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Kommentar Hamburger SV Der HSV und die Zwerge

Der Hamburger SV hat seine Premiere im Unterhaus klassisch in den Sand gesetzt. An die 2. Liga muss man sich an der Elbe eben erst gewöhnen. Ein Kommentar.

Hamburger SV - Holstein Kiel
Premiere für den HSV im Unterhaus. Foto: Daniel Bockwoldt (dpa)

Als das Gründungsmitglied Eintracht Frankfurt das erste Mal nach 33-jähriger Zugehörigkeit zur Eliteklasse in die zweite Liga absteigen musste, 1996 war das, da flogen am 17. Spieltag und einer 2:3-Heimpleite gegen den VfB Oldenburg Steine. Dem Klub drohte ein weiterer Absturz, trotz eines Stepanovic, trotz Spielern wie Gaudino, Bommer, Hubtchev, Schur und Bindewald. Stepi, mit dem die Hessen aus der Bundesliga abgestiegen waren, war dann auch bald kein Trainer mehr, Horst Ehrmantraut, ein kauziger, unspektakulärer Mann mit für Frankfurter Verhältnisse bisweilen ungewöhnlichen Methoden, kam und hielt den schwer angeschlagenen Klub wenigstens solide in der Spur. Eine Saison später war Eintracht Frankfurt, gehäutet und geerdet, wieder erstklassig.

So schlimm muss es nicht kommen für den HSV, der nach 55 Jahren seine Premiere im Unterhaus geradezu klassisch in den Sand gesetzt hat: 0:3, vor 57 000 Zuschauern im eigenen Stadion, gegen Holstein Kiel. 0:3 im allerersten Spiel bei besten Bedingungen, nicht etwa im tristen November in Aue auf tiefem, unbespielbarem Boden. Kein Wunder, dass Ralf Becker, der neue aus Kiel (sic!) geholte Sportvorstand, schon wieder so klingt wie im April: Man lasse sich „nicht verrückt machen“, noch stünden 33 Spiele aus, man habe „einen Schlag bekommen“, aber am nächsten Sonntag die Chance, schon wieder vieles besser zu machen. Irgendwie alles schon mal gehört. Ja, wird das denn nie besser beim HSV? Und was war das für eine Begeisterung vor dem Start ins Abenteuerland rund um Hamburg. Alles schon verpufft?

Auch Köln tut sich schwer

Zweite Liga ist nicht ohne. Es gibt so viele Imponderabilien, Ungewissheiten, Neuerungen, an die sich ein Neuling erst einmal gewöhnen muss. Da marschiert keiner mal so eben durch, schon gar nicht der HSV mit seinen vielen Stars und einer offensichtlich nicht ausbalancierten Mannschaft. Einen Freifahrtschein für verdiente Dinos gibt es nicht, ein Selbstgänger ist Liga zwei eh nicht. 

Selbst der 1. FC Köln, kein fremdes Gesicht im Unterhaus und mit den dortigen Gepflogenheiten bestens vertraut, tat sich zum Auftakt schwer, durfte sich dieses Mal, anders als in der Bundesliga, glücklich schätzen, dass in der zweiten Liga der Videoassistent nicht zum Einsatz kommt.

Der HSV wird sich schleunigst anpassen, wird die ungewohnte Liga seriös annehmen müssen. Es wird kein Husarenritt werden, so viel steht fest, sondern gefragt ist harte, ehrliche Kärrnerarbeit. Vielleicht hat es diesen frühen Schuss vor den Bug gebraucht. Als Riese unter lauter Zwergen ist die Fallhöhe enorm. Denn auch Zwerge können einen piesacken.

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