Lade Inhalte...

Eintracht Braunschweig Harte Fakten und große Gefühle

Eintracht Braunschweig klopft vehement an die Tür zur Bundesliga.

Eintracht Braunschweig
Anführer der Braunschweiger Bande: Ken Reichel (m.) im Zweikampf mit zwei Berlinern. Foto: epa

Kurz vor dem Ende drohte das Spiel, ins Kitschige abzugleiten. Es lief die 86. Minute, als der Ball noch einmal von der rechten Seite in den Strafraum von Union Berlin flog. In der Mitte legte sich Braunschweigs Stürmer Domi Kumbela in die Luft, er versuchte, die Flanke per Seitfallzieher zu verwerten, es wäre sein zweites Tor in dieser Partie gewesen, doch Kumbela traf den Ball bei seiner kunstvollen Einlage nicht richtig. Und   vielleicht wäre ein Seitfallzieher-Tor des Publikumslieblings, der schon zum dritten Mal in seiner Karriere bei Eintracht haltmacht, auch ein bisschen viel des Guten gewesen. Ein bisschen zu schön.

Der Abend war ja auch so schon gut genug aus Braunschweiger Sicht. Vor einem enthemmten Publikum im rustikalen Stadion an der Hamburger Straße gewann die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht das Spitzenspiel der zweiten Liga gegen Union 3:1 durch zwei Tore von Kapitän Ken Reichel und Kumbelas Treffer, seinen ersten seit Dezember. Die Eintracht schob sich im letzten Spiel, das Sport1 nach mehr als 23 Jahren montags übertragen durfte, am verhassten Niedersachsen-Rivalen Hannover 96 mit dessen doppelt so hohem Profietat vorbei auf den zweiten Tabellenplatz und schuf zwei Spieltage vor dem Ende der Saison Fakten im Rennen um den Aufstieg.

Fakt eins: Die auf dem vierten Platz befindlichen Berliner sind nach der Niederlage in Braunschweig raus aus diesem Rennen. Bei sechs Punkten Rückstand machen sie sich keine Illusionen mehr (siehe Infobox). Der Klub musste erkennen, dass es für die Bundesliga noch nicht reicht. In der Rückrunde gingen alle Partien gegen die Top-drei-Mannschaften Stuttgart, Hannover und eben Braunschweig verloren.

Daraus folgt Fakt zwei: Den Aufstieg machen die genannten drei Teams unter sich aus. Es muss noch geklärt werden, welche beiden Mannschaften direkt in die Bundesliga einziehen – und wer in die Relegation muss, in der möglicherweise wieder einmal der Hamburger SV versuchen wird, seine Erstligazugehörigkeit zu retten.

Diesen Umweg Ende Mai wollen die Braunschweiger vermeiden. Wenn sie zwei Spieltage vor Schluss Zweiter sind, warum sollten sie dann am Ende mit dem dritten Platz zufrieden sein? „Wir ziehen die letzten beiden Spiele so durch wie die gesamte Rückrunde und wollen auf jeden Fall direkt aufsteigen“, sagte Torwart Jasmin Fejzic. „Wir haben eine gute Position. Die behalten wir. Das sage ich, weil ich selbstbewusst bin“, verkündete Offensivmann Julius Biada.

Und tatsächlich liegt der direkte Aufstieg ja auf dem Silbertablett bereit für die Braunschweiger, den Deutschen Meister von 1967, der zuletzt in der Saison 2013/2014 erstklassig war. In den letzten beiden Spielen trifft das Team auf Arminia Bielefeld und den bereits abgestiegenen Karlsruher SC. Auf den Vorletzten und Letzten. „Jeder erwartet einen Sieg von uns. Das sind oft die schwersten Spiele“, sagte Kapitän Reichel, und Trainer Lieberknecht versuchte, betont mürrisch auszusehen, als er davor warnte, schon mit den Reiseplanungen für die Bundesliga zu beginnen. Damit dürfte Lieberknecht auch die Fans gemeint haben, die das Spiel gegen Berlin mit einer rauschenden Atmosphäre unterlegten und den Sieg feierten, als sei der Aufstieg tatsächlich schon geschafft.

Dass es damit gut aussieht, liegt daran, dass die Braunschweiger sich ausgesprochen stabil präsentieren. Sie haben die wenigsten Gegentore aller Zweitligisten kassiert (29), mussten in den vergangenen 13 Spielen nur eine Niederlage hinnehmen, im Derby in Hannover, und gewinnen auch enge Begegnungen, gerne durch späte Tore. Die Partie gegen Union war ungewöhnlich früh entschieden, nach gut einer Stunde stand es 2:0 durch die beiden Reichel-Treffer, außerdem waren die Berliner nur noch zu zehnt nach der Gelb-Roten Karten gegen Roberto Puncec. Mit Kumbelas 3:1 brachen die Braunschweiger Unions Widerstand. Und so konnte Trainer Lieberknecht bei aller Nüchternheit den Stolz auf sein Team nicht verbergen. „Die Mannschaft ist bereit, ihren Traum zu leben“, sagte er. Ihren Traum vom Aufstieg.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen