportplatz im Fußballland Deutschland, auf dem nicht schon der Vorwurf erklungen ist: „Was ist denn das für’n schwuler Pass!“ Und gleich noch hinterher: „Du Schwuchtel!“ Für alle, die noch nie in einer Vereins- oder Thekenmannschaft gespielt haben, mag das wie blanke Diskriminierung klingen, die Umgangssprache darüber hinaus wie ein Akt der Ausgrenzung. Aber dem ist nicht so. Das behauptet zumindest Thomas Hitzlsperger.

Der hat noch einmal klargestellt, dass man solche Sprüche nicht immer für bare Münze nehmen sollte. „Das wird oft so dahin gesagt. Es steckt aber keine böse Absicht dahinter.“ Klar, alle Beteiligten könnten und sollten darauf verzichten, aber hier muss nicht angesetzt werden, um gegen Homophobie vorzugehen.

Der Ansatz muss ein ganz anderer sein. Auch mehr als drei Jahre nach dem Outing des schussstarken Mittelfeldspielers, der zwischen 2004 und 2010 für die deutsche Nationalmannschaft spielte, fehlen weitere Vorbilder, zu denen das Fußballvolk aufblicken könnte. Hitzlsperger hat eine Vorlage geliefert, die viel konkreter ausfiel als das, was Michael Becker, der Berater von Michael Ballack, mit seinen nebulösen Andeutungen über die „Schwulen-Combo“, wie 2010 im „Spiegel“ über die Nationalelf nachzulesen war, angedeutet hatte.

Beckers Diffamierungen ohne Belege seien damals so platt gewesen, dass er darüber hinweggegangen sei, erzählte Hitzlsperger. Ihn habe das vielmehr amüsiert. Die Öffentlichkeit aber fragte sich vielmehr, was hinter diesen nebulösen Andeutungen steckte.

Vielleicht musste Hitzlsperger auch deshalb zunächst wie geplant im Ausland abtauchen, nachdem er seinen ersten Medienmarathon routiniert und professionell hinter sich gebracht hatte. Trotzdem ist es traurig, dass das Thema aus der öffentlichen Wahrnehmung des Fußballgeschäfts fast vollständig verschwunden ist. Genau wie der Suizid von Robert Enke kein generelles Umdenken mit dem unerbittlichen Druck im Verdrängungsbetrieb Bundesliga ausgelöst hat, ist aber auch hier der Nebeneffekt nicht zu verachten: weniger dem Fußball, aber der Gesellschaft hat es geholfen.

Übrigens: Der Frauenfußball ist in dieser Hinsicht viel weiter als der Männerfußball. Die aktuelle Bundestrainerin Steffi Jones gibt das beste Beispiel, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft völlig normal ist, sodass Nachfragen selbst in größeren Interviews nur noch die Ausnahme sind. Und lesbische Pässe hat es auch noch nie gegeben.

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