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Eintracht Braunschweig Trotz statt Trauer in Braunschweig

Eintracht Braunschweig ärgert sich nach dem verpassten Aufstieg aber über die eigenen Ultras.

Eintracht Braunschweig
Torsten Lieberknecht scheitert mit seiner Eintracht knapp an Wolfsburg. Foto: rtr

Es ist vom bekennenden Kurpfälzer Torsten Lieberknecht bekannt, dass er nicht nur in der Heimat urlaubt. Sondern in Zeiten, in denen die türkische Riviera noch Hauptanlaufpunkt für deutsche Familien war, fuhr der Trainer von Eintracht Braunschweig nach einer anstrengenden Saison gerne in jene Region rund um Antalya, in der für die Kinder die Rundumbetreuung inklusive war. Doch das braucht es nicht mehr. Einerseits zu unsicher. Andererseits auch unnötig.

Die Relegation, in der Eintracht Braunschweig am großen Nachbarn VfL Wolfsburg gescheitert ist, mag zwar vielen Klubangestellten die Energie geraubt haben, dem Trainer hat sie einen Schub für künftige Aufgaben gegeben. „Wir stehen morgen wieder auf. Wir werden ganz schnell wieder Bock auf die nächste Saison haben“, versicherte Lieberknecht. „Wenn ein Verein wieder aufstehen kann, sind wir das.“

Und zwar unverzüglich. Niederlagen gehörten nun einmal zum Fußballerleben, „und aus dieser werden wir viel Kraft schöpfen.“ Unbekannte Braunschweiger Bengels wie Salim Khelifi, erzählte der 43-Jährige wie ein rühriger Vater, hätten schließlich „gegen ihre Vorbilder gespielt“. Sei das Erlebte erst einmal verarbeitet, so die These des Überzeugungstäters, dann sei die Erfahrung äußerst hilfreich.

„Ganz Deutschland hat gesehen, was für ein fantastischer Klub wir sind.“ Töricht, dass offenbar unbelehrbare Teile der Anhängerschaft diese These immer wieder konterkarieren. Pures Glück, dass bei den Auswüchsen im doch so stimmungsvollen Stadion an der Hamburger Straße nicht mehr passierte: Der Knallkörper, der neben einem Ordner explodierte, löste keine Folgeschäden aus, und die Polizei hatte dank eines besonnenen Vorgehens auf dem Rasen die Lage alsbald im Griff. „Es mischt sich was unter, was nicht auf den Platz gehört“, sagte Lieberknecht, der gleichzeitig um Verständnis für die Emotionen warb.

Doch Präsident Sebastian Ebel fand deutliche Worte, sprach von einer „unglaublichen Sauerei“ und einem „völlig inakzeptablen Verhalten“, weswegen der DFB-Kontrollausschuss auch Ermittlungen einleitet. Für den geschockten Ebel hat der Böllerwurf sogar zu einem Bruch geführt, der das Gegentor durch Vieirinha (49.) begünstigt hätte.

Ebel schimpft gegen Fans

„Wir haben das gegen Hannover erlebt, wir haben das hier erlebt. Das ist sowas von bescheuert, gegen die eigene Mannschaft“, schimpfte der Klubboss. Die Handlungen der Ultras aus Block neun der Südkurve wurden sogar von Teilen der eigenen Kurve missbilligt („Ihr seid zu blöd“).

Schade, da der Support ansonsten uneingeschränkt erstligareif wirkte. Noch immer steht die Löwenstadt für eine besondere Fußballleidenschaft, was auf den Rängen zu spüren war, als die Trauer in Trotz umschlug: Noch bevor der gute Schiedsrichter Tobias Stieler abpfiff, gingen die Gesänge durchs Oval: „Zweite Liga – tut schon weh – scheißegal.“ Da weiß eine treue und in großem Umfang auch friedliche Fangemeinde sehr genau, dass die Selbstverwirklichung an diesem Standort dank der Kontinuität bei der sportlichen Leitung – neben Lieberknecht ist auch Manager Marc Arnold seit 2008 im Amt – auch im Unterhaus ohne Einschränkungen möglich ist.

Und wer den Blick voraus richtet, kommt ja um die Feststellung nicht umhin: Braunschweig, das am Samstag erst einmal den 50. Jahrestag der Deutschen Meisterschaft 1967 feiert, startet unweigerlich als einer der Topfavoriten in die bereits Ende Juli beginnende Saison der zweiten Liga, der zwei Schwergewichte entkommen sind, der VfB Stuttgart und Hannover 96, und zwei relative Leichtgewichte zugeführt werden, Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt. Für die Eintracht heißt das: Es kann bald wieder losgehen. Urlaubsreif sind andere.

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