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Deutschland - Slowakei Die Zauberfüße des Julian Draxler

Julian Draxler wird von Bundestrainer Löw erfolgreich dazu animiert, mutig zu sein und Dribblings zu wagen.

26.06.2016 21:49
Jan Christian Müller
Gut gemacht: Joachim Löw lobt Julian Draxler. Foto: dpa

Julian Draxler ist nicht nur auf dem neuen Rasen in der Arena von Lille flink unterwegs gewesen. Der 22-Jährige war auch schnell, als er im großen Presseraum im Bauch des Stadions gebraucht wurde. Als „Man oft he match“, als bester Spieler des Abends, gehörte es zu seiner Pflicht, sich auf dem Podium im Saal den Fragen zu stellen. Kaum war die Partie gegen die Slowakei zu Ende, in der der Draxler ein Tor erzielt und eines vorbereitet hatte, da saß er schon im schweißnassen Trikot da. Und auch, als gleich der erste Fragesteller etwas in englischer Sprache von ihm wissen wollte, wirkte er kein bisschen verunsichert. Er antwortete auf Englisch, was vollkommen ungewohnt ist bei dieser Europameisterschaft, wo sämtliche Gespräche von Dolmetschern simultan übersetzt werden.  „I am very happy that I played a good game an could help my team.? Das hat Draxler dann auf die zweite Frage auch noch mal für alle auf Deutsch übersetzt: „Ich bin sehr glücklich, dass ich meiner Mannschaft helfen konnte.“

So spricht ein Teamplayer, es ist das Vokabular, dass man immer wieder hört aus dem deutschen Lager, es ist nicht auswendig gelernt, sondern alle haben es verinnerlicht. Zumindest all diejenigen, die regelmäßig oder zumindest hin und wieder mal zum Einsatz kommen. Draxler hatte die letzte Vorrundenpartie gegen Nordirland komplett auf der Ersatzbank oder beim Aufwärmen verbringen müssen. Der Wolfsburger hatte den Bundestrainer  in den ersten beiden Spielen gegen die Ukraine nicht vollends überzeugen können, und Joachim Löw hatte sicher auch berücksichtigt, dass der schnelle Offensivmann noch im April einen Muskelriss im Oberschenkel erlitten hatte und deshalb besser nicht in jedem EM-Spiel dabei sein sollte.

Also hatte Mario Götze gegen Nordirland noch eine dritte Chance bekommen, diese aber nicht so genutzt, wie er sich das auch selbst vorgestellt haben mag, wiewohl Götze hinterher sagte, es sei sein bestes Spiel gewesen bei dieser EM. Wie dem auch sei, am Sonntag gegen die Slowakei spielte Draxler, was durchaus als Überraschung wahrgenommen wurde. Er hatte erst am Morgen von Löw persönlich erfahren, dass es für die Startelf reichen würde. „Der Bundestrainer hat von mir gefordert, dass ich mir was zutraue und in die Eins-gegen-Eins-Duelle gehe.“

Also hat sich Julian Draxler was zugetraut und ist in die Eins-gegen-Eins-Duelle gegangen. Das sah von Beginn an besser aus als bei seinen ersten beiden EM-Auftritten, er wirkte spritziger und vor allem: Er war mutiger. „Das sollte ich auch sein. Das war die Ansprache, die der Bundestrainer an mich gerichtet hat.“

Lob gab es ergo haufenweise. Erst von Löw: „Er hat das gut gemacht, er war mutig. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“ Dann auch noch von Mario Gomez, dem Draxler das Tor zum 2:0 wunderbar mit einem erfolgreichen Dribbling entlang der Grundlinie über die linke Seite vorbereitet hatte: „Julian hat zwei brillante Zauberfüße.“ Wovon der „Klassejunge“ (Gomez)  allerdings meist nur seinen rechten einsetzt. Für die überforderten Slowaken, die mit Schwindelgefühlen ins Bett gestiegen sein dürften, hat das gereicht. Nun kommen Spanien oder Italien im Viertelfinale. Julian Draxler hat in der Champions League mit Wolfsburg schon bewiesen, dass er auch auf diesem Niveau mithält. Er muss nur mutig genug sein. 

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