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Belgien - Ungarn Schnellzug in Türkis

Mitfavorit Belgien kommt bei dieser EM allmählich in Fahrt: Das 4:0 im Achtelfinale gegen Ungarn ist verdienter Lohn einer starken Leistung.

Der belgische Fußballspieler Eden Hazard (links) freut sich über sein Tor. Foto: AFP

So schnell werden die fröhlichen Lieder des belgischen Anhangs bei dieser EM nicht verstummen. „Allez Toulouse chantez avec nous“ (Komm‘ Toulouse sing mit uns) hatten die Fans mit ihren ulkigen schwarz-rot-gelben Perücken unentwegt geträllert. Im Stade Municipal feierte das belgische Nationalteam bei diesem Turnier einen fürwahr stimmungsvollen Sieg: Mit dem 4:0 (1:0) im Achtelfinale gegen Ungarn haben sich die Belgier zumindest nach einer teils beeindruckenden Vorstellung den Status eines Turnierfavoriten wieder zurückerobert. Für die überlegenen Roten Teufel trafen Toby Alderweireld (10.), Michy Batshuayi (78.), Eden Hazard (80) und Yannick Carrasco (90.).

Im Viertelfinale am Freitag im grenznahen Lille wartet mit Wales keine unlösbare Aufgabe auf die Belgier, denen dann allerdings Abwehrchef Thomas Vermaelen gesperrt fehlt. Trotzdem nicht unmöglich, dass die Generation um Hazard und Kevin De Bruyne nun vielleicht so weit kommt wie Jean-Marie Pfaff und Jan Ceulemans bei der EM 1980, als erst das Finale gegen Deutschland verloren ging. Der DFB-Auswahl geht das Team von Trainer Marc Wilmots in seiner Hälfte des Tableaus ebenso aus dem Weg wie Frankreich, Spanien oder Italien. Für Ungarn ist diese EM zwar zu Ende, aber der deutsche Trainer Bernd Storck muss sich nicht grämen: Die Magyaren hatten mit dem Vorstoß unter die letzten 16 schon mehr erreicht als gedacht.

Kollege Wilmots hatte zuvor gesagt: „Wir gehören zu den fünf, sechs besten Nationen, also werden wir dieses Spiel bestimmen müssen.“ In der Tat legte sein in türkisfarbenen Trikots angetretenes Team los wie die Feuerwehr. Beinahe jeden ungarischen Ballverlust nutzte der flämisch-wallonische Schnellzug, um mit Vollgas vorzupreschen. Einziges Manko: Viele der erstklassigen Angriffszüge wurde durch ein unzureichendes Abspiel zunichte gemacht – oder aber Gabor Kiraly stand im Wege. Der Torwart-Oldie in der grauen Schlabberhose zeigte teilweise Weltklasseparaden, sonst hätte der Weltranglistenzweiten seine erdrückende Dominanz in mehr Treffer umgemünzt. Fast schon fahrlässig, wie viele Chancen die Belgier liegen ließen.

Powerfußball

Gleichwohl war diese Ansammlung hochbegabter Powerfußballer fest gewillt, „die Chance unseres Lebens“ (Torwart Thibaut Courtois) nicht zu verpassen. In die Karte spielte dabei ein frühes Führungstor: Der mit Hazard überragende De Bruyne servierte punktgenau eine scharfe Freistoßflanke und der aufgerückte Verteidiger Alderweireld wuchtete die Kugel per Kopf in die Maschen. In der Folgezeit avancierte Kultkeeper Kiraly zum besten Ungar, der sich im Dauerbeschuss unter anderem ein Privatduell mit De Bruyne lieferte. Zwei Tage vor seinem 25. Geburtstag scheiterte der beste belgische Dampfmacher mit einem Freistoß, den der 40-Jährige noch an die Latte lenkte (35.). Spektakulär auch eine Rettungsaktion des Torhüters gegen den freistehenden Dries Mertens (42.). Die Ungarn, bei denen der Bremer Bundesligaprofi Laszlo Kleinheisler kurz vor Anpfiff wegen wieder aufgetretener Oberschenkelprobleme passen musste, hatten im Angriff hingegen lange nichts zu bieten.

Erst die zweite Halbzeit hielt die Storck-Elf mutig dagegen. Und die belgische Schludrigkeit im Abschluss wäre beinahe bestraft worden, als Adam Szalai einen Kopfball ansetzte, den Vermaelen im letzten Moment ablenkte (54.).

Doch in der Schlussphase warf vor allem der wie aufgedreht spielende belgische Kapitän Hazard noch einmal den Turbo ein. Famos seine Torvorlage zum 2:0 für den eingewechselten Batshuayi und gekonnt sein Abschluss zum 3:0. Carrasco setzte in Toulouse den Schlusspunkt.

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