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Trainerwechsel Hamburger SV feuert Christian Titz

1. UpdateChristian Titz muss beim Hamburger SV gehen, Hannes Wolf übernimmt. Der fünfte Trainerwechsel in der 2. Fußball-Bundesliga ist perfekt.

Christian Titz
Das war es dann für Christian Titz. Der Hamburger SV trennt sich von seinem Trainer. Foto: dpa

Das Muster des Hamburger Spielaufbaus ist auch für nicht besonders taktikaffine Betrachter ziemlich schnell zu erkennen gewesen. Ein Torhüter, der weit vor seinem Kasten steht, fast schon am Mittelkreis, und von dort die Angriffe initiiert. Zwei Innenverteidiger, die sich auf den Seiten positionieren, um im Zentrum großen Raum für das Anspiel auf die sich immer wieder anbietenden Mittelfeldkräfte zu schaffen. Klingt nicht allzu kompliziert, und ist es tatsächlich auch nicht wirklich - vor allem aber ist es ziemlich leicht für die gegnerischen Mannschaften zu durchschauen und wurde somit HSV-Trainer Christian Titz schneller als gedacht zum Verhängnis.

Nach nur einem Sieg aus den vergangenen fünf Begegnungen - dem 2:1 beim doch arg schwächelnden SV Darmstadt 98 - beendeten die Verantwortlichen des Bundesligaabsteigers am Dienstag das Kapitel Christian Titz. Der 47-Jährige, der eigentlich noch mit einem Vertrag bis zum Sommer 2020 ausgestattet war, wird von Hannes Wolf abgelöst. Der ehemalige Aufstiegstrainer des VfB Stuttgart soll bereits am heutigen Mittwoch die erste Trainingseinheit im Hamburger Volkspark leiten.

HSV-Sportchef Ralf Becker und der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann hatten zwei Tage nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den VfL Bochum, als die Gastgeber in den kompletten 90 Minuten mit Einfallslosigkeit erschraken und sich keine einzige echte Tormöglichkeit erspielten, Titz in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass er mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden sei. Der Vorstand ziehe damit die Konsequenzen aus der negativen sportlichen Entwicklung, hieß es in einer Mitteilung.

„Es gehört zu unserer Verantwortung, die sportliche Situation sachlich zu analysieren. Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir leider nicht die angestrebte Entwicklung genommen haben und ein erhöhtes Risiko sehen, dass wir unser Saisonziel verfehlen werden“, sagte Sportchef Becker. Der Wiederaufstieg in die Bundesliga ist erklärtes Ziel der Norddeutschen und angesichts der hohen Verbindlichkeiten auch wirtschaftliche Notwendigkeit.

Mit 18 Punkten nach zehn Spieltagen rangiert der Traditionsklub aber mittlerweile nur noch an fünfter Position der zweiten Liga und wurde am Montag sogar vom Stadtrivalen FC St. Pauli überholt. Zu viel für die Vereinsbosse, zumal sich die Kritik an Titz in den vergangenen Wochen gehäuft hatte.

Nicht nur, dass der 47-jährige Coach taktisch kaum flexibel aufstellte, auch wirkte er in der Außendarstellung nicht immer überzeugend. Seine öffentlichen Auftritte waren zwar immer von Freundlichkeit geprägt, es fehlte Titz jedoch ein bisschen an Profil. Seine Statements trug er zwar sachlich vor, manchmal aber waren sie sogar so leise, dass sie selbst über Mikrofone für die Zuhörer nicht zu vernehmen waren.

Wolf führte Stuttgart zurück in die Bundesliga

Vor allem in den Heimspielen fehlte den Hamburger zuletzt die Durchschlagskraft. In den sechs Saisonspielen vor eigenem Publikum holten die Hanseaten nur acht Punkte, besonders prekär waren die Auftritte zum Start gegen Holstein Kiel (0:3) und Jahn Regensburg (0:5). Bei den vergangenen drei Auftritten erzielten sie im Volkspark kein Tor. Titz wollte dennoch nicht von seinem Kurs abweichen, am Montag sagte er beinahe trotzig: „Die Art, wie wir spielen, wird sich durchsetzen.“ Oder auch nicht.

Titz war seit der Saison 2015/16 zunächst als Nachwuchstrainer bei den Hanseaten beschäftigt, am 12. März 2018 stieg er zum Cheftrainer auf. Trotz zehn Punkten aus den letzten sieben Partien konnte er den erstmaligen Abstieg des Traditionsklubs nicht verhindern - wirklich anzukreiden war ihm das nicht.

Sein Nachfolger Hannes Wolf war am 28. Januar beim Bundesligisten VfB Stuttgart beurlaubt worden. In der Saison zuvor hatte er die Schwaben in die Bundesliga zurückgeführt. Trotz der Trennung wurde er vom DFB im März als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Damit wurde vor allem seine Arbeit im Nachwuchsbereich gewürdigt. Wolf gilt im Gegensatz zu Titz als ausgewiesener Taktiktüftler. Das kann er erstmals am Freitag beim Auswärtsspiel in Magdeburg beweisen. (mit dpa)

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