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Fußball-EM 2016 Hoher Preis für EM-Karte

Nur wer Mitglied im „Fan Club Nationalmannschaft“ ist, kann auch Tickets für die Euro 2016 bestellen. Das sorgt allenthalben für Ärger: Unverhohlen ist von „Abzocke bei EM-Tickets“ die Rede.

Nicht jeder Fan kann sich um Karten für die deutschen EM-Spiele bewerben. Foto: imago/Michael Weber

Der schwarz-rot-goldene Flyer gehört bei Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft zum Standardprogramm. „Sei näher dran am Team“ lautet die Aufschrift auf dem farbigen Faltblatt, das nicht nur dem Stadionmagazin beiliegt, sondern auch von jungen Frauen im Stadionbereich verteilt wird, um für eine Mitgliedschaft im „Fan Club Nationalmannschaft“ zu werben. Rückseitig sind die Leistungen gelistet, und gleich nach Punkt eins, dem Willkommenspaket mit Fan-Cap, Schal und Schlüsselanhänger werden die Vorteile beim Ticketverkauf aufgeführt. „Vorkaufsrecht für alle Spiele der deutschen Mannschaft – außer WM und EM“ – so lautete die Botschaft noch im Oktober vergangenen Jahres vor dem abschließende EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien in Leipzig.

Doch vor der heutigen Auslosung der EM-Endrunde in Paris (18 Uhr/live ZDF) hat beim DFB ein Umdenken eingesetzt, der den Mitgliederbestand von aktuell rund 55 000 noch mal sprunghaft in die Höhe treiben dürfte. „Um Tickets aus dem Kontingent des DFB können sich ausschließlich Mitglieder im Fan Club Nationalmannschaft bewerben“, heißt es im Ticket-Portal des DFB. Wenn die Paarungen feststehen, werden den beteiligten Nationen jeweils 20 Prozent der Stadion-Nettokapazität angeboten. Je nach Stadiongröße sind das zwischen 6000 und 15 000 Karten.

Für dieses wichtigste Kontingent werden vom 14. Dezember bis 18. Januar die Bewerbungen entgegengenommen. Das umstrittene Koppelgeschäft – Mitgliedschaft im Fanklub als Voraussetzung, um an Karten zu gelangen – haben sich bei der Uefa auch Gastgeber Frankreich, Belgien, England und Wales abnicken lassen. Sonst lässt sich das Bestellformular überhaupt nicht öffnen.

30 Euro Jahresbeitrag

Die Website www.fussballnationalmannschaft.net schließt sich dem Proteststurm in den sozialen Netzwerken an. Dort ist unverhohlen von „Abzocke bei EM-Tickets“ die Rede. „Die Ticketpreise sind eigentlich vergleichsweise human. Vielen Fußballfans nutzt das allerdings nichts. Denn natürlich übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Die Tickets werden daher verlost. Das Problem: Die Verlosung wird durch den Deutschen Fußball-Bund organisiert. Und dieser sieht dabei wohl eine gute Gelegenheit, auch selbst noch ein wenig Geld zu verdienen.“

Betreiber der Seite ist Nils Römeling, der betont: „Wir halten das für nicht gerechtfertigt. Das passt aber beim DFB gerade ins Gefüge. Es wird die Chance vertan, ein transparentes und fanfreundliches Bild abzugeben. Es ist nicht einzusehen, dass der DFB beim Ticketverkauf indirekt noch mitverdienen will.“ Der 40-Jährige ist wohl oder übel dem „Fan Club Nationalmannschaft“ beigetreten, obwohl er das eigentlich nicht vorhatte.

Die Mitgliedschaft in dieser Vereinigung kostet einen Jahresbeitrag von 30 Euro. Aber damit ist es für diejenigen, die zur Europameisterschaft aus dem DFB-Topf jetzt noch Karten ordern wollen, nicht getan: Weil die Tickets erst Ende Januar 2016 vergeben werden, fallen nach einer Aufnahmegebühr von zehn Euro gleich zwei Jahresbeiträge zu je 30 Euro und somit insgesamt 70 Euro an. Damit besteht aber überhaupt keine Garantie, auch wirklich an die begehrten Billetts zu gelangen.

Gegen den Vorwurf der Abzockerei wehrt sich der Verband mit Händen und Füßen. Via DFB-Homepage wird darauf verwiesen, dass doch nur das Prozedere bei Auswärtsspielen angewandt werde. Zudem gehe es vor allem um sicherheitsrelevante Fragen – nur so könne ausgeschlossen werden, dass Anhänger bestellen, die Stadionverbot besitzen. Überdies würden doch fünf Nationen mit großen Fanaufkommen nunmehr so verfahren.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

Der für die Nationalmannschaft zuständige Pressesprecher Jens Grittner betonte am Freitag, man müsse beim Thema Sicherheit nun alle Möglichkeiten ausschöpfen. „Gerade als deutscher Verband mit unserer Vorgeschichte und vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitslage würde man uns doch zu Recht vorwerfen, wenn wir beim Thema Sicherheit nicht alle Möglichkeiten, die wir haben, ausschöpfen würden“, sagte Grittner dem Sportinformationsdienst: „Da stehen wir in der Verantwortung, und der Fanklub bietet uns dafür gute Voraussetzungen.“ Bevor man die Tickets personalisiere, greife man doch lieber auf die eingepflegten Daten zurück.

„Einen gerechten und für jedermann zufriedenstellenden Verteilungsmodus zu finden, ist schwierig“, so Grittner weiter. Es gehe „keineswegs um eine PR-Maßnahme oder Akquise-Aktion für den Fanklub. Das wäre schlichtweg eine unzutreffende Interpretation.“

Doch nicht alle Argumente von Verbandsseite wirken in dieser Frage überzeugend. Dass sich Anhänger, wie der DFB weiter herausstellt, in anderen Verkaufsphasen bedienen können, stimmt zwar – angeblich sind in der ersten Phase schon 125 000 Tickets an deutsche Besitzer gegangen – doch noch kennt niemand die Paarungen. Dieser Kartenerwerb ist nur für den sinnvoll, der sich entweder vorab auf eine Stadt festlegen oder die Tickets zwischen März und April 2016 über die Ticket-, Tausch- und Rückgabebörse umwandeln will. Wie viele Karten hier für deutsche EM-Spiele dann auftauchen, ist jedoch völlig ungewiss.

Insider und Vielfahrer gehen trotzdem wieder von einem massiven Schwarzmarkt aus, der sich über Ebay öffnen wird. Vermutlich schon gleich am kommenden Montag. Dass der DFB außerdem anführt, er wolle diejenigen belohnen, die regelmäßig bei Auswärtsfahrten dabei seien, ist für Fanvertreter auch nicht nachzuvollziehen. Philipp Markhardt als Sprecher der „Football Supporters Europe“, die für die Fanbotschaften vor Ort zuständig sind, stellt nämlich fest: „Derzeit kann ja auch der Kegelklub Volle Kugel schnell noch in den ,Fan Club Nationalmannschaft‘ eintreten und EM-Tickets ordern.“

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